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Hilfe für Väter mit Geburtstrauma?

8. November 2016 um 10:07

Hallo!

Ich habe gestern die Geburt meines Sohnes miterlebt und bräuchte einen Ratschlag von euch.

Achtung: Die Geburt verlief nicht ganz ohne Komplikationen und die Beschreibung weiter unten umfasst einige Details. Denjenigen, denen die Geburt noch bevorsteht würde ich daher gerne raten, hier einfach nicht mehr weiterzulesen, sondern euch einfach auf eure eigene Geburt zu freuen. Das was meiner Frau passiert ist, hat eine Wahrscheinlichkeit von deutlich unter 1% (nach Aussagen des Krankenhauses).

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Gestern hat mein Frau unseren Sohn bekommen. Gegen Ende hat sie so furchtbar gelitten und geschrien, ich konnte ihr beim Voratmen und Händehalten nicht in ihr schmerzverzerrtes Gesicht sehen und hatte das Gefühl nicht wirklich etwas tun zu können, um ihr zu helfen.

Am schlimmsten war es aber, nachdem unser Sohn bereits draussen war. Sie hielt den kleinen im Arm und war glücklich, es schien als würde alles gut werden. Pötzlich wurden aber alle ganz hektisch, mehrere Ärzte und Hebammen/Schwestern kamen angelaufen und Sie wurde unter Vollnarkose gestellt und in die OP gefahren. Auf dem Bett war viel Blut (frisches, hellrotes im Unterschied alten, vertrockneten, dunkelroten von der Geburt?).

Ich habe dann unseren Sohn in den Arm bekommen. Sie hatten gesagt, es wäre alles OK und die OP würde 15-20min dauern, aber sie kamen und kamen nicht zurück, erst nach 1 Stunde. Die Hebamme hat mir versichert, dass alles in Ordnung wäre, aber sie wirkte selbst ein wenig besorgt. Ich war mir auch nicht sicher, ob ich ihr so wörtlich glauben konnte. Alle waren z.B. auch während der Geburt immer sehr positiv (sicher aus den besten Absichten heraus!), aber manchmal ahnte ich schon, dass es eigentlich gerade nicht wirklich voranging und es zu lange dauert.

Bitte versteht auch, dass ich gar nicht möchte, dass es sich um mich dreht. Es war meine Frau, die all das durchmachen musste und dabei so unglaublich tapfer war. Ich möchte ihr jetzt zur Seite stehen und sie unterstützen. Gerade deshalb weiss ich nicht, mit wem ich reden sollte, ich möchte sie nicht mit meinen Gedanken belasten. Ich habe aber auch die Sorge, dass unterbewusst etwas hängen bleibt, wenn ich nicht darüber spreche, was wiederum Auswirkungen auf unsere kleine Familie in Zukunft haben könnte.

Zum Beispiel habe ich gestern gedacht, wenn ich die Zeit noch einmal zurück drehen und wählen könnte, war es das Richtige? Würde ich meine Frau das wieder durchmachen lassen? Eigentlich ein schrecklicher Gedanke. Und ich mache mir auch Sorgen, ob meine Frau wieder ganz gesund wird, auch wenn es jetzt bisher wohl ganz gut aussieht.

Habt ihr oder eure Männer evtl. ähnliche Erfahrungen gemacht? Sollte ich Hilfe in Anspruch nehmen oder vergeht das wieder? An wen könnte ich mich ggf. wenden, z.B. die Nachsorgehebamme oder gibt es Beratungsstellen für Väter mit ähnlichen Erlebnissen?

Ich wäre für eure Tipps sehr dankbar!

Viele Grüße

JKL

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8. November 2016 um 11:21

Nachsorgehebamme!
Sprich das auf jeden Fall bei ihr an. Sie kann dir auf jeden Fall erst einmal erklären, was genau los war. Und falls sie dir mit deinen Sorgen nicht weiterhelfen kann, kennt sie bestimmt Anlaufstellen für dich.
Alles Gute euch dreien! Und herzlichen Glückwunsch zum Baby!

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8. November 2016 um 11:30

Ich hatte bei allen 3 Kindern starke nachblutungen, allerdings nicht soo stark, dass ich den op musste. Ich habe ein mittel gespritzt bekommen und dann stellte sich die blutung zügig ein. Für meinen mann war es das erste mal schon komisch, ihm war es als erstes aufgefallen, das plötzlich blut floss. Er sprach ganz offen darüber und erzählte immer, dass er in dem moment richtig angst bekam und verglich es mit einer umgeschütteten flasche, so wär es wohl gelaufen. Für ihn war es aber erledigt mit einem gespräch der hebamme nach der geburt, die erklärte, das dies nicht so selten sei und man die blutungen so gut wie immer in den griff bekommt.
Das leiden einer frau gehört wohl zur geburt dazu, mein mann hatte da nicht so die probleme mit. Es tat ihm zwar immer leid, aber die freude übers baby war bei uns danach so riesig, dass wir das schnell einfach vergessen konnten bzw wir haben akzeptiert das es dazu gehört und mittlerweile 3 kinder
Ich glaube du solltest mit deiner frau da mal ganz offen drüber reden, wie du alles erlebt hast und was dich bedrückt!

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8. November 2016 um 11:31

Ob Deine Frau wieder gesund wird, kann ich Dir leider nicht beantworten. Das wird hier niemand können!

Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, daß eine Mutter das niemals bereut, ihr Kind bekommen zu haben und es jederzeit wieder tun würde. Egal wie schlimm die Geburt war.

Es wird sich wieder alles richten. Ich hab bei der Geburt auch Dinge gesehen, die ich lieber nicht gesehen hätte. Aber das ist alles halb so wild und erledigt sich von selbst

 

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8. November 2016 um 13:47

Hallo

Auch von mir herzlichen Glückwunsch!

Ich finde es ganz wunderbar, dass dieses Tabu (?)-Thema mal auf den Tisch kommt, dann so eine Geburt ist ein einschneidendes Erlebnis für alle. Es tut mir sehr leid, dass ihr solche Komplikationen hattet. Es ist aber möglich, sich mit so einer Geburt zu versöhnen

Die Nachsorgehebamme halte ich ebenfalls für die beste erste Ansprechpartnerin.
Ihr könnt euch außerdem einen Geburtsbericht im KH anfordern und bei Bedarf mit dem Personal eine Nachbesprechung vereinbaren.

Redet drüber, auch miteinander.

Alles Liebe für euch!

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8. November 2016 um 19:02
In Antwort auf jkl851

Hallo!

Ich habe gestern die Geburt meines Sohnes miterlebt und bräuchte einen Ratschlag von euch. 

Achtung: Die Geburt verlief nicht ganz ohne Komplikationen und die Beschreibung weiter unten umfasst einige Details. Denjenigen, denen die Geburt noch bevorsteht würde ich daher gerne raten, hier einfach nicht mehr weiterzulesen, sondern euch einfach auf eure eigene Geburt zu freuen. Das was meiner Frau passiert ist, hat eine Wahrscheinlichkeit von deutlich unter 1% (nach Aussagen des Krankenhauses).

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Gestern hat mein Frau unseren Sohn bekommen. Gegen Ende hat sie so furchtbar gelitten und geschrien, ich konnte ihr beim Voratmen und Händehalten nicht in ihr schmerzverzerrtes Gesicht sehen und hatte das Gefühl nicht wirklich etwas tun zu können, um ihr zu helfen.

Am schlimmsten war es aber, nachdem unser Sohn bereits draussen war. Sie hielt den kleinen im Arm und war glücklich, es schien als würde alles gut werden. Pötzlich wurden aber alle ganz hektisch, mehrere Ärzte und Hebammen/Schwestern kamen angelaufen und Sie wurde unter Vollnarkose gestellt und in die OP gefahren. Auf dem Bett war viel Blut (frisches, hellrotes im Unterschied alten, vertrockneten, dunkelroten von der Geburt?).

Ich habe dann unseren Sohn in den Arm bekommen. Sie hatten gesagt, es wäre alles OK und die OP würde 15-20min dauern, aber sie kamen und kamen nicht zurück, erst nach 1 Stunde. Die Hebamme hat mir versichert, dass alles in Ordnung wäre, aber sie wirkte selbst ein wenig besorgt. Ich war mir auch nicht sicher, ob ich ihr so wörtlich glauben konnte. Alle waren z.B. auch während der Geburt immer sehr positiv (sicher aus den besten Absichten heraus!), aber manchmal ahnte ich schon, dass es eigentlich gerade nicht wirklich voranging und es zu lange dauert.

Bitte versteht auch, dass ich gar nicht möchte, dass es sich um mich dreht. Es war meine Frau, die all das durchmachen musste und dabei so unglaublich tapfer war. Ich möchte ihr jetzt zur Seite stehen und sie unterstützen. Gerade deshalb weiss ich nicht, mit wem ich reden sollte, ich möchte sie nicht mit meinen Gedanken belasten. Ich habe aber auch die Sorge, dass unterbewusst etwas hängen bleibt, wenn ich nicht darüber spreche, was wiederum Auswirkungen auf unsere kleine Familie in Zukunft haben könnte.

Zum Beispiel habe ich gestern gedacht, wenn ich die Zeit noch einmal zurück drehen und wählen könnte, war es das Richtige? Würde ich meine Frau das wieder durchmachen lassen? Eigentlich ein schrecklicher Gedanke. Und ich mache mir auch Sorgen, ob meine Frau wieder ganz gesund wird, auch wenn es jetzt bisher wohl ganz gut aussieht.

Habt ihr oder eure Männer evtl. ähnliche Erfahrungen gemacht? Sollte ich Hilfe in Anspruch nehmen oder vergeht das wieder? An wen könnte ich mich ggf. wenden, z.B. die Nachsorgehebamme oder gibt es Beratungsstellen für Väter mit ähnlichen Erlebnissen?

Ich wäre für eure Tipps sehr dankbar!

Viele Grüße

JKL

Hallo,

vielen Dank an alle, die (so schnell) auf meine Frage geantwortet haben!

Eure Geschichten, Hinweise und Empfehlungen haben mir sehr geholfen.

Danke! 

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