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Erziehungshaltung: mutter und erzieherin

23. April 2014 um 21:59

Hallo ihr Lieben!

Mein Sohn war schon immer sehr sensibel, aber auch extrovertiert. Nun ist er 2 1/2 und absolut in der Trotzphase. Alles was wir wollen ist doof. Er haut, tritt oder spuckt auch im Moment täglich. Er will provozieren ...ich frage mich nur warum .
Ich bin Erzieherin! Und eigentlich fahre ich in der Kita klare Linie in der Erziehung, aber bin liebevoll und versuche fair zu sein. Dort sind allerdings viele allgemeine Erziehungsstile und auch teils überholte Ansichten Brauch. Drill, Förderung, Strafe und Lob, Konsequenz, Disziplin,...
Seit ich nun selbst Mutter bin, stelle ich dieses System immer mehr in Frage. Ich hab schon einige Literatur gewälzt von Jesper Juul zum Großen Teil auch. Leider sind meine Verhaltensmuster meist aber zu eingefahren. So versuche ich immernoch durch Angstmacherei Respekt und Gehorsam zu erlangen. Ich erwarte Dinge von dem Lütten, weil sie sich "so gehören", wie ordentlich essen. Ich schicke ihn ins Zimmer als Strafe. Ich bin manchmal grob mit ihm
Manchmal habe ich das Gefühl, dass er aggressiv ist, weil er sich gegen mein Verhalten wehren will.
Meine "Kita-Pädagogik" würde nun raten mit Strenge und Konsequenz ihn das auszutreiben. Die Erzieher würden mich für inkompetent erklären, wenn ich denen was von meiner Idee erklären wollen würde, ihn so anzunehmen wie er ist. Ich aber glaube langsam, dass es der beste Weg wäre ihn von seiner jetzigen Rolle als Störenfried zu befreien.
Wer versucht hier Erziehungswege wie nach Jesper Juul? Wie sind eure Erfahrungen?
Oder auch an die Mütter, die eher das herkömmliche Modell unserer Gesellschaft benutzen: Fühlt ihr euch wohl mit dem Bestrafen und Loben? Fühlt ihr euch gut in der Rolle?
Wie zufrieden seit ihr mit den Erziehern in den Kitas?
Denkt ihr nicht auch manchmal, dass viele ein falsches Bild von ihrer Rolle und der des Kindes haben?
Also ich muss mir darüber noch klarer werden
Meine Erziehung war übrigens sehr autoritär Es gab ständig Schläge, Angst, Druck, Erwartungen, Strafen,... Es hat Wunden hinterlassen.
Wäre schön, wenn ihr eure Meinung und euren Standpunkt teilt

LG, bananana

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23. April 2014 um 22:19

Hi
Bin auch Erzieherin und zweifache Mutter (3,5 J und 7 m)

Und ja auch ich handle in der Erziehung meiner Kinder anders als im Kiga.
Bei den eigenen Kindern spielen ganz andere Emotionen eine Rolle.
Kinder im Kiga verhalten sich auch oft in der Einrichtung anders als zu Hause. Da spielt auch das gesamte Gruppengefüge eine Rolle.
Mein Sohn ist im Kiga ein kleiner Sonnenschein. Zu Hause wachsen ihm gerne mal kleine Hörner ausm Kopf

Das "Konzept" in dem Kiga in dem du arbeitest scheint aber sehr sehr veraltet zu sein.

Du hast dir die Antwort schon selbst gegeben. Erziehe dein Kind nicht mit Drill sondern nach deinem Bauchgefühl

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23. April 2014 um 22:36

Ich weiß man soll nicht so viel denken
Selbst das weiß ich ja...dass man aus dem Bauch entscheiden soll und nicht so arg erziehen willen sollte. Ich bin keine "Klammer-Mutter", die nicht akzeptieren kann, dass der Sohn seinen eigenen Weg geht. Aber im Moment hab ich das Gefühl, dass es ein wichtiger Punkt ist und ich entscheiden muss, ob ich in Sachen Erziehung den linken oder rechten Weg gehe. Und in meiner Erfahrung (Elternhaus, Kita) gibt es bur den einen. Mit dem anderen muss ich mich vertraut machen, wenn ich ihn gehen will. Verstehst du wie ichs meine?

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23. April 2014 um 22:52

Damit mein ich:
In unserer Kita wird klassisch gestraft: wenn einer den anderen haut sitzt er auf der bank. Beim Stören rausgeworfen. Verbote für Räume. Es wird ihnen oft nicht geholfen, wenn sie von anderen schlecht behandelt werden. Wenn sie versuchen (auch 2-3jährige) Hilfe zu holen bei Problemen heißt es manchmal:" petz nicht, das musst du alleine klären, oder sogar was soll ich tun? Soll ich ihm nun den popo versohlen?" Sie werden nicht ernst genommen. Man hat keine Geduld und Zeit. Essen wird erzwungen. Kinder weinen oft ne stunde davor.
Die alten Damen meinen "wir wollen hier ja jetzt nicht mit rosa Wattebäuschen werfe " wenn man Einwände hat
Von denen werden sie auch grob gepackt oder gezerrt. Schreien müssen wir alle. Weils zu laut ist und um die Dynamik zu stoppen.
Es wird überall gefördert oder soll man besser sagen erwartet und druck ausgeübt. Für die Bildung
Das hört sich jetzt schlimm an, aber es gibt natürlich auch Positives und es ist gut gemeint.

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23. April 2014 um 22:54

Das stimmt
Leider stehe ich vor den klassischen Problemen und Fragen zu der Autonomiephase

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23. April 2014 um 22:59

Das Bauchgefühl
ist aber sehr manipuliert, wenn man selbst so falsch erzogen wurde.
Denn man handelt instinktiv in bekannten Mustern, in unbekannten und stressigen Situationen.
Der Kopf schaltet im Stress auf "Automatik" und wir holen die "Lösung" hervor, die wir in einer ähnlichen Situation gesehen haben.
Zudem wurden vielen Menschen ein sehr abstraktes und falsches Bild von Kindern vorgelebt und Instinkte und Bauchgefühl wurden doch eh abtrainiert, darum handeln ja so viele Menschen danach "was sich gehört", statt nach dem, was für sie gut ist.

Daher ist es eben nicht zwingend der falsche Weg Erziehungsratgeber zu Rate zu ziehen, wenn man beginnt sich selbst in Frage zu stellen und etwas verändern möchte.
Gerade Juul gibt eigentlich keinerlei konkrete Erziehungsmethoden vor, sondern beschreibt eher allgemeine Probleme und Hintergründe.
Man muss schon selbst seinen Weg suchen und finden und diesem dann folgen, Juul gibt Denkanstöße.
Erziehungsratgeber die meinen einen konkreten Weg vorgeben zu müssen, sind im Allgemeinen eher nicht empfehlenswert, das erklärt sich mit dem Satz "Jeder Mensch ist ein Individuum", jede Mutter sollte immer hinterfragen, was sie liest.

Ich antworte vornehmlich darum, weil ich viele Menschen kenne, die sich damit "brüsten" (ich meine damit nicht dich, ja?) keine Bücher lesen zu müssen, sondern instinktiv zu wissen, was gut ist und zur Not fragen sie die Eltern. Das ist eigentlich wirklich schön und gut, aber es ist wichtig das auch mal zu hinterfragen, denn wir handeln leider nicht immer instinktiv richtig. Nicht umsonst greifen körperlich gezüchtigte Kinder als Eltern auch oft später zu Gewalt als Erziehungsmittel, wer es nicht macht, weiß sicherlich wie auf der Hut man sein muss, um nicht versehentlich in diese Muster zu verfallen.

Wir sollten uns alle bewusst werden, wie manipuliert wir durch die eigenen Erziehungserfahrungen sind. Nicht nur was den Vorbildcharakter betrifft, sondern auch was uns vielleicht an, oder abtrainiert wurde, das eigentlich essentiell für ein gutes und wirklich echtes "Bauchgefühl" ist.

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23. April 2014 um 23:09

Naja
Ich weiß dass wir nicht die einzigste Kita im Umkreis sind die teilweise fragwürdige Methoden hat...leider. Ich denke einige können nicht raus aus "ihrer alten Haut". Und manche lassen tatsächlich Frust ab. Der Job ist sehr anstrengend

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23. April 2014 um 23:17

Ich denke einige verwechseln konsequenz
...mit Machtkämpfen. Leider passiert grad Ähnliches zu Hause. Aber ich hab irgendwie gelernt, dass ich die mir nicht auf der Nase rumtanzen lassen soll und die kleinen "im Griff" zu haben. Die Gefühlsseite kommt vielleicht manchmal zu kurz?! Aber ich sehe dass es mot Strafen funktioniert...jesenfalls kurzfristig...das ist das fatale. Langfristig scheint es Gift für unsere Beziehung zu sein

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23. April 2014 um 23:35
In Antwort auf bananana86

Ich denke einige verwechseln konsequenz
...mit Machtkämpfen. Leider passiert grad Ähnliches zu Hause. Aber ich hab irgendwie gelernt, dass ich die mir nicht auf der Nase rumtanzen lassen soll und die kleinen "im Griff" zu haben. Die Gefühlsseite kommt vielleicht manchmal zu kurz?! Aber ich sehe dass es mot Strafen funktioniert...jesenfalls kurzfristig...das ist das fatale. Langfristig scheint es Gift für unsere Beziehung zu sein

Richtig,
viele denken, sie müssen dem Kind einen Platz "unter" ihnen zuweisen, die Kinder sollen sich unterordnen und sie sehen die eigenen Kinder teilweise als Gegner, quasi ein "dummer, unwissender Bauer", der nicht versteht, dass die Handlungen des Königs richtig und wichtig sind und darum versucht die Festung zu stürmen. Man muss ihn nur wieder von der Mauer schubsen, irgendwann wird er ja wissen, dass es richtig war, überspitzt formuliert.

Es wird übersehen, dass Kinder eben nicht im Grunde nur böse sind und sich nur durchsetzen wollen, sondern das hinter vielem ein wirklicher Grund steckt, den wir nur nicht verstehen.
Wenn mein Kind mich im Trotz haut, dann nicht, um mir weh zu tun. Sie denkt nicht "ich will Mama schaden, hoffentlich hat sie ordentlich Schmerzen!", sondern sie drückt sich aus. Ich muss ihr zeigen, welche Ausdrucksmöglichkeiten sie hat, die anderen nicht schaden.
Aber gerade alte Generationen glauben, dass Kind sei vom Grunde heraus asozial und nur auf den eigenen Vorteil bedacht und müssen gezüchtigt werden, in eine Form gepresst um "echte Menschen" aus ihnen zu machen.

Deine Gedanken sind auf jeden Fall richtig, ich hab lange gebraucht, um meinen eigenen Weg einzuschlagen, du machst den ersten Schritt. Auch dein Sohn muss sich daran gewöhnen. Du kannst jetzt in dem guten Gefühl leben etwas positiv zu verändern. Es bringt dir nichts dem alten hinterherzutrauern.

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23. April 2014 um 23:42

Oh wie wahr
Wie schade, dass ich es erst als Mutter sehen kann.

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23. April 2014 um 23:51

Ach mensch
Ich finds schön, dass ea hier soviele mit diesen Gedanken gibt. Komisch, dass die Instutitionen oft so versteift in den Mustern Kinder behandeln. Ich glaub Eltern wissen das auch oft nicht. Wird alles schön geredet.
In der Ausbildung usw. Ist das wenig Thema.
Ich werde nun meinen Weg/ unseren Weg suchen. Muss dringend mit meinem Männe sprechen. Morgen

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23. April 2014 um 23:55
In Antwort auf bananana86

Ach mensch
Ich finds schön, dass ea hier soviele mit diesen Gedanken gibt. Komisch, dass die Instutitionen oft so versteift in den Mustern Kinder behandeln. Ich glaub Eltern wissen das auch oft nicht. Wird alles schön geredet.
In der Ausbildung usw. Ist das wenig Thema.
Ich werde nun meinen Weg/ unseren Weg suchen. Muss dringend mit meinem Männe sprechen. Morgen

Naja,
Erzieher sind eben auch Autoritäten. Experten in Sachen Erziehung. Darum wird viel nicht in Frage gestellt. Dazu die Angst um den Kita-Platz und das man eben auf den zugeteilten Platz angewiesen ist. Viele Eltern glauben, sie können nicht eingreifen und müssen das so akzeptieren, auch wenn sie nicht wollen.
Zum Glück sind ja nicht alle Institutionen so.
Es müsste wirklich mal eine Reform in Kindergärten stattfinden. Dazu bräuchte es aber auch mehr Personal um die Erzieher zu entlasten und besser auf die Kinder eingehen zu können, das sind wieder Kosten, die leider als "unnötig" angesehen werden

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