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Baby ist unruhig, hat Bauchweh und schreit viel!

10. Dezember 2019 um 11:00

Hallo, ich bin neu hier und habe ein ganz besonderes Anliegen. Ich möchte diesen Eintrag erstellen, um anderen Eltern zu helfen mit einem "schwierigen" Baby umgehen zu lernen und nicht daran zu verzweifeln. Ich möchte gerne meine Tipps gebündelt preisgeben, denn wir haben die Erfahrung gemacht, dass es überall im Netz immer einzelne Tipps gibt, jedoch selten gebündelt. Ich denke, dass es sehr stark daran liegt, dass sich Eltern, die ein schwieriges Baby haben, ggf. schämen, starke Selbstzweifel etwas Falsches zu tun, bzw. auch garnicht die Zeit dafür haben, da sich 24/7 alles darum dreht das Baby zu trösten und nicht an dem Schreien zu verzweifeln. Insofern möchte ich gerne unsere Geschichte erzählen und somit vielleicht anderen Eltern helfen. 

Wir haben einen 2,5 Monate alten Sohn, der 3,5 Wochen zu früh auf die Welt gekommen ist. Ich bin wegen Bluthochdruck in der Spätschwangerschaft ins Krankenhaus aufgenommen werden, um für die restliche Zeit auf Medikamente eingestellt werden zu können, die den Bluthochdruck senken sollten. Bei einem routinemäßigen CTG waren sowohl die Aktivität als auch der Herzschlag unseres Sohnes so hoch, dass sich die Untersuchung knappe 2 Stunden hinzog, als plötzlich die Fruchtblase geplatzt ist und ich innerhalb von 1,5 Stunden nach Blasensprung meinen Sohn per Spontangeburt auf die Welt brachte. Zunächst kam er 5 Tage auf die Frühchenstation, da der Glukosewert nicht ganz in Ordnung war und er auch noch ein wenig Schwierigkeiten hatte, seine Temperatur zu halten. Ich wurde am darauf folgenden Tag entlassen und als Begleitperson auf der Frühchenstation aufgenommen. Die ersten 5 Tage waren sehr schwer für uns, wir wurden quasi getrennt, auch wenn mein Mann und ich von morgens früh an bis spät abends bei unserem Sohn waren (nachts haben wir beide Zuhause geschlafen, da es lediglich einen Ausklappsessel gab, der nach der Geburt alles andere als förderlich für die Heilung der Geburtsverletzungen sind) - auch für das Stillen war diese Situation natürlich alles andere als förderlich. Da mein Sohn ein Frühchen war, habe ich von meinem Gynäkologen eine Milchpumpe aus der Apotheke nutzen können, jedoch ersetzt dies natürlich nicht das anfänglich sehr wichtige Anlegen, inkl. der Körpernähe, des Neugeborenen, weshalb ich noch heute nicht die Milchmenge erbringen kann, die unser Sohn benötigt. Ich gebe jedoch nicht auf und versuche es trotzdem, auch wenn es regelmäßig bei mir und meinem Sohn für Frust sorgt. Wir füttern also Pre Nahrung zu.

Nach den 5 Tagen auf der Frühchenstation durften wir ihn endlich mit zu uns nach Hause nehmen. Ich möchte an dieser Stelle noch erwähnen, dass er unser erstes Kind ist. Wir freuten uns auf die spannende Kennenlernzeit zu dritt und wurden auch mit tollen ersten 3 Wochen belohnt. In dieser Zeit kuschelten wir viel, machten teilweise die Nacht zum Tag und den Tag zur Nacht, je nachdem wie unser Sohn danach verlangte. Diese Zeit hat uns sehr viel Energie gegeben, was auch sehr gut so war, wie sich noch herausstellen sollte...

Nach Vollendung der 3. Woche Zuhause, also direkt mit dem ersten Tag nach Ende der Elternzeit meines Mannes, wurde unser Sohn immer unruhiger. Er schrie am Tag plötzlich 3-4 Stunden lauthals, schlief nur wenige Stunden am Tag insgesamt und teilweise nur eine halbe Stunde am Stück, ließ sich nicht ablegen, nicht mal für 3 Minuten, Stillmahlzeiten und Fläschschchenmahlzeiten dauerten teilweise mehr als eine Stunde, da er immer wieder zwischendurch weinte. Mehr als 2 Stunden Schlaf waren in der Zeit für mich nicht möglich. Da mein Mann wieder arbeitete verständigten wir uns darauf, dass er das elterliche Schlafzimmer verlässt, auch für den Fall, dass mal wieder eine Nacht ist in der ich kein Auge zu bekomme und völlig am Ende bin, dass er mal einspringen und unseren Sohn nehmen kann, damit ich 2 Stunden schlafen gehen kann. Wir entschieden, dass es keinen Sinn macht, dass beide Elternteile diesem Schlafmangel ausgesetzt werden und einer immer einen kühlen Kopf bewahren sollte, um im Notfall einspringen zu können. Natürlich eine schwierige Entscheidung, da wir beide uns natürlich schon nach wenigen Tagen sehr einsam fühlten, jedoch hat sich dies für unsere Situation am besten bewährt und wir halten bis heute daran fest.

Was haben wir ausprobiert? Wir waren natürlich bei unserem Kinderarzt und gaben Sab Simplex (geben wir noch heute, es wirkt, jedoch nicht bei starken Koliken), wir gaben Kümmelzapfchen (geben wir heute noch, wenn er stundenlang drückt und er es nicht allein schafft die Windel voll zu machen) - wir haben viele Kümmelzäpfchen gegeben, sie sind gut und haben unserem Sohn zumindest mal für eine halbe Stunde, oder bis zur nächsten Mahlzeit (diese folgt ja schnell, wenn der Magen durch die volle Windel wieder leer ist ) Ruhe (ACHTUNG! Es gibt extra Kümmelzäpfchen für Neugeborene, also für Baby´s unter 3 Monaten!!!), Bigaia gaben wir auch - zunächst hat sich die Situation verschlimmert, jedoch nach einer Woche konnte er dadurch viel Pupsen und ist die Luft zumindest los geworden (wir haben sie erstmal wieder abgesetzt, da er bei jedem Pupsen aufschrie, jedoch gaben wir sie ihm wieder nach einer Pause von ca. 2 Wochen und starteten einen neuen Versucht, welcher wirklich erfolgreich war - können wir sehr empfehlen, wenn auch sehr kostspielig, wir haben jedoch noch 1,5 Flaschen und geben diese nun zu Ende und setzen sie dann ab) Viburcol gaben wir auch (es soll helfen, dass sich das Baby beruhigt) hierzu haben wir eine umstrittene Meinung zur Wirkung, denn wir haben sie ihm gegeben, wenn er stundenlange Schreiattacken hatte, natürlich hat er sich irgendwann beruhigt, aber wir wissen nicht, ob er sich auch beruhigt hätte, ohne dass wir ihm Viburcol gegeben hätten. Ich denke eher, dass er sich auch ohne genauso beruhigt hätte, jedoch kann man sie vielleicht geben, wenn eine U-Untersuchung war und man möchte, dass das Baby besser in den Schlaf findet. Unser Sohn ist nach jeder "Unternehmung" abends noch unruhiger als sonst schon und bevor es mit der Unruhe beginnt, kann ich mir vorstellen, dass sie bei dem Trösten abends unterstützen können. Für akute Schreiattacken jedoch denke ich, ist die Gabe nicht hilfreich. Auf Anraten unseres Arztes haben wir, wenn es ganz schlimm war, auch mal eine Paracetamol gegeben, jedoch half es nur bedingt, was uns sehr verunsichert hat, da wir immer davon ausgegangen sind, dass er Schmerzen hat, hierzu aber gleich mehr. Massagen helfen, jedoch mussten wir diese zumeist unter Gebrüll durchführen, da unser Sohn dies nicht mochte (außer die Füße ). "Fahrradfahren" machten wir auch, mal ließ er es sich gefallen und mal nicht, aber wenn dann half es zumindest die lästigen Püpse loszuwerden. Windsalbe hat bei uns nicht geholfen. Wenn es ganz schlimm war, haben wir ihn bis auf den Wickelbody ausgezogen, seine Füße in die Hand genommen und abwechselnd leicht geschüttelt. Das hat ihn entspannt und ihm auch manchmal ein Lächeln entlockt, wenn wir da bei gesungen haben. Was uns wirklich sehr geholfen hat, auch dass ich mich mal wieder etwas freier bewegen konnte, war die Tragehilfe. Zwar hat er sich immer erst beschwert, wenn ich sie angelegt und ihn reingesetzt habe, jedoch 20 Mal die Treppe rauf und runter und er hat geschlafen. Dies war teilweise die einzige Zeit in der unser Sohn geschlafen hat, sodass wir teilweise fast den ganzen Tag und teilweise die Nacht die Tragehilfe anhatten. Worunter natürlich mein Rücken sehr litt, sowieso tat mir in dieser Zeit alles weh, angefangen zu den Füßen, bis hin zu dem Nacken, einfach alles. Aber eine Tragehilfe können wir wirklich sehr für sehr unruhige Babys empfehlen, es hat mir ein Stück "Freiheit" zurückgebracht.

Dies oben aufgezählten Dinge probierten wir alle aus und das eine half mehr als das andere, jedoch half nichts wirklich zufriedenstellend. Weshalb wir uns dann dazu entschlossen haben einen Osteopathen aufzusuchen. Unser Sohn genoß die Sitzung, den ein oder anderen Griff des Osteopathen natürlich mehr als den anderen, aber insgesamt war er gut zurecht und fand es ganz gut. Danach stellte sich jedoch keine Besserung ein, weshalb ich mich eines abends weinend an meine Hebamme wandte, da ich einfach nicht mehr konnte. Dieses Geschrei, obwohl man doch schon alles für ihn tat, Schmerzen in Kauf nahm, kaum schlief, tröstete obwohl man selbst traurig war, lachte, obwohl einem nicht zum Lachen zumute war, teilweise schon Lieder brüllte, damit sie das Brüllen überstimmen und ihn erreichen konnte - ich war einfach nur fertig. Meine Hebamme hatte nur noch eine Idee und gab mir die Telefonnummer einer Mutter, die eine ähnliche Geschichte wie wir hatten. Mit ihr tauschte ich mich aus und es stellte sich heraus, dass es sehr viele Paralellen gab: 3-4, manchmal sogar mehr Schreistunden am Tag, häufig Schluckauf, häufiges "Drücken", Weglegen nicht möglich, Unruhe des Babys... Diese Mutter hatte ihren Sohn innerhalb von 3 Stunden entbunden, was letzlich der Moment war, indem ich entschied ihrem Tipp zu folgen. Denn eigentlich hatten wir uns dazu entschlossen nach dem Osteopathen unsere Situation zu akzeptieren und nichts neues mehr zu unternehmen. Wir wollten unseren Sohn nicht mehr von Arzt zu Arzt schleppen, sondern hoffen, dass nach 3 Monaten alles besser wird. Jedoch war die schnelle Spontangeburt mein Stichwort noch ein Mal einen weiteren Arzt aufzusuchen. Sie erzählte mir von einem Kinderarzt in Bochum, der auch eine Weiterqualifizierung zum Osteopathen hat. Hier machte ich einen Termin und es war die beste Entscheidung, die wir hätten treffen können. Er stellte eine Blockade im Nackenbereich fest (muss bereits in meinem Bauch bestanden haben, er hatte auch schon in meinem Bauch sehr häufig Schluckauf) er sagte dass hierdurch Nerven, die den Magen Darm Trakt beeinflussen geklemmt waren und das Zwerchfell nicht richtig arbeiten konnte durch diese Blockade. Er sagte, dass unser Sohn hierdurch geplagt ist durch Sodbrennen und Bauchweh, dadurch dass der Magen nicht richtig arbeiten kann. Wir waren begeistert, wollten jedoch nicht übereilig sein und die nächsten Tage abwarten. Jedoch haben wir bereits den restlichen Tag genießen können, wie noch nie. Er war total ausgeglichen und es dauerte nur 45 Minuten bis ich ihn abends zum Schlafen bewegen konnte. Auch am nächsten Tag gab es lediglich ein wenig Meckern, aber kein großes Geschrei mehr, er konnte sich auch teilweise wieder selbst beruhigen. Wir konnten ihn plötzlich mal für eine halbe Stunde ablegen und manchmal schläft er sogar mal für 20 Minuten an dem Platz, an den wir ihn abgelegt haben. Er kann plötzlich pro Mahlzeit mehr trinken als 70 ml und das innerhalb viel kürzerer Zeit als vorher. Das Stillen funktioniert auch besser. Nachdem meine Milch weg gegangen ist, ist es wieder etwas mehr geworden, da er die Brust leer trinken kann und nicht vorher aufhören muss.

Unser Fazit ist, dass es durch diesen Besuch beim Arzt, mit Sicherheit zu 80% besser geworden ist. Leider muss man die Kosten der Behandlung selbst tragen und es nicht grad wenig, jedoch hat es sich für uns gelohnt und wir sind traurig, dass wir erst so spät davon erfahren haben. Wir hätten unserem Sohn und uns eine sehr schwierige Zeit ersparen können. Wir haben in der Zeit so viel an Selbstbewusstsein verloren, nicht mehr an dem Leben "da draußen" teilnehmen können, unserem Sohn nicht die schönen Seiten zeigen können. Ich bin mir sehr sicher, dass er sich einfach wieder zurück in meinen Bauch gewünscht hat und manchmal, da bin ich ganz ehrlich, hätte ich mir das auch gewünscht. Ich war so übernächtigt und fertig mit den Nerven, er tat mir gleichzeitig so leid, dass ich mir gewünscht hätte, ihn wieder in meinem Bauch tragen zu könne, in dem er sich nicht so quält und von mir versorgt wird, ohne Bauchweh und sonstigen Beschwerden. Ich möchte an dieser Stelle sagen, dass Mami´s sich keine Vorwürfe machen dürfen, die Taten nicht hinterfragen dürfen, denn sie machen immer alles richtig. Mami´s können garnichts falsch machen, wenn sie auf ihre Intuition hören... Unser Sohn wird wahrscheinlich nie so ein Kind sein, was immer total pflegeleicht ist, auch werden wir wahrscheinlich immer die große Herausforderung "Schlafen gehen" haben - er ist sehr sensibel, jedoch hat es sich sehr gebessert und es ist schön ein glückliches Baby zu sehen, was nicht überschattet ist von Schmerzen oder Unwohlsein. Ich kann euch nur empfehlen zumindest die Osteopathie auszuprobieren, wenn die Schulmedizin nicht mehr weiterhilft.  

Ich spreche mich stark dafür aus einen Osteopathen aufzusuchen, ggf. sogar bevor man alles andere ausprobiert... Selbstverständlich, wie man auch an unserer Geschichte sieht, gibt es gute Osteopathen und weniger Gute... Uns hat die Kombination geholfen: Kinderarzt mit Weiterqualifikation Osteopathie... Ich wünsche allen betroffenen Eltern viel Kraft und vielleicht konnte ich durch unsere Geschichte etwas helfen, so wie uns die Mutter half, die eine ähnliche Geschichte hatte wie wir. 

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