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Habe ich ein Geburtstrauma? Gibt es sowas?

5. Juni 2013 um 14:45

Hallo,
ich bin neu hier und habe direkt ein (für mich) heikles, unangenehmes Anliegen.
Ich hoffe irgendwer nimmt sich die Zeit alles zu lesen, ich weiß einfach nicht mit wem ich darüber reden soll...

Also, ich hatte eine absolut Traumhafte, beschwerdefreie Schwangerschaft. In meiner Familie, meine Mama (4 Kinder) und ich habe noch 2 Schwestern (4 und 3 Kinder), wird traditionell schnell, und komplikationslos entbunden. Ich habe mich wie Bolle auf die Entbindung gefreut und dann ist einfach soooo viel schief gelaufen...

Eins noch vorweg... Ich bin sooooo unendlich glücklich meinen kleinen Mann zu haben, mir geht es gut, dem Kind geht es gut ich habe eigentlich nichts worüber ich mich "beklagen" dürfte, deshalb habe ich auch ein so komisches Gefühl in der Magengegend wenn ich das hier aufschreibe... Irgendwas in mir schreit immer "hör auf zu jammern!" Mit meiner Familie kann ich trauriger Weise nicht reden, die haben ihre Babys alle quasi auf dem Flur bekommen und machen sich ein wenig über mich lustig, bzw. können mein Problem nicht nachvollziehen und sagen ich solle nicht so ein Drama machen...

Es fing damit an, dass der Kleine nicht kommen wollte und ich bei ET+14 eingeleitet wurde. Morgens um 8.00 ging es los. Die Tablette hat nach einer Stunde angeschlagen und die Wehen gingen (meiner Meinung nach) sofort unglaublich heftig los. Auf dem CTG keinerlei Auschlag. Na gut, bin dann den ganzen Tag hin und her gelaufen, dachte mich zerreißt es, tapfer durchgehalten. Ctg zeigt keine nenneswerten Wehen. bin dann abends ins Bett, konnte nicht schlafen vor Schmerzen, habe mich hin und her gewälzt, zwischendurch eine Schmerztablette von der Nachtschwester bekommen. Um 1.00 Nachts ist mir dann die Fruchtblase geplatzt.
Und dann ist soviel schief gelaufen, ich hatte einfach Pech... Ich war die 10. Frau, die in dieser Nacht einen Blasensprung hatte. Ich habe in einem Mini-Provinzkrankenhaus entbunden, die Schwester sagte, dass dieser Tag mit Abstand der Geburtenreichste aller Zeiten gewesen sei. Nur eine Hebamme da, die immer mal wieder oberflächlich nach mir geschaut hat.
Ich wurde dann ins CTG Zimmer verfrachtet, laut CTG immer nich keine nenneswerten Wehen. Da lag ich dann, durfte mich nicht bewegen weil der Kleine nicht im Becken war, und die Nabelschnur im Weg. Ich hatte völlig Geburtsunreife Befunde... Kind nicht tastbar weil zu weit oben, Mumu zu und fest... Ich wurde halt als "unwichtiger" Fall eingestuft... Ich dachte, ich müsse sterben vor Schmerzen... Ich habe mich mehrfach übergeben müssen vor lauter Schmerz, habe am ganzen Körper völlig unkontrolliert gezittert...

Da lag ich dann relativ unbeachtet bis 8.00 morgens auf dieser Pritsche. Ich hörte in der Zeit zig Frauen entbinden... Dann war Schichtwechsel und die neue Hebamme kam zu mir ins CTG Zimmer. Und fragte wie es mit gänge... Da ist meinem Mann die Hutschnur geplatzt und er hat gesagt, dass wenn nicht sofort hier was passiert.... Die Hebamme war echt nett und frug was ich denn wolle. Ich wollte in die Badewanne, weil ich dachte das hilft vielleicht. Sie wollte mich vorher noch untersuchen, tat sie auch, ging dann zum CTG, schüttelte den Kopf, stöpselte mich ab und holte ein anderes Gerät. Sie mich drangeklemmt, dann die erste Wehe... Zeigt das Gerät 85. Die Hebamme dann gefragt ob die Wehe leichter, schlimmer oder genauso wie die anderen ist. Ich fand diese Wehe sogar relativ angenehm. Daraufhin meinte die Hebamme, dass ich nicht in die Wanne gehe, ich würde jetzt erstmal in den Kreißsaal kommen und da gibt es eine PDA. Gut, der Arzt kommt will die PDA setzen klappt nicht, nach dem 4. Versuch aufgehört und den Chefarzt geholt, der hat dann auch nochmal 3 Versuche benötigt. Ich habe wohl eine Verkrümmung an der Wirbelsäule. Während der Versuche ist mir 2 Mal der Kreislauf kolabiert, ich habe mich nur noch übergeben und schließlich bin ich in Ohnmacht gefallen.
Als die PDA dann endlich saß hat die Hebamme mit mir alle möglichen Turnübungen gemacht um den Kleinen in die Richtige Position zu bringen... Dann setzten die Presswehen ein und ich habe 2 1/2Std. wie eine Irre gepresst um endlich mein Kind zur Welt zu bringen... Es war einfach nur furchtbar... Zum Ende hin hat sich eine Ärztin auf meinen Bauch geworfen, die Hebamme quasi bis zu den Ellbogen in mir rumgewühlt und irgendwann das Kind aus mir herausgezerrt...Das erste was die Hebamme ruft ist nicht etwa "Herzlichen Glückwunsch-ein Junge" nein, sie rief "Herrgott, was für ein riesiges Kind"! Der Kleine war komplett blau, wurde erstmal ins Nebenzimmer gebracht... Ich weiß bis heute nicht was genau passiert ist... Nach kurzer Zeit kam eine Schwester mit ihm wieder rein, da war er dann auch am schreien und nicht mehr so blau...

Ich hätte nie gedacht, dass gebären so brutal ist... Ich habe mich so, vielleicht zu naiv auf die Geburt gefreut. Ich kann diese Schmerzen nicht vergessen und ich bin bestimmt kein Weichei- ich hatte mit Anfang 20 eine Krebserkrankung und habe die Chemo recht gut weggesteckt, da wurde mir von den Ärzten immer wieder bestätigt wie hoch meine Schmerztoleranz sei... Und nun dies...
Nun habe ich, wenn ich Beispielsweise meine Periode habe und es schmerzt etwas oder ich habe mal was quersitzen im Darm und es zwickt, sofort heftigste körperliche Reaktionen. DIeser Schmerz, der entfernt an Wehen erinnert löst in meinem Körper Übelkeit, Kreislaufprobleme, Schweißausbrüche und unkontrollierbares Zittern aus... Und die totale, nackte Angst!!!

Ich bin so Glücklich mit meinem Baby, ich wünsche mir am Besten sofort noch eins und noch eins... Aber ich habe Angst, einfach nur Angst vor dem Schmerz... Kaiserschnitt ist keine Alternative für mich, ich weiß was eine OP bedeutet...

Geht diese Angst wieder weg? Lernt meine Körper wieder normal auf Schmerzen zu reagieren? Brauche ich Hilfe? Ich schäme mich so sehr...

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5. Juni 2013 um 15:26

Oh Mensch...
da ist ja wirklich fast alles schief gelaufen was hätte schief laufen können! So eine Geburt hinterlässt zweifelsohne ihre spuren! Fürs nächste mal würde ich dir auf jeden Fall ein geburtshaus empfehlen - da wird die Situation wohl nicht so angespannt sein mit 10 Frauen gleichzeitig und solche Späße! Oder eine beleghebamme, die sich um DICH kümmert. Eine Gesprächstherapie wäre vielleicht auch eine Idee und nie ein Grund sich zu schämen... Nur wenige Geburten verlaufen wie deine und beim nächsten mal wirst Du so etwas nicht mehr erleben müssen...

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5. Juni 2013 um 16:00

Ich verstehe dich sehr gut
Meine geburt war auch echt schrecklich, mein sohn war ein sterngucker und wurde dann nach 4 stunden presswehen und etlichen ohnmachten mit saugglocke geholt. Er war noch dazu ein sehr schweres kind (über 4 kilo), pda hatte ich nicht. Ich bin obendrein noch echt schlimm gerissen... ich verstehe deine gefühle sehr gut. Wie lange liegt die geburt denn zurück? Ich kann dir nur sagen, dass ich immernoch hoffe, das es besser wird. Mein sohn ist jetzt etwas über 7 monate alt und für mich steht definitiv fest, dass ich auf absolut gar keinen fall noch einmal vaginal entbinden werde. Nicht nur, weil die geburt so schrecklich war, sondern auch aufgrund der katastrophalen geburtsverletzungen. Erst jetzt nach über einem halben jahr sind die schmerzen "da unten" erträglich.
Eventuell könnte dir eine therapie helfen? Ich habe selbst darüber nachgedacht, denke aber dass ich es auch ohne verarbeiten kann. Oder wie eine vorschreiberin meinte hypnose? So etwas ist bestimmt hilfreich, wenn man offen dafür ist.
Ich wünsche dir auf jeden fall, dass du es verarbeiten kannst und alles liebe.

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5. Juni 2013 um 16:30

Hallo
Oh je, da hast du ja was erlebt.

Schätze, das sind 2 Baustellen, einmal die Geburt an sich und einmal die Kopfsache: Du denkst, dass du im Vergleich mit den Geburten in deiner Familie jetzt irgendwie versagt hast.
Das hast du aber nicht!! Mag sein, dass es zusammenhängt, muss aber nicht! Und dass es bisher in deiner Familie immer so problemlos gelaufen ist, ist keine Garantie, dass das immer munter so weiter geht.

Von daher komme bitte schnell von dem Gedanken weg, dass du dich schämen müsstest. Sorry, aber die, die jetzt meinen, du sollst dich mal nicht anstellen die sollten sich was schämen.
Und du kannst sogar stolz auf dich sein, dass du das alles tapfer ausgehalten hast!

Natürlich kann es sein, dass du durch diese Geburt traumatisiert wurdest. Allein, dass du körperliche Reaktionen hast, wenn du daran erinnert wirst, spricht dafür. Abklären und bestätigen sollte das aber ein Arzt.
Die Vorschläge, mit der Hebamme zu sprechen, sind gut. Vielleicht hilft das schon oder sie kann dich weiter vermitteln.
Hast du denn eine?
Ich würde mir auf jeden Fall Hilfe suchen. Es muss ja nicht gleich eine mehrjährige Therapie sein. Oft helfen auch schon ein paar Gespräche.

Mach dir selbst klar, dass du sehr wohl stolz auf dich sein kannst. Du hast einen tollen Sohn, den du liebst und den du geboren hast!! Dass es nicht nach deinen Wünschen gelaufen ist, kannst du ja leider nicht mehr ändern. Aber den negativen Teil kannst du überwinden.

Fühl dich mal gedrückt.

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