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Beide 40 u. z.Zt abgebende Eltern

11. November 2007 um 19:58

Nun ist es passiert.
Wir, beide 40 mit einem 6 und 9 jährigen Sohn, haben vor drei Wochen eine Tochter bekommen. Bemerkt hat es meine Frau etwa 2 Monate vorher, geahnt hat Sie es vielleicht früher. Bemerkt ist auch etwas zu weit gegriffen, denn ich rannte irgendwann los und zwang sie regelrecht zum Streifentest.
Dann brach die Panik aus. Die biologische Uhr schrie auf ! Der Rest der Zeit zur Geburt war die Hölle. Ich war quasi arbeitsunfähig, fing an zu trinken und stark zu rauchen. Dabei war ich doch immer so ein lebensfroher Typ. Tausend Szenarien überdachte ich und besprach diese teilweise. Nachts stand ich schweiß gebadet auf.
Beide sind wir Ingenieure. Allerdings habe nur ich seit 10 Jahren im Beruf bei mäßigen Gehalt gearbeitet. Bei ihr kann man sagen, dass das Berufleben noch nie richtig begonnen hatte und hat. Auch haben jedes Mal die zeitlichen Umstände dazu beigetragen das sie vor und nach den Geburten finanziell durchs soziale Netz fiel. Die gesetzlichen Bestimmungen in diesem Land sind schlicht nichts wert für uns gewesen. Es war jedes Mal der völlig falsche Zeitpunkt ein Kind zu bekommen.
Beide sind wir der Meinung, dass man mit 40 langsam mal einen beruflichen Werdegang vorweisen sollte. Denn der Arbeitsmarkt hat ja bekanntlich seine eigenen Regeln besonders wenn man älter ist. Die letzten 10 Jahre bewegt sich unser Kontostand stets bei +500/-2000 . Nachweislich, da ich seit 2001 eine Tabelle und Diagramme führe. Eine Gegenüberstellung der festen monatlichen Ausgaben- u. Einnahmen lässt schnell erkennen, dass wir ohne ein Zweiteinkommen keinem unserer Kinder was geben und wir keine 100 im Monat sparen können. Wir leben derzeit von der Hand in den Mund. Die Wohnung (zwar Eigentumswohnung) ist völlig hinüber und abgewohnt. Für Renovierungen war nie Geld da bzw. wenn was angespart war machten wir mit den Kindern abenteuerliche Campingurlaube (wir haben noch nie (im ganzen Leben) ein Hotel bezahlt). Aber das ist auch das schönste was man Kindern antun kann. Das Elternschlafzimmer befindet sich quasi in einer kleinen Abstellkammer. So haben die beiden Jungs wenigstens ihr eigenes Zimmer. Und dieses Jahr (2007) sollte nun der endgültige Berufstart meiner Frau erfolgen. Bleibt der Berufstart auch die nächsten Jahre aus kommen wir in diesem Sozialstaat in Teufels Küche ! Allerspätestens im Alter. Da sind wir uns sicher.
Erschwerend ist, dass der zweite Sohn mit 6 Jahren durch eine Krankheit immer noch auf unserem Wickeltisch liegt und gewindelt wird. Davon haben wir zusehends die Schnauze voll und es kostet uns endlos Nerven. Abgesehen davon das beide Jungs mit ihrem extremen Temperament uns jeden Tag völlig auspowern. Es war meiner Frau mit 34 Jahren und beim zweiten Kaiserschnitt nicht erlaubt sich zu sterilisieren zu lassen ! Ein Gesetz aus dem 3. Reich ? Gemacht für deutsche Mütter und dem so tollen und kinderfreundlichen Sozialstaat ? Männer dürfen sich jederzeit sterilisieren lassen ! Nur komisch, hätte doch bei einem Ehepaar den selben Effekt ! Entschuldigung !
Wir ließen das kleine Mädchen eine Woche nach Geburt (es war der 3. Kaiserschnitt) in der Klinik zurück. Die neuen Eltern haben das Baby nun seit 2 Wochen. Bei einem Zusammentreffen befanden wir die neuen Eltern als sehr nett. Sie sind für eine offene Adoption so wie wir. Bei ihnen scheint wirtschaftlich alles im Lot zu sein, ein eigenes und schon abbezahltes Haus, er in unserem Alter und sie 7 Jahre jünger. Sie haben schon ein 2 jähriges Adoptivmädchen.
Morgen am 12 November 2007 treffen wir zum zweiten Mal die Frau vom Jugendamt. In den nächsten Tagen sollen wir das heile Heim der neuen Eltern besuchen und besuchen damit gleichzeitig unsere kleine Tochter. Oh Gott, das wird schlimm für uns.
Ich bin mit mir am Ende, was hab ich falsch gemacht ? Als Ingenieur, als Vater und als Organisator hatte ich stets irgendeine Lösung, einen Plan parat ! Doch dreh ich mich nun immer nur im Kreis. Es passt aber auch wirklich gar nichts ! Wer bleibt auf der Strecke, wenn wir die Kleine doch zurückholen ? Sie als Jüngste, die beiden anderen, wir die Eltern ? Oder ALLE ? Nüchtern und logisch betrachtet müssen wir uns dieser Lebenshilfe bedienen. Aber das Herz wird zerbrechen. Als moralischer Mensch bin ich zutiefst zerstört und sehe dennoch die Notwendigkeit. Eine offene Adoption wäre für mich die einzige Hoffnung doch noch irgendwann zu meinem Seelenheil zu finden ! Dann, wenn meine Tochter mir irgendwann über meine alte Glatze streicht, mit mir was unternimmt und mir verzeiht, verdammt noch mal ! Doch die Aussicht darauf scheint mir gering, was mich so leiden lässt ! Oder gibt es so was, gibt es auch gute Wendungen ???
Deshalb bin ich auf der Suche nach abgebenden Eltern (scheinen sich im Internet ja sehr rar zu äußern), die mir ihre Erfahrungen und ihren Rat (kurzfristig) zukommen lassen oder mit denen ich mich austauschen kann (per Email). Natürlich sind auch andere Meinungen gefragt.

Ein nun dreifacher Vater

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30. November 2007 um 10:50

Hallo
Ich bin auch eine abgebene Mutter von zwei Kindern, die schon älter sind.
Nur ich muß sagen ich habe meine Kinder aus Liebe abgegeben, um den eine glückliche und zufriedene Kindheit zu geben.
Es ist zwar hart, schwer und es zerreist fast ein aber ich bin auch davon überzeugt das es meine Kinder mir später Danken werden.
Und ich denke Deine kleine Tochter wiedr es Dir und Deiner Frau auch Danken.
LG
Svenja

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16. Dezember 2007 um 13:54

Gutes Pflegeeltern-Verhältnis
Deine ausführliche Geschichte berührt mich. Sicher geht es vielen ähnlich, man fühlt sich nur alleine in der Situation. Erstmal finde ich super, daß Ihr das Kind nicht abgetrieben oder umgebracht habt, wie es immer wieder vorkommt. Euer Mädchen darf leben und es wird ihr gut gehen, und Euch mit Euren Jungs auch. Es ist keine Schande, ein Kind zur Adoption freizugeben!!! Wir sind glückliche Pflegeeltern eines 2-jährigen Mädchens, das wir quasi nach der GEburt in Dauerpflege bekommen haben. Die leibl. Eltern kommen 1x im Monat; wir haben ein gutes Verhältnis, das Jugendamt würde sich nur einschalten, wenn es nicht klappt. Unsere Pflegetochter wächst behütet und geliebt auf (so wie Eure Tochter), hat Mama und Papa und wird einmal verstehen, warum sie in der Herkunftsfamilie nicht bleiben konnte. Wichtig: Sagt und laßt Euer Kind spüren, daß Ihr es nicht abgestoßen habt, sondern aus Liebe abgegeben, daß es Mama und Papa lieben darf und Euch als leibl. Eltern auch (besprecht das mit den Adoptiveltern). Das sollen die Adoptelt. natürlich genauso vermitteln. Haltet Kontakt, kann auch selten sein, entspannte Treffen, Brief, Fotos, eine Locke vom ersten Haarschnitt erbitten,....
Übers Jugendamt könntet Ihr evt. Kontakt zu anderen abgebenden Eltern bekommen.
Mach Dir keinen Kopf, Ihr habt es richtig gemacht. Offene adoption ist eine sehr gute Lösung, in der Praxis fast wie Dauerpflege. Sucht euch evt. auch Hilfe od. Mitbetroffene für Eure anderen Probleme (Finanzen, Schulden, Beihilfen, krankes Kind, Behind.ausweis...)
Auf alle Aspekte Deines Hilferufs kann ich so auf die Schnelle nicht eingehen.
Wünsche Dir aber alles, alles Gute, auch Deiner Frau in der neuen Arbeitstelle.
LG mimija104

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16. Dezember 2007 um 20:55
In Antwort auf senta_11848375

Gutes Pflegeeltern-Verhältnis
Deine ausführliche Geschichte berührt mich. Sicher geht es vielen ähnlich, man fühlt sich nur alleine in der Situation. Erstmal finde ich super, daß Ihr das Kind nicht abgetrieben oder umgebracht habt, wie es immer wieder vorkommt. Euer Mädchen darf leben und es wird ihr gut gehen, und Euch mit Euren Jungs auch. Es ist keine Schande, ein Kind zur Adoption freizugeben!!! Wir sind glückliche Pflegeeltern eines 2-jährigen Mädchens, das wir quasi nach der GEburt in Dauerpflege bekommen haben. Die leibl. Eltern kommen 1x im Monat; wir haben ein gutes Verhältnis, das Jugendamt würde sich nur einschalten, wenn es nicht klappt. Unsere Pflegetochter wächst behütet und geliebt auf (so wie Eure Tochter), hat Mama und Papa und wird einmal verstehen, warum sie in der Herkunftsfamilie nicht bleiben konnte. Wichtig: Sagt und laßt Euer Kind spüren, daß Ihr es nicht abgestoßen habt, sondern aus Liebe abgegeben, daß es Mama und Papa lieben darf und Euch als leibl. Eltern auch (besprecht das mit den Adoptiveltern). Das sollen die Adoptelt. natürlich genauso vermitteln. Haltet Kontakt, kann auch selten sein, entspannte Treffen, Brief, Fotos, eine Locke vom ersten Haarschnitt erbitten,....
Übers Jugendamt könntet Ihr evt. Kontakt zu anderen abgebenden Eltern bekommen.
Mach Dir keinen Kopf, Ihr habt es richtig gemacht. Offene adoption ist eine sehr gute Lösung, in der Praxis fast wie Dauerpflege. Sucht euch evt. auch Hilfe od. Mitbetroffene für Eure anderen Probleme (Finanzen, Schulden, Beihilfen, krankes Kind, Behind.ausweis...)
Auf alle Aspekte Deines Hilferufs kann ich so auf die Schnelle nicht eingehen.
Wünsche Dir aber alles, alles Gute, auch Deiner Frau in der neuen Arbeitstelle.
LG mimija104

Aktueller Stand
Hallo an Alle !
http://www.gofeminin.de
http://www.adoption.de

Leider habe ich mich lange nicht gemeldet. Das hat auch jede Menge Ursachen. Auch geht es uns seit kurzem erst wieder einigermaßen besser. Nachdem wir nun seit Geburt endlich mal den ersten Termin beim Jugendamt bekamen. Ich muss nun auch mal sagen, dass sich meine Frau noch in der Klinik für eine Ganztagspflege entschieden hatte. Wir werden also in nächster Zeit auch Unterhalt zahlen und es wird nicht irgendwie automatisch zur Adoption kommen. Auch wurden wir beim Besuch im Jugendamt etwas schlauer und insgesamt wurde ein wenig die Angst gelindert. Von vielen Dingen hatten wir einfach keine Kenntnis. So z.B. das Thema Tagesmutter oder auch diverse andere Hilfen. So sind wir z. Z. auch verblieben dass es zunächst bei einer Pflege bleibt und uns alle Wege offen stehen. Wir machen derzeit auch unsere Hausaufgaben. Und das sehr intensiv !! (Nun, das haben wir eigentlich immer und bisher gemacht)
Sehr zwiespältig ist, dass die Pflegeeltern so wahnsinnig nett scheinen. Allein von sich selbst teilten Sie dem Jugendamt mit, dass sie sich sehr gut vorstellen könnten, im Fall das wir unsere Tochter holen, die Kleine auch später doch ab und wann zu betreuen ! Die beiden Eltern haben meine Homepage gefunden und gesehen, was wir so alles mit den beiden Jungs so unternehmen und welche doch schönen Kindheitserlebnisse beide Jungs bisher genossen. Zwiespältig, weil nett und sie es uns somit leichter machen könnten unsere Tochter doch bei ihnen zu lassen.
Morgen werden wir seit der Klinik unsere Tochter das erste Mal besuchen und wieder sehen ! Es sind nur 20 Minuten Fahrt. Da bin ich ja mal gespannt. Auf die Kleine, auf uns und ach ich weiß auch nicht recht.
Nun noch kurz zu meinem Forums-Eintrag den ich seitdem er geschrieben wurde nicht mehr durchgelesen habe. Vermutlich werde ich das auch nicht mehr tun. Die Antworten im Forum von http://www.adoption.de haben mich natürlich erschreckt. Das ist aber auch meine eigene Schuld. Ich habe eben einfach so angefangen zu schreiben. Als bisheriger Alleinversorger vermutlich etwas einseitig formuliert. Ich vergas von Liebe zu sprechen, ich vergas auch einiges andere mehr. Nur kann ich die Komplexität des Problems eh niemanden so recht nahe bringen, weil diese eben nur wir selbst erfahren. Ich schrieb einseitig, weil ich vermutete, dass es sich so am einfachsten erklären ließ und es am einfachsten von Dritten zu verstehen wäre. Es geht eben nicht nur um Geld ! Da haben wirs wieder. Schöner Selbstbetrug ! Deshalb werde ich jedem selbst überlassen, wie er über Existenz, Glück, Selbstverwirklichung, Familienglück auch ohne unterstützende Großeltern, Kinderglück, Anerkennung, Selbstanerkennung, Lebensfreude oder gesellschaftliches Abseits denkt. Die Relationen zueinander muss eh jeder für sich abwägen. Ich vermute, ist man jünger, kann man oft mehr Optimismus an den Tag legen, weil mehr Zeit ist. Ist man aber älter wird man sicherlich nüchterner auch die bisherigen Erfahrungen und Weisheiten in die Waagschale werfen.

Wir sind Kämpfer, leider schon unter Wasser lässt sich schlecht kämpfen ! Wir dürfen nichts festhalten ! Alle müssen auftauchen, auch wir ! Nur dann können wir alle Chancen auch wieder nutzen ! (Habe kein anderes Sinnbild gefunden) Wie auch immer sich dann die Situation über Wasser darstellt, ist alles machbar. Was auch bedeuten kann, dass unsere Kleine in einem anderen Rettungsboot gen Küste fährt. Wir retten uns in jedem Fall ans selbe Ufer und schauen zu eine gemeinsame Palmenhütte zu bauen !

Vielen Dank und vielen Dank auch für die privaten Nachrichten !
Eure SorgenEltern

(PS: kein Nerv mehr die Grammatik/Rechtschr. zu prüfen ..)

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5. Januar 2008 um 12:13

Toll
Lieber ne verschuldete Eigentumswohnung halten als ein Kind Be-halten.
Tja so ist das wohl in diesem Land.

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5. Januar 2008 um 12:18
In Antwort auf asta_12647114

Toll
Lieber ne verschuldete Eigentumswohnung halten als ein Kind Be-halten.
Tja so ist das wohl in diesem Land.

Vielleicht
wäre es besser wenn ihr die anderen beiden Kinder auch noch weggebt. Das kann doch nicht sein, daß man sein Kind einfach so weggibt. Ich haltet das für herzlos und perfide.

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16. Januar 2008 um 13:55
In Antwort auf asta_12647114

Vielleicht
wäre es besser wenn ihr die anderen beiden Kinder auch noch weggebt. Das kann doch nicht sein, daß man sein Kind einfach so weggibt. Ich haltet das für herzlos und perfide.

So was kann nur schreiben,
wer sich noch nicht mit der Materie befasst hat. So leichtfertig darfst Du niemand verurteilen.

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17. September 2009 um 22:51

Wir sind zusammen !
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Bevor wir später mal über Einzelheiten schreiben, möchten wir vorab mitteilen, dass unsere Familie komplett ist. Unsere Tochter ist bei uns und ihren Brüdern. Über meine beiden Einträge bin ich sehr bestürzt. Kaum zu glauben, was ich da schrieb.

Beste Grüße
Papa

PS: Wenn wir nochmal den Mut finden hier zu schreiben ... dann schreiben wir hier, wie Kindsklau in Deutschland funktioniert, wenn eine JA Tante und für uns vermeintliche Pflegeeltern (real jedoch Adoptiveltern) einen Pakt geschlossen haben ! Wir haben's jedoch überstanden und dafür hart gekämpft (vor Familiengericht hat dann diese JA-Tante R.L. auf ganzer Linie verloren ) !
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