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Adoption... die Zeit danach...

8. Juni 2005 um 10:18

Hi!

Ich versuche nun auf diesem Weg zu erfahren,
wie es anderen Herkunftsmüttern mit der
Adoption Ihres Kindes ergangen ist...

Vor gut acht Jahren lebte ich in Irland und
habe meinen Sohn drei Tage nach der Geburt zur Adoption freigegeben. Eine sehr liebe Sozial-
arbeiterin hat mich durch die Schwangerschaft
hindurch begleitet und ist sehr auf meine Wünsche punkto Umfeld für den Kleinen und Adoptiveltern eingegangen. Ich habe auch die Adoptiveltern kennenlernen können und hatte dann neben dem eigenen Schmerz das Gefühl, für mein Kind die beste Entscheidung zu treffen... Vor zwei Wochen kontaktierte ich nun meine Sozialarbeiterin mit der Bitte um Fotos und Informationen... Nach einer Woche erhielt ich einen Brief, der mich tief zu Tränen rührte, denn der Kleine lebt eine glückliche und gesunde Kindheit... Eigentlich genau so, wie ich es mir für ihn erträumt hatte... Ich weiß ja nicht wie die Gesetze hier sind, aber in Irland wächst das Kind mit dem Wissen über die Adoption auf, und
er geht sehr gut damit um. Zudem hat die Adoptivmutter wunderlicherweise vier Jahre später ein Mädchen bekommen, und er ist über sein Schwesterchen überglücklich... Meine Sozialarbeiterin schrieb mir alle Ihre Eindrücke und ich war total happy...

Nun habe ich vor zwei Tagen auch die Bilder zugeschickt bekommen (die er für mich ausgesucht hat und er will auch welche von mir)...

Und damit fängt mein Problem an...Ich habe wie ein Wasserfall geweint (er ist ein süsser sonniger Spitzbub) aber plötzlich überkam
mich diese innere Leere, die ich nicht wirklich
definieren kann... Jetzt, wo ich definitiv weiß, daß es ihm gutgeht und er in einer glücklichen Kindheit aufwächst, sollte es mir doch gut gehen... Aber das tut es nicht... Und bitte versteht mich jetzt nicht falsch, ich freue mich sosehr für ihn! Aber hier geht es um mich... Bin innerlich wie ohnmächtig... Und ich merke auch erstmals, daß wir uns eines Tages als Fremde begegnen werden... Alles nicht so einfach...

Gibt es hier jemanden, der Ähnliches erlebt hat?

Liebe Grüße,
MyColours


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9. Juni 2005 um 14:49

Nur Mut
Ich bin selbst ein Kind, das seinen Vater nie kennen gelernt hat, solange ich ein Kind war. Ist zwar mit einer Adoption nicht zu vergleichen, aber ich hatte auch einen "Ersatzpapa" und kannte den leiblichen eben nicht. Mir wurde so ab 15 wichtig (vorher bestand kein Kontakt, bei Euch aber schon), dass wir uns Briefe schrieben. Ich wollte ihn nicht sehen, davor hatte ich einfach Angst. Aber es tat gut, Briefe mit ihm zu schreiben.

Ich weiß ja nicht, ob ihr das dürft - Euch zu schreiben? Aber vielleicht täte es Dir gut. Diese Leere in Dir ist ziemlich leicht zu erklären - Du hättest ja gerne mehr Kontakt zu Deinem Sohn. Schön ist ja aber, dass er es gut hat in der Familie, wo er lebt, und dass er auch gut mit der Tatsache umgehen kann, dass er seine leibliche Mutter nicht kennt. Aber wie wäre es, wenn ihr Euch einfach kurze Karten schreiben würdet? Ich glaube, ellenlange Briefe könnten jetzt eher noch etwas kaputt machen, und vor allem darf er nichts von Deinen Gefühlen wissen, aber täte es nicht gut, ihm zu schreiben, dass Du findest, dass er auf den Fotos toll aussieht und dass Du Dich freust, dass er Dir die Bilder selbst ausgesucht hat und dass Du für ihn jetzt auch welche von Dir ausgesucht hast und dass Du hoffst, dass sie ihm gefallen. Und dann schickst halt ein paar Bilder von Dir. Vielleicht hilft Euch das beide.

Übrigens ist die Trauer, die Du jetzt empfindest, ganz normal. Versuch nicht, sie zu verdrängen, sondern lass sie zu.

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9. Juni 2005 um 17:18
In Antwort auf oriana_12063577

Nur Mut
Ich bin selbst ein Kind, das seinen Vater nie kennen gelernt hat, solange ich ein Kind war. Ist zwar mit einer Adoption nicht zu vergleichen, aber ich hatte auch einen "Ersatzpapa" und kannte den leiblichen eben nicht. Mir wurde so ab 15 wichtig (vorher bestand kein Kontakt, bei Euch aber schon), dass wir uns Briefe schrieben. Ich wollte ihn nicht sehen, davor hatte ich einfach Angst. Aber es tat gut, Briefe mit ihm zu schreiben.

Ich weiß ja nicht, ob ihr das dürft - Euch zu schreiben? Aber vielleicht täte es Dir gut. Diese Leere in Dir ist ziemlich leicht zu erklären - Du hättest ja gerne mehr Kontakt zu Deinem Sohn. Schön ist ja aber, dass er es gut hat in der Familie, wo er lebt, und dass er auch gut mit der Tatsache umgehen kann, dass er seine leibliche Mutter nicht kennt. Aber wie wäre es, wenn ihr Euch einfach kurze Karten schreiben würdet? Ich glaube, ellenlange Briefe könnten jetzt eher noch etwas kaputt machen, und vor allem darf er nichts von Deinen Gefühlen wissen, aber täte es nicht gut, ihm zu schreiben, dass Du findest, dass er auf den Fotos toll aussieht und dass Du Dich freust, dass er Dir die Bilder selbst ausgesucht hat und dass Du für ihn jetzt auch welche von Dir ausgesucht hast und dass Du hoffst, dass sie ihm gefallen. Und dann schickst halt ein paar Bilder von Dir. Vielleicht hilft Euch das beide.

Übrigens ist die Trauer, die Du jetzt empfindest, ganz normal. Versuch nicht, sie zu verdrängen, sondern lass sie zu.

Noch zu früh...
Danke erstmal für Deine Antwort und Ratschläge, keksmama...

Was mich interessieren würde, ist, ob Du Dich dann
mit Deinem Vater später auch getroffen hast... Wie war das und wie ist Euer Verhältnis heute?... (natürlich nur, wenn Du mir antworten möchtest)

Ich weiß noch nicht, ob ich meinen Sohn überhaupt
persönlich Briefe schreiben darf und wenn, dann finde ich es doch noch zu früh für ihn... Er ist ja erst 8... Glaube kaum, daß er in diesem Alter damit wirklich umgehen könnte... Andererseits weiß ich noch nicht, ob die Adoptiveltern einen solchen Kontakt auch befürworten würden... Diesbezüglich habe ich schon meine Sozialarbeiterin gefragt und warte auf ihre Antworten, denn momentan läuft alles nur über sie... Habe schon oft versucht, ein Tagebuch über die Adoption zu schreiben, aber bis jetzt habe ich es nicht geschafft, meine damit verbundenen Gefühle zu Papier zu bringen... Da ist definitiv eine Blokade da... Aber zum Glück kann ich mit meiner Freundin und meinem Freund (ist nicht der Vater) darüber reden, das hilft mir meistens...

Nur momentan nicht...

Aber vielleicht hast Du ja recht, und meine jetzigen Gefühle - sei es auch nur diese Leere - sind wirklich normal in dieser Situation...

Danke nochmals...

lg,
colours


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14. Juni 2005 um 15:17
In Antwort auf mycolours

Noch zu früh...
Danke erstmal für Deine Antwort und Ratschläge, keksmama...

Was mich interessieren würde, ist, ob Du Dich dann
mit Deinem Vater später auch getroffen hast... Wie war das und wie ist Euer Verhältnis heute?... (natürlich nur, wenn Du mir antworten möchtest)

Ich weiß noch nicht, ob ich meinen Sohn überhaupt
persönlich Briefe schreiben darf und wenn, dann finde ich es doch noch zu früh für ihn... Er ist ja erst 8... Glaube kaum, daß er in diesem Alter damit wirklich umgehen könnte... Andererseits weiß ich noch nicht, ob die Adoptiveltern einen solchen Kontakt auch befürworten würden... Diesbezüglich habe ich schon meine Sozialarbeiterin gefragt und warte auf ihre Antworten, denn momentan läuft alles nur über sie... Habe schon oft versucht, ein Tagebuch über die Adoption zu schreiben, aber bis jetzt habe ich es nicht geschafft, meine damit verbundenen Gefühle zu Papier zu bringen... Da ist definitiv eine Blokade da... Aber zum Glück kann ich mit meiner Freundin und meinem Freund (ist nicht der Vater) darüber reden, das hilft mir meistens...

Nur momentan nicht...

Aber vielleicht hast Du ja recht, und meine jetzigen Gefühle - sei es auch nur diese Leere - sind wirklich normal in dieser Situation...

Danke nochmals...

lg,
colours


Hallo Colours
Ich hoffe, Du liest das noch... Kannst mir gerne auch mal eine private Nachricht schicken, wenn Dir das helfen würde, die sehe ich auf jeden Fall schneller!

Ja, ich habe mich inzwischen mal mit meinem leiblichen Vater getroffen. Wir hatten Briefkontakt, seit ich 14 bin. Wir hätten uns sicher auch schon früher getroffen, aber er ist Amerikaner, ich wohne in Deutschland. Als ich 16 einhalb war, war er dann sowieso auf Besuch in Deutschland, dann habe ich mich mit ihm getroffen (ging von ihm aus, ich hätte nie gefragt, war aber froh, dass er das Interesse an meiner Person überhaupt gezeigt hat!). War schon komisch, ich hatte ja einen "Papa" (den Mann meiner Mutter), aber ich bin froh. Inzwischen haben wir uns noch ein anderes Mal gesehen, da war ich 21. Leider geht es nicht häufiger, da mir das Geld fehlt, in die Staaten zu fliegen und er fast nie in Deutschland ist. Eingeladen wäre ich aber. Jetzt schreiben wir uns eben wieder. Er ist auch nicht so etwas wie ein Vater - das versucht er zum Glück aber auch nicht. Er ist für mich eher ein "Onkel" oder sowas. Ein Freund halt, der älter ist als ich. Er versucht nicht, an mir herumzuerziehen, ich kann ihm dafür alles erzählen. Er liest es, denkt sich seinen Teil, und reagiert immer verständnisvoll. Damit ist er mir ziemlich wichtig geworden - ohne ihn könnt ichs mir so recht auch nicht mehr vorstellen.

Und ich fände mit 8 Jahren wär Dein Kind schon alt genug. Nicht für lange, gefühlsintensive Briefe. Aber für kurze Karten, auf denen halt draufsteht, dass Du Dich freust, Bilder von ihm zu sehen und dass er sie selbst ausgesucht hat und dass Du glücklich bist, dass es ihm gut geht. Natürlich dürftest ihm nicht schreiben, dass es Dir nicht gut geht... Vielleicht wäre es auch ganz gut, zuerst an die Adoptiveltern zu schreiben? Mein leiblicher Vater hat erst meiner Mutter geschrieben, ob er sich bei mir melden dürfte. Er wollte nicht, dass ich dazwischen stehe, weil meine Mutter es nicht will, ich aber schon... Dann hätte ich nie erfahren, dass er es probiert hat, sich zu melden...

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