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Erfahrungsaustausch "postnatale Depression"

14. April um 13:50

Hallo liebe Mamas, dieses Thema ist ja immer noch ein Tabu in unserer Gesellschaft. Eine (Neu) Mama hat sich ja schließlich zu freuen, wenn sie ein Baby bekommt. Schließlich wollte sie es so, also soll sie nicht jammern. Ich habe immer noch das Gefühl, dass diese Erkrankung nicht ernst genommen wird und belächelt wird. 

Ich suche hier gleichgesinnte, die das selbe durch machen mussten oder gerade durch machen. Wie waren eure Behandlungsmöglichkeiten? Wie habt ihr gemerkt, dass mit euch "etwas nicht stimmt"? Hattet ihr familiäre Unterstützung oder eine Hebamme, die ein offenes Ohr hatte? Wie ist die Beziehung jetzt zu eurem Kind / Kindern?

Mal kurz zu mir, wieso ich dieses Thema anschneide. Ich selbst hatte diese Erkrankung und wollte das selbst nicht wahr haben. Man malt sich das ja alles ganz anders aus, wenn man das erste mal Mama wird. Nie würde man in der Schwangerschaft über eine postnatale Depression oder ein Schreibaby nachdenken...
Meine Tochter wurde im August 2016 geboren. Die ersten Tage und Nächste im Krankenhaus waren schon der Horror für mich. Nach der Entbindung (die ich persönlich schrecklich schmerzhaft und furchtbat fand), habe ich 3 Tage und Nächte im KKH nicht einmal geschlafen. Wie auch, meine Tochter hat ja nur gebrüllt. Da war ich schon mehr als neidisch und fertig als ich mitbekam, dass meine Zimmergenossin das liebste Baby aller Zeiten hatte. Es schrie nie und war immer zufrieden. Nur meine Tochter hatte permanent was zu meckern...

Als ich dann zuhause war, wurde es nicht besser. Ich war total überfordert, fühlte mich ausgegrenzt und allein gelassen mit allem. Ich kam zu nix, noch nicht einmal zum duschen oder essen. Meine Tochter konnte ich nie ablegen. Sie fing sofort furchtbar zu schreien an. Die brüllte sich richtig in Rage, manchmal ne halbe bis Stunde.....jedenfalls kam ich schnell an en Punkt wo ich dachte, dass ich auf das alles "keinen Bock mehr habe". Ich hatte kein Leben mehr, keine Bedürfnisse mehr. Es war furchtbar.

Unterstützung bekam ich nur vom Papa meiner Tochter. Mit ihm war ich zu diesem Zeitpunkt auch noch zusammen und ohne ihn hätte ich vieles nicht geschafft. Mit meiner Familie konnte ich darüber nicht reden. Da kamen dann nur so Sätze wie "du wolltest es so"....also redete ich mit meiner Hebamme darüber. Ich erzählte ihr unter Tränen und Verzweiflung, dass ich fix und fertig bin, dass Kind nicht mehr will und ich am liebsten vom Dach springen würde. Tja, dass war dann der Satz, weswegen ich in Behandlung gekommen bin. Ich muss sagen, dass ich eine sehr liebe und verständnisvolle Psychologin hatte. Ich war 9 Wochen in Therapie. Erst stationär, dann ambulant. Ich musste das aller erst lernen, es war mein erstes Kind. Dazu kam, dass sie ein Schreibaby war. Ich musste das irgendwie akzeptieren, dass es nicht an mir lag, wenn sie ihre Schreistunden von 3-4 Stunden bekam. Nur es zerfraß mich innerlich so extrem. 
Alle anderen Babys waren so friedlich und glücklich. Nur meins hatte dauernd was zu meckern und war mit allem unzufrieden. Wenn ich an das Babyschwimmen zurück denke, dass war der absolute Horror. Sie fing ja schon in er Umkleide an zu brüllen und hörte nicht mehr auf. Meine Kursleiterin ermutigte mich weiter zu machen aber ich brach es dann ab, Ich konnte auch die Blicke der anderen Mütter nicht ertragen, die "bessere" Babys hatten. Ich fühlte mich unsicher und nicht fähig, eine gute Mutter zu sein.

Es dauerte sehr lang, alles. Das ganze Ankommen mit Kind. Eigentlich fast das gesamte Babyjahr. Ich empfand das Babyjahr als Strafe. Mir taten die Sitzungen mit meiner Therapeutin sehr gut. Ich hatte das Gefühl, dass sie die einzige war, die mich verstanden hat und sie war die einzige die in mir eine gute Mutter sah. 

Meine Tochter wird im August 2. Wenn ich euch jetzt sage, dass ich eine liebevolle, glückliche und zufriedene Mama bin, dann ist das kaum zu glauben. Ich hab mich inzwischen richtig in der Mamarolle reingefunden. Sie ist auch so lieb und artig geworden. Ein Traumkind....

Trotzdem denke ich oft an die Babyzeit zurück und dann bekomm ich richtig Gänsehaut und Bauchschmerzen. Ich habe auch aus diesem Grund beschlossen, keine Kinder mehr zu bekommen!

Wer mag, kann sich gern anschließen oder austauschen.

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16. April um 9:30

Jetzt schleiche ich schon so lange hier um den Thread... Mit feuchten Augen. Nun muss ich doch mal versuchen zu schreiben. 
Bei mir wurde nie eine postpartale Depression offiziell diagnostiziert, aber rückblickend war  es wohl so.
Unser erster Sohn wurde 2013 geboren. Geplant, gewünscht und ab dem positiven Test voll Vorfreude erwartet. Die Schwangerschaft verlief bis auf Blutungen in  der zehnten Woche unkompliziert. Auch die Geburt verlief gut.
Und dann war da dieses Kind. Und schrie. Und ich lag da im Kreißsaal und dachte nur, DAS ist es? Das soll mein Kind sein?
Heute wissen wir dass unser Sohn in die Kategorie High Need Baby fällt. Damals war ich einfach nur gelähmt, ich empfand einfach nicht diese so oft zitierte überschwängliche Mutterliebe.
Ich erinnere mich wie ich auf dem Balkon stand und dachte, wenn du jetzt nicht endlich aufhörst zu schreien, fliegst du hier runter. Mir graute vor jedem Stillen, obwohl es objektiv gut klappte. Mir graute bei jedem Mucks, gleich geht das schreien wieder los, ohne Oropax nicht zu ertragen.  Von dieser Zeit gibt es fast nur Fotos auf denen er schläft, wach war er nur am schreien. Ich war so neidisch auf die Mütter die im Café sitzen könnten während ich sogar im Laufen stillen musste. Kinderwagen war undenkbar. Und mit niemand außer meinem Mann konnte ich reden. Ich war 26 und dachte man würde mich einfach für zu jung halten, zu überfordert, eine zu unfähige Mutter.
Besser wurde es als ich ihn mit vier Monaten abstillte und in sein Zimmer ausquartierte. Ich ertrug es nicht ihn permanent um mich zu haben. Und wurde dafür natürlich verurteilt, musste mich vor anderen Müttern rechtfertigen. Aber ich konnte mich endlich wieder um mich kümmern. Und nach etwa acht Monaten empfand ich  endlich Liebe.
Heute ist er fünf und ich liebe ihn so unendlich, unsere Bindung ist gesund und stabil dass ich vor Glück und Stolz oft platzen könnte.
Wir haben dann 2016 ein zweites Kind bekommen. Wir haben im Vorfeld lange diskutiert. Wir wollten immer zwei, hatten aber auch Angst. Also setzten wir uns eine Deadline. Einen Monat vor deren Ende hielt ich erneut einen positiven Test in der Hand.
Die Schwangerschaft war der Horror. Ich hatte Panikattacken, habe dauernd geweint und fünf Monate gebrochen. Aber in der Sekunde da er geboren wurde war alles vergessen. Da war sie, diese unendliche Liebe, das Glücksgefühl. Das Babyjahr war schön, er war so entspannt und fröhlich. Ich habe ihn neunzehn Monate gestillt, ebenso lange schlief er in unserem Bett.
Auf eine gewisse Weise hat mich das mit dem Babyjahr des großen versöhnt. Ich weiß nun dass ich mich nicht schuldig füllen muss. Und seit ich mich mit High Need auseinander setze verstehe ich den großen viel besser. Die beiden Jungs lieben sich übrigens heiß und innig.

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16. April um 10:45
In Antwort auf paprikaschote12

Hallo liebe Mamas, dieses Thema ist ja immer noch ein Tabu in unserer Gesellschaft. Eine (Neu) Mama hat sich ja schließlich zu freuen, wenn sie ein Baby bekommt. Schließlich wollte sie es so, also soll sie nicht jammern. Ich habe immer noch das Gefühl, dass diese Erkrankung nicht ernst genommen wird und belächelt wird. 

Ich suche hier gleichgesinnte, die das selbe durch machen mussten oder gerade durch machen. Wie waren eure Behandlungsmöglichkeiten? Wie habt ihr gemerkt, dass mit euch "etwas nicht stimmt"? Hattet ihr familiäre Unterstützung oder eine Hebamme, die ein offenes Ohr hatte? Wie ist die Beziehung jetzt zu eurem Kind / Kindern?

Mal kurz zu mir, wieso ich dieses Thema anschneide. Ich selbst hatte diese Erkrankung und wollte das selbst nicht wahr haben. Man malt sich das ja alles ganz anders aus, wenn man das erste mal Mama wird. Nie würde man in der Schwangerschaft über eine postnatale Depression oder ein Schreibaby nachdenken...
Meine Tochter wurde im August 2016 geboren. Die ersten Tage und Nächste im Krankenhaus waren schon der Horror für mich. Nach der Entbindung (die ich persönlich schrecklich schmerzhaft und furchtbat fand), habe ich 3 Tage und Nächte im KKH nicht einmal geschlafen. Wie auch, meine Tochter hat ja nur gebrüllt. Da war ich schon mehr als neidisch und fertig als ich mitbekam, dass meine Zimmergenossin das liebste Baby aller Zeiten hatte. Es schrie nie und war immer zufrieden. Nur meine Tochter hatte permanent was zu meckern...

Als ich dann zuhause war, wurde es nicht besser. Ich war total überfordert, fühlte mich ausgegrenzt und allein gelassen mit allem. Ich kam zu nix, noch nicht einmal zum duschen oder essen. Meine Tochter konnte ich nie ablegen. Sie fing sofort furchtbar zu schreien an. Die brüllte sich richtig in Rage, manchmal ne halbe bis Stunde.....jedenfalls kam ich schnell an en Punkt wo ich dachte, dass ich auf das alles "keinen Bock mehr habe". Ich hatte kein Leben mehr, keine Bedürfnisse mehr. Es war furchtbar.

Unterstützung bekam ich nur vom Papa meiner Tochter. Mit ihm war ich zu diesem Zeitpunkt auch noch zusammen und ohne ihn hätte ich vieles nicht geschafft. Mit meiner Familie konnte ich darüber nicht reden. Da kamen dann nur so Sätze wie "du wolltest es so"....also redete ich mit meiner Hebamme darüber. Ich erzählte ihr unter Tränen und Verzweiflung, dass ich fix und fertig bin, dass Kind nicht mehr will und ich am liebsten vom Dach springen würde. Tja, dass war dann der Satz, weswegen ich in Behandlung gekommen bin. Ich muss sagen, dass ich eine sehr liebe und verständnisvolle Psychologin hatte. Ich war 9 Wochen in Therapie. Erst stationär, dann ambulant. Ich musste das aller erst lernen, es war mein erstes Kind. Dazu kam, dass sie ein Schreibaby war. Ich musste das irgendwie akzeptieren, dass es nicht an mir lag, wenn sie ihre Schreistunden von 3-4 Stunden bekam. Nur es zerfraß mich innerlich so extrem. 
Alle anderen Babys waren so friedlich und glücklich. Nur meins hatte dauernd was zu meckern und war mit allem unzufrieden. Wenn ich an das Babyschwimmen zurück denke, dass war der absolute Horror. Sie fing ja schon in er Umkleide an zu brüllen und hörte nicht mehr auf. Meine Kursleiterin ermutigte mich weiter zu machen aber ich brach es dann ab, Ich konnte auch die Blicke der anderen Mütter nicht ertragen, die "bessere" Babys hatten. Ich fühlte mich unsicher und nicht fähig, eine gute Mutter zu sein.

Es dauerte sehr lang, alles. Das ganze Ankommen mit Kind. Eigentlich fast das gesamte Babyjahr. Ich empfand das Babyjahr als Strafe. Mir taten die Sitzungen mit meiner Therapeutin sehr gut. Ich hatte das Gefühl, dass sie die einzige war, die mich verstanden hat und sie war die einzige die in mir eine gute Mutter sah. 

Meine Tochter wird im August 2. Wenn ich euch jetzt sage, dass ich eine liebevolle, glückliche und zufriedene Mama bin, dann ist das kaum zu glauben. Ich hab mich inzwischen richtig in der Mamarolle reingefunden. Sie ist auch so lieb und artig geworden. Ein Traumkind....

Trotzdem denke ich oft an die Babyzeit zurück und dann bekomm ich richtig Gänsehaut und Bauchschmerzen. Ich habe auch aus diesem Grund beschlossen, keine Kinder mehr zu bekommen!

Wer mag, kann sich gern anschließen oder austauschen.

Ich weiß z.B. nicht, ob ich damals vor 8 Jahren darunter litt, oder ob es nur am Hormonabfall lag. Jedenfalls weiß ich noch, als meine Tochter nach der Not-Sectio neben mir im Krankenhausbett lag, dass ich mich fragte, wann denn gleich jemand kommt um sie abzuholen, weil ich das alles nicht kann und nicht schaffen werde. Ich konnte und sollte wegen den Schmerzen noch nicht mal aufstehen um sie zu wickeln. Es tat so weh und ich verfluchte innerlich dieses Baby, weil es ja "dran Schuld" war, dass ich nur gerümmt gehen konnte. Ich bekam Schweißausbrüche, als mir die Hebammen die Kleine wieder in meinen Arm gaben. Ich dachte immer, dass sie sie ruhig behalten können. Diese Gedanken verschwanden, als sie ca. 6 Monate alt war. Bei meinem Sohn hatte ich das nicht. Da war diese innige Liebe von Anfangg an da.

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16. April um 18:27
In Antwort auf clio587

Jetzt schleiche ich schon so lange hier um den Thread... Mit feuchten Augen. Nun muss ich doch mal versuchen zu schreiben. 
Bei mir wurde nie eine postpartale Depression offiziell diagnostiziert, aber rückblickend war  es wohl so.
Unser erster Sohn wurde 2013 geboren. Geplant, gewünscht und ab dem positiven Test voll Vorfreude erwartet. Die Schwangerschaft verlief bis auf Blutungen in  der zehnten Woche unkompliziert. Auch die Geburt verlief gut.
Und dann war da dieses Kind. Und schrie. Und ich lag da im Kreißsaal und dachte nur, DAS ist es? Das soll mein Kind sein?
Heute wissen wir dass unser Sohn in die Kategorie High Need Baby fällt. Damals war ich einfach nur gelähmt, ich empfand einfach nicht diese so oft zitierte überschwängliche Mutterliebe.
Ich erinnere mich wie ich auf dem Balkon stand und dachte, wenn du jetzt nicht endlich aufhörst zu schreien, fliegst du hier runter. Mir graute vor jedem Stillen, obwohl es objektiv gut klappte. Mir graute bei jedem Mucks, gleich geht das schreien wieder los, ohne Oropax nicht zu ertragen.  Von dieser Zeit gibt es fast nur Fotos auf denen er schläft, wach war er nur am schreien. Ich war so neidisch auf die Mütter die im Café sitzen könnten während ich sogar im Laufen stillen musste. Kinderwagen war undenkbar. Und mit niemand außer meinem Mann konnte ich reden. Ich war 26 und dachte man würde mich einfach für zu jung halten, zu überfordert, eine zu unfähige Mutter.
Besser wurde es als ich ihn mit vier Monaten abstillte und in sein Zimmer ausquartierte. Ich ertrug es nicht ihn permanent um mich zu haben. Und wurde dafür natürlich verurteilt, musste mich vor anderen Müttern rechtfertigen. Aber ich konnte mich endlich wieder um mich kümmern. Und nach etwa acht Monaten empfand ich  endlich Liebe.
Heute ist er fünf und ich liebe ihn so unendlich, unsere Bindung ist gesund und stabil dass ich vor Glück und Stolz oft platzen könnte.
Wir haben dann 2016 ein zweites Kind bekommen. Wir haben im Vorfeld lange diskutiert. Wir wollten immer zwei, hatten aber auch Angst. Also setzten wir uns eine Deadline. Einen Monat vor deren Ende hielt ich erneut einen positiven Test in der Hand.
Die Schwangerschaft war der Horror. Ich hatte Panikattacken, habe dauernd geweint und fünf Monate gebrochen. Aber in der Sekunde da er geboren wurde war alles vergessen. Da war sie, diese unendliche Liebe, das Glücksgefühl. Das Babyjahr war schön, er war so entspannt und fröhlich. Ich habe ihn neunzehn Monate gestillt, ebenso lange schlief er in unserem Bett.
Auf eine gewisse Weise hat mich das mit dem Babyjahr des großen versöhnt. Ich weiß nun dass ich mich nicht schuldig füllen muss. Und seit ich mich mit High Need auseinander setze verstehe ich den großen viel besser. Die beiden Jungs lieben sich übrigens heiß und innig.

Hallo Clio. Danke für deine ehrliche Antwort. Mit dem schreien, dass du das nicht ertragen konntest, dass ging mir bei meiner Tochter genauso. Und es gab auch Momente in denen ich mich dabei ertappt habe, wie ich darüber nachdachte dessen ein Ende zu setzen. Umso mehr bewundere ich dich dafür, dass du bereit warst für ein zweites Kind?!? Ich würde das auch gerne schaffen. Vielleicht lerne ich nochmal einen Partner kennen und immer wenn ich von vorne herein sage, dass ich kein Kind mehr möchte dann verstehen sie es nicht und fühlen sich vor de  Kopf gestoßen. Gut, die haben auch nicht das durch, was ich durch habe. Ich hab immer noch Angst, dass ich das Baby nicht lieben konnte2. Vermutlich würde ich die Schwangerschaft abbrechen. Zu groß ist meine Angst, dass es wieder so 3jn high need baby werden würde.
Dein Sohn wie ist der jetzt so vom Charakter? Meine Tochter ist sehr ruhig geworden und friedlich. Sie spielt viel allein und plabbert den ganzen Tag.
Liebe Grüße. 

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17. April um 7:03
In Antwort auf paprikaschote12

Hallo Clio. Danke für deine ehrliche Antwort. Mit dem schreien, dass du das nicht ertragen konntest, dass ging mir bei meiner Tochter genauso. Und es gab auch Momente in denen ich mich dabei ertappt habe, wie ich darüber nachdachte dessen ein Ende zu setzen. Umso mehr bewundere ich dich dafür, dass du bereit warst für ein zweites Kind?!? Ich würde das auch gerne schaffen. Vielleicht lerne ich nochmal einen Partner kennen und immer wenn ich von vorne herein sage, dass ich kein Kind mehr möchte dann verstehen sie es nicht und fühlen sich vor de  Kopf gestoßen. Gut, die haben auch nicht das durch, was ich durch habe. Ich hab immer noch Angst, dass ich das Baby nicht lieben konnte2. Vermutlich würde ich die Schwangerschaft abbrechen. Zu groß ist meine Angst, dass es wieder so 3jn high need baby werden würde.
Dein Sohn wie ist der jetzt so vom Charakter? Meine Tochter ist sehr ruhig geworden und friedlich. Sie spielt viel allein und plabbert den ganzen Tag.
Liebe Grüße. 

Wir hatten auch Angst dass es wieder so wird. Aber dann haben wir uns gedacht, wenn es so sein sollte kennen wir es ja schon und wissen es wird besser. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen es nicht wenigstens versucht zu haben. Aber leichtgefallen ist es uns definitiv nicht. 
Unser großer... Tja wie ist er nun. Er ist wahnsinnig selbstbewusst und selbständig, empathisch und fürsorglich gegenüber kleineren Kindern. Aber er hat auch immer noch ein ziemlich explosives Temperament, leidet schnell an Reizüberflutung und hat schon einen Dickkopf also wir finden ihn ganz wunderbar so wie er ist.

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18. April um 9:45

Ich denke, ich hatte das auch, obwohl es nie richtig diagnostiziert wurde. Die Schwangerschaft war richtig schön, die Geburt war ziemlich furchtbar. Ich hatte eine schreckliche und unfreundliche Hebamme und hab mich da leider ziemlich einschüchtern und bevormunden lassen. Das Ganze endete nach fast drei Tagen erfolgloser Einleitungsversuche in einem Kaiserschnitt. Der war ok. Ich war allerdings so am Ende und so ängstlich (auf einen KS war ich nicht vorbereitet), dass ich mich an kaum was erinnern kann. Eine Stunde lang durfte ich danach mein Baby nicht sehen, obwohl alles in Ordnung war. 

Aber als ich sie dann gesehen hab, war es echt Liebe auf den ersten Blick. Ich hätte mir das nie vorstellen können. Das Gefühl hat mich total überwältigt. 

Ich war eine Woche lang im Krankenhaus und das war Stress ohne Ende. Ständig kam irgendwer ins Zimmer gestürmt, es war so unruhig. Das Stillen klappte nicht und niemand konnte mir helfen, dann fingen sie an, meine Tochter mit Tee zu füttern... Zuhause war es dann besser und die ersten Wochen waren ok, aber sie hat sehr viel geweint und wenig geschlafen. Das Stillen gab ich nach einigen Wochen auf, was mich sehr mitgenommen hat. Aber es hat einfach nicht geklappt und keiner konnte helfen.

Nach ein paar Wochen gab es Komplikationen mit der Narbe und ich musste wieder ins Krankenhaus. Da stellten sie dann irgendwelche anderen Auffälligkeiten fest und meinten, ich hätte evtl. eine Lungenembolie von der OP. Ich musste dort bleiben. Bekam eine total "einfühlsame" Ärztin. Ein CT war für den nächsten Tag angesetzt und die erklärte mir, dass es schon sein könne, dass ich in der Nacht draufgehe, sollte es wirklich eine Embolie sein...

Ich hatte Todesängste und mein Kind war nicht da. Es stellte sich raus, es war keine Embolie und ich lebe noch... Irgendwie hat mich das aber lange verfolgt, die Behandlung im KH war fast noch schlimmer als nach der Geburt. Mir sagen, dass ich vielleicht sterbe und dann die ganze Nacht allein lassen... Ich kann seitdem in kein KH mehr gehen.

Danach ging es mir richtig schlecht. Ich hatte ständig Panik, dass irgendwas schlimmes passieren könnte. Vor allem vor Unfällen oder Krankheiten oder Terror (das war im Herbst 2015, wo das in Paris war) oder dem plötzlichen Kindstod oder dass sie jemand entführt - Bei mir war es nicht so, dass ich mein Kind nicht annehmen konnte, ich hab sie so abgöttisch geliebt, dass ich sie nicht aus der Hand geben konnte. Und dauernd hatte ich Angst, dass irgendwas Furchtbares passiert. Nachrichten haben mich total panisch gemacht. Wann immer ich von irgendeiner Krankheit gelesen oder gehört hab, bekam ich Panik, dass wir das bekommen könnten. Ich hatte so Angst, dass sie stirbt, oder dass ich sterbe, oder dass mein Mann stirbt. Ich hatte einfach den ganzen Tag Angst, hab ständig geheult und abends bekam ich schlimme Panikattacken, wo ich dachte, ich krieg keine Luft mehr. Ich hab kaum was gemacht und konnte auch nix essen, eigentlich saß ich den ganzen Tag nur mit meiner Kleinen auf der Couch rum und hatte Angst, irgendwo mit ihr hinzugehen. Ich hab im ersten halben Jahr fast 30 Kilo verloren. Ich war so erschöpft und hatte irgendwie auch ständig ein schlechtes Gewissen, allen gegenüber: Meinen Freunden, weil ich mich nie meldete, meinem Mann, weil ich so scheiße drauf war, meinem Kind, weil ich nix mit ihr gemacht habe. Und sie hat so unglaublich viel geschrien und so wenig geschlafen, das tat sein Übriges dazu...

Mein Mann hat mich toll unterstützt und auch meine tolle Schwiegermama. Sie hat sie oft mal genommen für zwei Stunden und ist mit ihr spazieren gegangen. Sie war die Einzige, bei der ich keine Angst hatte. Nach einem halben Jahr wurde es mit dem Schreien und Schlafen etwas besser. Ich hab mich gezwungen, ein paar Sachen mit meiner Tochter zu machen, bin in eine Krabbelgruppe gegangen und zum Babyschwimmen. Vorher waren wir kaum draußen. Hatte aber immer noch Angstzustände. Mit etwa neun Monaten konnte mein Mann mich überzeugen, zum Arzt zu gehen und ich bekam eine Therapie mit zehn Sitzungen. Aber nicht wegen postnataler Depression, sondern wegen meiner Angstzustände und Panikattacken. Langsam wurde es dann besser. Und immer besser. Ich hab mich dann langsam wieder mit Freunden getroffen, wir sind dann auch mal in den Urlaub gefahren, und als sie ein Jahr alt war, habe ich ein Fernstudium angefangen, was mir richtig gut getan hat.

Inzwischen ist sie 2,5 und mir geht's wieder sehr gut. Seit sie 2 ist, geht sie auch in den Kindergarten und ihr gefällt es da gut. Ich hab noch einen sehr starken Kinderwunsch und hätte so gerne noch ein Kind, aber ich trau mich nicht.


 

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23. April um 10:14

Danke für eure offenen Beiträge. Es ist schön zu lesen, dass es nicht mir so geht und ihr das dann doch versteht, da ihr das selbst mit erlebt hattet. 

@Nikita dass tut mir unheimlich leid, dass du solche Erfahrungen im Krankenhaus machen musstest. Zu hören bekommen, dass man wahrscheinlich stirbt und dann allein gelassen werden. Klar das man da Panik bekommt. Ich bin froh, dass es dir besser geht. Das du dich nicht traust ein  weiteres Kind zu bekommen, kann ich verstehen. Mir geht das genauso wobei für mich 100 Prozent fest steht, dass es kein weiteres Kind mehr gibt. 
Aber vielleicht könntest du von anfang an alles anders machen? Keine Entbindung im Krankenhaus sondern Geburtshaus oder hausgeburt? Von Anfang an eine andere Atmosphäre. Ich hätte auch gerne im Geburtshaus entbunden, da wäre vielleicht auch meine Einstellung zum Thema Weiteres Kind nicht ganz so krass. Ich hatte auch ne blöde hebamme. Schmerzmittel wurden mir verweigert, obwohl ich ne PDA wollte, durfte nicht rum laufen während der wegen sondern im Bett mit ctg liegen. Schrecklich. 

Liebe Grüße. 

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30. April um 17:48
In Antwort auf paprikaschote12

Danke für eure offenen Beiträge. Es ist schön zu lesen, dass es nicht mir so geht und ihr das dann doch versteht, da ihr das selbst mit erlebt hattet. 

@Nikita dass tut mir unheimlich leid, dass du solche Erfahrungen im Krankenhaus machen musstest. Zu hören bekommen, dass man wahrscheinlich stirbt und dann allein gelassen werden. Klar das man da Panik bekommt. Ich bin froh, dass es dir besser geht. Das du dich nicht traust ein  weiteres Kind zu bekommen, kann ich verstehen. Mir geht das genauso wobei für mich 100 Prozent fest steht, dass es kein weiteres Kind mehr gibt. 
Aber vielleicht könntest du von anfang an alles anders machen? Keine Entbindung im Krankenhaus sondern Geburtshaus oder hausgeburt? Von Anfang an eine andere Atmosphäre. Ich hätte auch gerne im Geburtshaus entbunden, da wäre vielleicht auch meine Einstellung zum Thema Weiteres Kind nicht ganz so krass. Ich hatte auch ne blöde hebamme. Schmerzmittel wurden mir verweigert, obwohl ich ne PDA wollte, durfte nicht rum laufen während der wegen sondern im Bett mit ctg liegen. Schrecklich. 

Liebe Grüße. 

Ja, das habe ich mir auch schon überlegt. Ich hätte beim ersten Kind eigentlich schon gerne eine Hausgeburt gehabt oder wäre ins Geburtshaus gegangen, habe mich aber nicht getraut. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich es mich jetzt trauen würde, beim zweiten Versuche... Beim ersten Mal war ich noch so optimistisch und jetzt trau ich mir eigentlich gar nicht mehr zu, ein Kind auf die Welt bringen zu können. Wenn, dann käme aber nur Geburtshaus in Frage oder von vorneherein ein geplanter KS. Nochmal eine Spontangeburt im KH werde ich sicher nicht mehr versuchen.

Naja. Ich schieb diesen Wunsch ein bisschen vor mir her. Ein paar Jahre hab ich ja noch Zeit. Und wenn nicht, bleibt es halt doch bei einem Kind. 

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