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Depression. Hoffe ich kann helfen!

27. Februar 2011 um 15:24

Hallo,
ich möchte für euch meine Erfahrung aufschreiben über meine Wochenbettderpession vor 9 Jahren.
Achtung. Ist lange.

Da ich schon lange an Panikattacken litt zweifelte ich schon in der Schwangerschaft daran wie es danach weitergehen soll.
Und dann kam es nach der Geburt dicker als ich es erwartet habe.
Zuerst die große Begeisterung und große Liebe nach der Geburt. Dann begannen schon im KH die Unruhe und Schlafprobleme. (Ich reagiere eh gleich mich Schlaflosigkeit wenn ich aufgekratzt bin).
Auch mein Sohn war unruhig und am Quängeln und ich schon da total überfordert. Ich fühlte mich alleine und unverstanden und dachte: " So, was machst du jetzt mit dem Kind." Die Gefühle schwenkten um. Ich heulte nur noch, weil mir mein Kind leid tat, weil ich es nicht lieben konnte (und es doch liebte) und dachte: Auf was hast du dich da eingelassen.

Dann durfte ich nachhause. Bald bekam ich übelste Stillprobleme mit Brustentzündung und hohem Fieber und Schmerzen.
Während andere Mütter schliefen, saß ich da und strich die Brust aus. Bald sah ich aus wie ein Zombie und konnte garnicht mehr schlafen. Ich dachte ich drehe durch und mache eine Kurzschlussreaktion.
Ich hatte auch viel Geschwätz hinter mir und Einmischung, viele Pannen durch die Hebamme usw.usw.
Ich war körperlich und psychisch am Ende.
Mal wollte ich mich vom Mann trennen, dann vom Kind, dann bekam ich Impulse mir was anzutun und dann dem Kind.
Ihr könnt nun den Kopf schütteln- aber so ist es. Es sind Impulse die einem Angst machen. Nur die wenigsten wollen es zugeben. Den Psychologen ist das Phänomen aber erstaunlich geläufig.
Ich hatte NUR noch Angst. Das wird nie mehr gut- dachte ich. Das ist der Weltuntergang und unser aller Verderben.

Aber ich drehte vorerst nicht durch- Zuerst ging ich zu meinem Ex-Therapeuten, der meinte ich müsse mich vom Kind distanzieren
Er ist ein Moderner-Antidepressiva Gegner und hat mir ein bewärtes Antidepressiva in Minimalstdosis verschrieben. Wirkezeit erst in zwei Wochen.
Als ich zuhause war mit den Tabletten und mich fragte ob ich das ganze Pack aufeinmal futtern sollte, ging ich zur nächsten Psycholgin die Zeit hatte. Die gab mir ein Mittel, dass ich fälschlicherweise abends (ich dachte, dann hilft es schnell) nahm. Dann war ich ersteinmal WACH und dachte echt, dass ich durchdrehe. Es hat aufgeputscht.

Morgens sind wir dann in die psychatrische Notaufnahme gefahren. (Konnte ich noch alles selbst veranlassen).
Da bekam ich Tavor- (das tat ersteinmal gut) und ab in die Klinik.

Und da das Aufnahmegespräch (zum Glück hatte ich das Tavor intuss)- ahhh die ersten "NORMALEN" Menschen (Frauen). Ich erzählte ihnen alles und- die verstanden mich.
Die Psychologin meinte: Und da wundern sie sich, dass sie so da hängen? Nach allem was sie durch haben?
Sie machen es richtig. Sie suchen sich Hilfe an der richtigen Stelle. (Das war Wichtig).

Dann ein Schlüsselerlebniss. Eine Schwester kam hektisch herein und rief: "Schnell- kommen sie! Wir haben eine Fixierung."
Ich wusste, dass mein Kind mit meinem Mann dort draussen war und stand auf. Erste Frage: Wooo ist mein Kind- lassen sie mich raus. Ich bekam Panik um mein Baby.
Das reichte der Psychologin. Sie schickte mich mit gutem Gewissen nachhause mit der Anweisung mein Antidepressiva zu nehmen und eine Therapie zu machen.
Und das gab mir Selbstvertrauen. Ich dachte, wenn die mir traut, dann kann ich nicht so durch sein wie ich und andere denken. (Mein Mann hatte schon Schiss und meine Schwestern beschwafelten mich auch die ganze Zeit.
-Ich solle mich doch mal zusammenreissen- TOLL)

Nach einer Woche Antidepressiva ging es mir besser und das Wunder geschah langsam aber stetig. Ich fragte mich - Häää, kann das Gehirn einem echt so Streiche spielen. Ja es kann.

Ich wurde mit Leib und Seele Mutter. Fing an rauszugehen (was ich aufgrund meiner Panikattacken selten tat) fing an immer weiter rauszugehen in die Natur, ganze Runden mit dem Kinderwagen. Alleine das fing ich an zu genießen.
Ich hatte ein halbes Jahr Unterstützung durch die Minimalstdosis Antidepressiva. Mein Therapeut meinte- es soll eine Krücke sein- kein Hammer.
Und dann setzte ich es langsam ab. Ich habe nie mehr eine Therapie gebraucht.
Hatte nochmal ne Depression nach dem Tod meiner Mutter. Aber auch das ging dann mit Minimum- Antidepressiva.
Ich nehme nun keines mehr, ausser wenn ich an Schlafstörung leide und unruhig werde (seltenst)
Ich leide an keinen Panikattacken mehr und genieße das Leben und meine Familie und gehe nun stundenlang Gassi mit meinem Hund.

Ach ja- zu lange selbst rumzudoktern würde ich niemals machen, weil es viel zu gefährlich ist. Und zudem bringt ihr euch und das Kind um die schönste Zeit. Allerdings muss man abstillen, wenn man ein Mittel nimmt. Das war aber wegen meiner Entzündung eh das kleinste Übel.

Was das Mittel betrifft (weil hier immer wieder welche fragen) es war Amitriptilin und wird in einer Mindestdosis von 60 mg laut Packungsbeilage eingenommen.
Es bringt einem almählich runter, aber haut einem nicht weg und schubst das Schlafen am Abend etwas an..
Bei mir reichten 10-20 mg. Mein Therapeut hat mit den Minimalstdosierungen bereits super Erfahrung.
Ach ja- den habe ich übrigens schon sechs Jahre nicht mehr gesehen.

War jetzt ein sehr langer Bericht, aber ich hoffe ich kann euch damit Mut machen.

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29. April 2011 um 19:39

Vielen Dank
Vielen Dank für deinen Bericht! Er ist wirklich eine große Hilfe. Bin selbst gerade am Tiefpunkt, hatte gestern eine nächtliche Irrfahrt durch die Notaufnahmen der Stadt. Es tut gut zu hören, dass es anderen auch so geht/ging und man nicht allein ist mit diesen Gedanken...und vorallem, dass es gut behandelbar ist und die Muttergefühle wieder in den Vordergrund treten.

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