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Brief an mein zweites Kind: Es tut mir Leid

29. Januar 2016 um 14:32

An meine Tochter, A.K.A. das zweite Kind ...

Es tut mir leid, dass ich die Phase der pürierten Süßkartoffeln ausgelassen habe und stattdessen direkt zu kleingeschnittener Hühnerbrust zum Tee übergegangen bin.

Es tut mir leid, dass 80 Prozent deiner Klamotten schon vor dir von jemandem getragen wurde. Und dass die meisten Sachen blau sind und die Leute im Park deshalb denken, du wärst ein Junge.

Es tut mir leid, dass ich die Schwangerschaftsbücher nicht alle noch einmal gelesen habe und dabei deine Größe von der einer Limette zu der einer Avocado nachverfolgt habe. Du warst schon so groß wie eine Melone, bevor ich die Bücher überhaupt entstaubt hatte, von lesen ganz zu schweigen.

Es tut mir leid, dass ich dich manchmal an den Feuchttüchern herumkauen lasse, nur um ein paar Momente Ruhe zu bekommen. Du siehst aus, als würden sie dir echt gut schmecken und irgendwie muss ich ja auch noch nebenher kochen.

Es tut mir leid, dass du jetzt schon mehr ferngesehen hast als dein Bruder, obwohl du zwei Jahre jünger bist. Und dass ich gleichzeitig stolz und beschämt bin, dass dein erstes Wort "Peppa" war (Das Schwein, nicht das Gewürz).

Es tut mir leid, dass ich so viel Kaffee getrunken habe, während du in meinem Bauch gewachsen bist, während ich, als ich mit deinem Bruder schwanger war, komplett auf Koffein verzichtet habe. Grüner Tee ist einfach nicht genug, wenn du ein Kleinkind hast. Falls es dich irgendwie tröstet, ja, ich werde mich für immer schuldig fühlen, dass ich dir irgendwie Schaden zugefügt habe.

Es tut mir leid, dass die Aufzeichnungen in deinem Säuglingsheft aus drei kleinen Punkten bestehen und dein Bruder wöchentlich gewogen wurde.

Es tut mir leid, dass auf all deinen Spielsachen Bissspuren sind (nicht von dir, wenn ich das anfügen darf). Und dass an allen Spielsachen mit Teilen zum Abnehmen mindestens eins fehlt.

Es tut mir leid, dass wir den Kinderarzt anlügen und behaupten mussten, dass du schon längst kein Gute-Nacht-Fläschchen mehr bekommst, obwohl du das sehr wohl noch tust. Ja, wahrscheinlich mache ich deine Zähne kaputt, aber der alternative tägliche Kampf, um dich ins Bett zu bringen, ist mir einfach zu viel.

Es tut mir leid, dass ich dich manchmal auf einem Pommes von McDonalds rumkauen lasse, damit du ruhig bist - und ich deinem Bruder so etwas nie gegeben hätte.

Es tut mir leid, dass es sich so anfühlt, als wärst du immer in deinem Buggy gefangen, während dein Bruder die coolen Sachen machen darf.

Es tut mir leid, dass du dein erstes Paar Schuhe erst bekommen hast, als du tatsächlich schon laufen konntest und zwar auf der Straße und nicht etwa in unserem Wohnzimmer auf dem Teppich. 1) Seine Sachen kosten mehr als mein ganzes Outfit und 2), zwei Kinder durch ein Schuhgeschäft zu jagen, ist echt anstrengend.

Es tut mir leid, dass du in deinem ersten Lebensjahr nur Schlafanzüge getragen hast, während dein Bruder wie ein kleiner Erwachsener aussah, der von einem Herrenausstatter gesponsort wurde.

Es tut mir leid, dass du kein süßes neues Kinderzimmer hast, denn als du geboren wurdest, hat dein Bruder ein frisch renoviertes Jungszimmer bekommen und du bist in sein altes, unverändertes Zimmer eingezogen.

Es tut mir leid, dass ich dir nicht so viel ungeteilte Aufmerksamkeit schenken kann, wie ich gerne würde, denn er schreit (ein bisschen) lauter als du.

Es tut mir leid, dass das Leben für dich ein bisschen anders ist als es für ihn war und dass es manchmal so aussieht, als hättest du den Kürzeren gezogen. Ich verspreche, dass ich das alles wieder gut machen werde, wenn er in die Schule geht und wir ein bisschen Zeit für uns alleine haben.

Bis dahin, mein kleines Mädchen: Es tut mir leid.

In Liebe, Mama x


Von Katie Gregory - Editor, writer, blogger, mum.

(Dieser Beitrag erschien ursprünglich auf There We Go - einem britischen Blog über Erziehung, Familienurlaub und alles dazwischen.)

http://www.huffingtonpost.de/katie-gregory/brief-an-mein-zweites-kind-es-tut-mir-leid_b_9048228.html

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post UK und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.

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29. Januar 2016 um 14:57

Einerseits spricht es mir aus dem Herzen,
andererseits erlebe ich meinen zweiten Sohn so mega entspannt und fröhlich, dass ich mir manchmal denke, dass es wohl doch nicht so schlecht ist, wenn sich nicht immer alles um einen dreht. Ich bin froh, dass ich gar keine Zeit mehr für vermeintliche Perfektion und Rundumförderprogramm habe. Dieses Kind kann sich entwickeln ohne dass die Mutter im Babyentwicklungskalender ständig schauen muss, ob auch ja alles "richtig" ist.

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29. Januar 2016 um 16:47

Finde ich blöd...
Und was ist daran so schlimm?

Dann müsste man sich ja auch beim 1. kind entschuldigen...man lernt ja dazu und das zweite kind wird z.b im tragetuch getragen anstatt im babybjörn...oder oder oder..keine Ahnung

Vielleicht versteh ich den Witz auch nur nicht

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29. Januar 2016 um 18:49

Find den Text
merkwürdig. Bei mir gibt es eindeutig mehr, wofür ich beim ersten Kind entschuldigen müsste. Versuchskaninchen für alles.

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