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Gemeinsam Einsam

3. November 2011 um 12:05 Letzte Antwort: 4. November 2011 um 14:06

Hallo zusammen,

ich hab gerade wieder eine kleine Krise. Ich fühl mich einfach total unwohl und weiß nicht was ich machen soll.

Mein Kleiner ist jetzt 10 Wochen alt. Und irgendwie wünsch ich mir das jeden Moment die richtige Mama an der Tür klingelt, sich für das Aufpassen bedankt und ihn wieder mitnimmt.
Es hat sich einfach alles so drastisch verändert. Alle haben nur noch Augen für das Baby. Ich kann mit niemandem mehr über ganz normale Dinge einfach stundenlang quatschen, so wie es noch vor einem Jahr war. Meine Mutter hängt nur noch quietschend über dem Kinderwagen, wenn wir bei der Familie meines Mannes sind ist es noch schlimmer. Da wird jedesmal wie ein Lauffeuer herumtelefoniert wenn wir uns zum Besuch angekündigt haben. Damit auch bloß alle da sind und wie besessen im Kreis um den kleinen Kerl rumstehen können.

Dazu kommt das ich mich immer so beobachtet und kritisiert fühle. Ich setze mich warscheinlich selbst unter Druck aber ich kann es nicht ändern. Ich habe ständig das Gefühl das mich alle beobachten wenn ich mit meinem Kind umgehe um mir danach Ratschläge zu geben wie ich es besser mache. Das ist noch nicht so passiert aber ich denke es eben so das ich immer meinem Mann alles machen lasse wenn nötig wenn wir irgendwo sind. Gott sei Dank macht er das alles gerne.

Eben war ich beim Kinderarzt weil heute geimpft werden sollte. Wahrscheinlich durch die Ferien zog sich das ganze verdammt lange hin, trotz Termin. Der Kleine fing an immer lauter zu weinen. Die Falsche war schon leer,eigentlich sollte ich schon vor einer Stunde dran sein. Ich habe dann das Gefühl bekommen das die anderen Wartenden sich von dem Geschrei belästigt fühlen. Ich bin dann einfach abgehauen, habe mir für nächste Woche einen neuen Termin geben lassen. In der heutigen Zeit bekommt zum Beispiel eher mit Haustier eine Wohnung als mit Kleinkind, die Erfahrung hat mein Bruder schon diverse Male bei Besichtigungen machen müssen. Da hab ich einfach das Gefühl jeder fühlt sich gestört, ich bilde mir das wahrscheinlich ein aber das macht mich innerlich so unruhig das ich irgendwann nur heulend in mein Bett möchte.
Vor lauter Streß hätte ich mir eben die Seele aus dem Leib schreien können.
Wir hatten auch einen schlechten Start. Nach über 30 Stunden Wehen kam es in der letzten Phase zum Geburtsstillstand, dann kam der Not-KS. Das Stillen war für mich der absolute Horror, wie ich zu Hause war habe ich abgepumpt, jetzt bekommt er nur noch Pre Nahrung. Dieses Nicht-Stillen-Müssen war schonmal eine riesen Erleichterung und danach waren auch die ersten Tage wo ich mich über meine Baby gefreut habe.

Ich kann das nicht erklären. Alles so erzwungen.

Wenn ich hier im Internet nach Hilfe suche sehe ich immer nur Ratschläge wie: Geb das Baby mal ab, entspann dich mal. Anscheinend haben alle die Möglichkeit, ich aber nicht.
Das erste ist das wir vor 1,5 Jahren umgezogen sind (Arbeitsplatz) und ich somit mindestens 1,5 Stunden von meiner alten Heimat entfernt wohne. Zu der Zeit war das nicht schlimm. Einmal im Monat bin ich mal alle Besuchen gegangen. Ansonsten hatte ich ja schließlich meinen Job wo ich täglich knappe 9 Stunden unter Menschen/Freunden war.
Nun bin ich zu Hause, Familie und Freunde wohnen mehr als 100 km entfernt. Die fährt man eben nicht jeden Tag und schon garnicht mit Baby. Hier kenne ich praktisch niemanden, ausser die Hebamme die mich nach der Geburt betreut hat. Bis dahin war das auch ok, ich hatte so viele Leute aber eben nicht hier.

Die Tage sind einfach immer gleich. Ich schaue nach dem aufstehen schon auf die Uhr wie lange es noch dauert bis mein Mann nach Hause kommt. Manchmal habe ich einfach keinen Bock mehr immer mit einem riesen Grinsen den Kleinen mit irgendwas zu beschäftigen.
Auch wenn mein Mann sich abends immer kümmert. Jetzt wo es auch wieder früh dunkel wird kann man abends kaum noch was unternehmen. Mir ist schon zu heulen wenn er Wochenends arbeiten muss.
Ich habe mich für Kurse angemeldet, Rückbildung und Pekip. Smalltalk ja, aber richtige Freundschaften bilden sich halt nicht von heut auf morgen und lassen sich schonmal garnicht erzwingen. Da war ich eh schon immer wählerisch muss ich zugeben.

Ich fühl mich einfach alleine. Frage mich ob alles richtig oder falsch ist. Ich habe das Gefühl das ich hier wie ein Sträfling meine Zeit absitze bis mein Sohn ein paar Jahre alt ist. Damit es wieder einigermaßen normal ist. Nicht die Gefahr zu haben das der Kleine laut schreit etc. Durch die Stadt zu gehen, in den Wald spazieren. Einfach mal wohin fahren ohne lange im voraus Tasche packen, Flaschen vorbereiten. Mal wieder normale Gespräche führen und sich nicht immer nur Omas Ratschläge anhören während sich alle nur fürs Baby interessieren.
Hört das irgendwann auf? Ein Kind verändert aber wann wird es wieder "normal"?

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3. November 2011 um 12:35

Hey du!
Ach Mensch... du klingst echt traurig. Ich hab ein paar Tipps für dich, vielleicht hilft dir das ein bisschen. Ich versuch mal deine Probleme ien bisschen zu ordnen...

Familie: ich kenne das auch nur zu gut, was du beschreibst. Wir hatten das erste Baby in der ganzen riesen Großfamilie, alle waren schon vor der Geburt ganz aufgeregt, haben unmengen geschenke angeschleppt und und und. Grundsätlich heißt es immer nur "Das Baby kommt zu Besuch!" Dann denk ich immer... äh, ja... früher hat sich auch mal jemand gefreut, wenn ich komme. Aber das wird wieder besser. Wenn dein Kleiner erst mal Trotzanfälle bekommt und überall nur Sauerei macht, will ihn keiner mehr Versuch dich zu freuen, dass alle ihn so toll finden und das anzunehmen. Lass sie mit ihm spazieren gehen und du hast mal ne Stunde Zeit einfach zu quatschen. Oder geh mit deiner Mama zusammen spazieren, wenn er schläft könnt ihn in Ruhe Kaffee trinken...

genervte Umwelt: das ist Quatsch! Beim Kinderarzt waren die Blicke sicher eher mitleidig. Ganz bestimmt nicht genervt, und wenn dann wegen der blöden Warterei und nicht wegen dem Geschrei. Lass dir früh morgens Termine geben, da muss man nicht so lange warten und es ist auch nicht so voll. Im Wald (!) wird das bestimmt niemanden nerven, wenn da mal ein Kind weint, genausowenig in der Stadt... ganz ehrlich.

Freunde: Mir gings nach der Geburt ähnlich. Die meisten Leute sind halt tagsüber in der Uni, arbeiten oder sonst was. Mit den Kursen hast du doch schon mal einen Anfang gemacht... Zusammen Kaffeetrinken, spazieren gehen und so. Klar dauert das bis aus Bekanntschaften Freunde werden, das ist nun mal so...

Wenn deine Stimmung dauerhaft so schlecht ist würde ich mit deiner Hebamme reden... Postnatale Depressionen sind nicht selten und damit ist nicht zu spaßen. Manchmal hilft das ja schon, einfach mal mit jemandem wirklich zu reden...


Alles Gute!

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3. November 2011 um 13:17
In Antwort auf jaime_11874276

Hey du!
Ach Mensch... du klingst echt traurig. Ich hab ein paar Tipps für dich, vielleicht hilft dir das ein bisschen. Ich versuch mal deine Probleme ien bisschen zu ordnen...

Familie: ich kenne das auch nur zu gut, was du beschreibst. Wir hatten das erste Baby in der ganzen riesen Großfamilie, alle waren schon vor der Geburt ganz aufgeregt, haben unmengen geschenke angeschleppt und und und. Grundsätlich heißt es immer nur "Das Baby kommt zu Besuch!" Dann denk ich immer... äh, ja... früher hat sich auch mal jemand gefreut, wenn ich komme. Aber das wird wieder besser. Wenn dein Kleiner erst mal Trotzanfälle bekommt und überall nur Sauerei macht, will ihn keiner mehr Versuch dich zu freuen, dass alle ihn so toll finden und das anzunehmen. Lass sie mit ihm spazieren gehen und du hast mal ne Stunde Zeit einfach zu quatschen. Oder geh mit deiner Mama zusammen spazieren, wenn er schläft könnt ihn in Ruhe Kaffee trinken...

genervte Umwelt: das ist Quatsch! Beim Kinderarzt waren die Blicke sicher eher mitleidig. Ganz bestimmt nicht genervt, und wenn dann wegen der blöden Warterei und nicht wegen dem Geschrei. Lass dir früh morgens Termine geben, da muss man nicht so lange warten und es ist auch nicht so voll. Im Wald (!) wird das bestimmt niemanden nerven, wenn da mal ein Kind weint, genausowenig in der Stadt... ganz ehrlich.

Freunde: Mir gings nach der Geburt ähnlich. Die meisten Leute sind halt tagsüber in der Uni, arbeiten oder sonst was. Mit den Kursen hast du doch schon mal einen Anfang gemacht... Zusammen Kaffeetrinken, spazieren gehen und so. Klar dauert das bis aus Bekanntschaften Freunde werden, das ist nun mal so...

Wenn deine Stimmung dauerhaft so schlecht ist würde ich mit deiner Hebamme reden... Postnatale Depressionen sind nicht selten und damit ist nicht zu spaßen. Manchmal hilft das ja schon, einfach mal mit jemandem wirklich zu reden...


Alles Gute!


Hallo Unbekannte,

nein, du bist keine schlechte Mutter und ja, es wird besser.
Das vorneweg.

Nach der Geburt eines Kindes verändert sich ALLES, wie du ja bereits festgestellt hast. Und die Welt ist mit einem Baby nicht wie von vielen gedacht und erwartet, rosarot.
Mnachmal ist sie schwarz und einfach besch.... .
Das ist die Realität.
Ich kann deine Gefühle sehr gut nachempfinden- bei mir war es noch ein bisschen krasser. Ich saß tagelang heulend im Park mit meinem Baby auf dem Arm und wartete, dass mein Mann von der Arbeit heimkommt. Heulte mein Baby, dann dachte ich, dass alle Welt denkt, ich bekomme mein Kind nicht ruhig usw.
Es war schrecklich und ich fühlte mich ganz alleine gelassen und ich war überzeugt, dass ich niemals wieder glücklich werde. Wenn jmd. von einem zweiten Kind sprach, dachte ich, derjenige hätte den Schuß nicht gehört....

Und jetzt?

Jetzt ist auch nicht alles rosarot in meine Leben, aber definitv mindestens lachsfarben .
Und ich will ein zweites Kind.

Die Zeit wird einiges heilen. Die Hormonumstellung dauert und manche Frauen reagieren ganz heftig darauf. Und gerade wenn euer Start schwierig war, dann ist das ganz normal, dass es eine Weile dauert bis sich alles eingespielt hat.

Sag dir immer wieder vor, dass es mit der Zeit besser wird. Das wird es. Wenn du nach ein paar Wochen das Gefühl hast, du bleibst in diesem Loch, dann geh zum Arzt und sprich das an.
Gut, dass du Kurse besuchst, da kommst du raus und auch hier gilt: Zeit. Klar, eine Freundschaft entsteht nicht nach 3 mal sehen und das nur 1 mal wöchentlich,aber vielleicht wächst eine.

Wenn du Fragen hast oder sonstiges, dann darfst du mir gerne schreiben.


Liebe Grüße

Pupsigel

P.S. Halt uns doch auf dem Laufenden, wie es dir geht.


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3. November 2011 um 13:35

Dich möchte man am liebsten mal fest drücken
Ich glaube Du hast schon gute Tipps von den 2 Mädels bekommen. Ich möchte Dir nur sagen, das ich nicht wochenlang warten würde, bis Du Dich Deiner Hebi oder Arzt öffnest - mach es ganz ganz bald! Die können Dir helfen sich besser zu fühlen!
Ich weiss nicht wo Du wohnst, aber in vielen Städten gibt es Organisationen die Jungmüttern unter die Arme greifen, Dir das Kind mal abnehmen können. In Hamburg heisst so eine Org. " Welcome" - vielleicht wirst Du da bei Dir auch fündig!?

Ich wünsche Dir ganz viel Sonne im Herzen und jemand der Dich ganz doll drücken kann

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4. November 2011 um 14:06

Danke
für eure Antworten. Da ist an echt nicht mehr alleine. Man denkt immer das alle anderen Mütter sich tagtäglich strahlend um den Nachwuchs kümmert, ausser man selbst.

Ich versuche mich gerade wieder zu motivieren. Ich habe z.B. einfach keine Lust alleine mit dem Kinderwagen durch die Gegen zu spazieren. Mehrfach versucht aber ich finde das richtig nervig. Ich kann mich irgendwie noch nicht ganz damit identifizieren. Dabei kann ich mit meinem Mann stundenlang rumlaufen, aber alleine...

Der Kleine hat heute mal wieder besonders tolle Laune. Was bin ich froh wenn er sagen kann was ihm fehlt. Ist das nervig wenn man angeheult wird und einfach nicht mehr weiß was man noch machen soll.

Gestern abend hätte ich einfach die ganze Zeit heulen können. Ich wusste noch nichtmal genau warum. Mein Mann bekommt immer alles ab. Ich würde nur noch meckern meint er. Noch findet er das lustig aber ich weiß nicht ob ich meine Laune selbst ertragen könnte. Ich kann mich halt über alles und jeden aufregen im Moment.

Mit meiner Hebamme hatte ich schon vor Wochen darüber gesprochen, da war eigentlich alles noch viel schlimmer. Es ist einfach so fürchterlich langweilig. Anfangs bin ich mal mit Kinderwagen in die Stadt aber das kann man ja auch nicht immer. Abgesehen davon war ich schockiert wie ignorant Manche sich da Verhalten. Mir ist sogar ein Vater mit Kinderwagen erst in die Hacken und dann in den Selbigen rein gefahren um sich schnell durchzuquetschen. Eltern sollten es doch eigentlich besser wissen.

Was mich ausserdem nervt das ich seitdem ich das erste mal wieder meine Periode habe ununterbrochen Schmierblutungen habe. Das ist auch ein Grund warum ich heulen könnte. Ist wohl durch die Pille. Ich hasse die Hormone sowieso. Will aber keinesfalls wieder schwanger werden. Zum Sterilisieren bin ich zu jung, wobei ich das eigentlich dreist finde das man darüber nicht selbst entscheiden kann. Ich war schon bei meiner FÄ um eine andere Pille zu bekommen. War das erste mal das ich diese Pille probiert hatte. Sie wollte das ich das ausprobiere aber jetzt habe ich die Schnauze voll. Angeblich hätte ich das mit jeder Pille gehabt. Ich hatte noch nie Schmierblutungen und ich war auch noch nie so verpickelt, auch nicht in der Pubertät. Dabei habe ich schon einige Pillen probiert. Ich setz die jetzt einfach ab. Hätt ich das gewusst hätt ich das Geld nicht ausgegeben. Die Riesenpackung fürs halbe Jahr wird die Apotheke wohl kaum zurück nehmen.
Ach ja, nichtmal der Sex darf so sein wie vorher. Nach 8 Wochen Wochenfluss und gleich im Anschluß 4 Wochen meine Tage, da reichts dann langsam. Irgendeine höhere Gewalt hat wohl einfach Lust mich zu quälen.
Ich bin immer schlank gewesen aber jetzt hängt der Bauch, ist übersät mit Schwangerschaftsstreifen und der Busen ist eine Nr. kleiner und fühlt sich an wie hängende, leere Milchtüten. Ich bin ja froh das der Kleine gesund und munter ist aber Spaß macht der Anblick trotz dem "Gewinn" einfach nicht.

Das sind alles Kleinigkeiten die sich abwechseln, aber wenn alles zusammen kommt dann hab ich ein, zwei Tage Gewitter im Kopf. Da wünsche ich mir meine altes Leben zurück. Glucke08151, wie du schreibst ist die Babyzeit wohl auch einfach nicht meins. Ehrlich gesagt haben mich kreischende Babys früher auch immer genervt, egal ob im Geschäft, im Bus oder sonst wo.
Aber irgendwann kommt dann auch wieder der Moment wo ich meine beiden Kerle anschaue und mich über mein kleine Familie richtig freue. Ich hoffe das bleibt irgendwann.

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