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Ich bin fürchterlich!

6. Oktober 2017 um 19:56

Hallo! Vorab, ich weiß welche Reaktionen mir nach dem Beenden vom Thread entgegenschlagen können, aber das ist okay für mich, vielleicht ist es das, was ich brauche.

Vorab, ich habe zwei Kinder, eins im Vorschulalter, eins mit knapp 3Jahren.
Ich arbeite mit Wachkoma-Patienten zusammen, also in der Pflege.

Ich hatte eben eine, für mich schockierende Situation, die ich hier gerne niederschreiben will.
Mein Kind hatte eins dieser nervigen Plastikdinger am Kragen, da ich keine Schere fand, riss ich es per Hand ab. Dabei tat ich meinem Kind anscheinend weh, es fing an zu weinen. Ich erklärte sofort, das es mir leid tat und das es keine Absicht gewesen sei. Aber anstelle mein Kind dann in den Arm zu nehmen, wurde ich wütend. Furchtbar wütend. Und es platzte einfach aus mir heraus.. Das ich es satt sei und wie das Zimmer wieder aussieht, und ich doch wohl verlangen kann, das ein 5,5 Jähriges Kind die schmutzige Wäsche vom Boden und ins Bad bringen könnte. (Normalerweise mache ich das,aber irgendwie kams da so gerade einfach mit raus.) und das ich es einfach leid bin, hier der Putzclown zu sein, der 1.000x um Sachen bittet und doch nur belächelt würde. Das alles hat überhaupt nichts mit meinem Kind zu tun und doch konnte ich es nicht stoppen. Ich würde nicht sagen, ich hätte gebrüllt, aber ich habe sehr laut gesprochen.

Mir kam gedanklich schon die Galle hoch, so wütend war ich. Darüber, das ich das Kind nicht trösten konnte (ich konnte in dem Moment nichts machen, ich konnte nichts anfassen, mich nicht anfassen lassen) darüber das ich mich so verhalte, obwohl ich das nicht will. Ich hab es mir immer geschworen. Und wütend darüber, das es schon wieder passiert. Es passiert seit kurzem häufiger.

Ich arbeite, wenn es gut läuft, 40 Stunden. Wenn es schlecht läuft, um einiges mehr. Den Job kündigen kann ich nicht, weil ich unterm Strich genau das rauskriege was uns zum Leben fehlt, wenn ich arbeitslos wäre. Mein Mann verdiente immer sehr sehr gut, die Firma ist allerdings in einer wirtschaftlichen Schieflage und in Kurzarbeit. Das hört sich bestimmt blöd an für euch, theoretisch könnte ich ja auch einfach die Arbeitszeit reduzieren. Das habe ich versucht, aber dann hat es sich einfach gar nicht mehr ausbezahlt durch die teure Steuerklasse.

Dann kommt mein Schlafmangel dazu, Kind 2 schläft durch eine Erkrankung maximal 60 Minuten am Stück nachts und weint regelmäßig nachts und lässt sich kaum beruhigen. Kind 2 ist knapp 3.

Mein Auto, auf das ich angewiesen bin, ist ein wirtschaftlicher Totalschaden. Durch fehlende Bus- und Bahnverbindung wird das ganze ziemlich schwierig, weil die Kinder zb in einen Dorfkindergarten, ohne Auto kriege ich sie nicht pünktlich zum Kindergarten.

Ich bin so wütend auf mich, das ich nicht mehr die entspannte Mama bin. Die gerne bastelt oder sich auf den Boden legt und Playmobil spielt. Aktuell arbeite ich von letztem Montag bis nächsten Samstag oder Sonntag, je nach Krankenstand.

Ich möchte mir helfen lassen, aber keine Familienhilfen oder ähnlichem. Ich will Gespräche für mich, oder Selbsthilfegruppen. Nur für was? Inkompetenz als Mutter? Unbelastbarkeit?

Unsere Familie ist zerbrochen, Rückhalt um die Kinder mal woanders unterzubringen besteht kaum. Meinem Mann geht es ähnlich wie mir. Wir sehen uns fast gar nicht mehr, da wir in abwechselnden Schichten arbeiten, damit immer jemand für die Kinder da ist. Gut, er ist halt öfter zu Hause als ich. Natürlich sind die Kinder auch eher auf ihn fixiert als auf mich.

Ich möchte mir einfach mal bei geschultem Personal den Müll von der Seele quatschen, damit ich wieder entspannter sein kann. Habt ihr da Adressen für mich?

Anonymerweise liebe Grüße

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6. Oktober 2017 um 22:25

Vielen Dank für deine liebe Antwort 

Ja, Kind 2 hat eine chronische Erkrankung und eine daraus resultierende Schlafstörung. Das Kind hat den Pflegegrad 2. Das Kind ist seelisch leider schwer angeschlagen (wenn man das bei einem 3 Jährigen Kind sagen kann) Das Kind ist sehr aggressiv, hat eine Essstörung, spricht nicht bzw sehr schlecht. Aber das Kind ist trotzdem perfekt. Besonders, aber perfekt. Aber leider auch sehr zeitintensiv, ich brauche meist 2 Stunden das Kind in die Kita zu bringen. Dann fängt morgens schon das Geschlage an. Das Kind soll laut MDK einem Psychologen vorgestellt werden. Es ist halt noch schlimmer als die Trotzphase. Aber das kennen wir ja alle. 

Ich habe versucht über Kind 2 und dem Pflegegrad eine Haushaltshilfe zu bekommen. Aber im Moment sind alle ausgelastet. Als ich selbst noch im ambulanten Dienst gearbeitet habe, habe ich das mitbekommen. Und ich glaube ich würde mich dann schämen.. Mein Badezimmer sieht aus... die Wäsche stabelt sich so hoch und trotzdem liege ich gerade auf der Couch und habe keine Motivation auch nur einen Finger zu bewegen. 

Beide Kinder sind noch im Kindergarten (beide mit Vollzeitbetreuung) die wir aber nicht immer nutzen, wir versuchen immer noch irgendwie tolle Ausflüge zu planen oder Highlights. Aber verlängern können wir die Betreuung leider nicht. Mir fällt es schwer im Kindergarten Freundschaften zu schließen. Meist bin ich gestresst. Bestes Beispiel : Die Kinder machen jetzt Laternen-Bastel-Tage mit den Kindern. Aber ohne mich, da ich da arbeite. Das macht mich so traurig und wütend manchmal. Dann schicken wir wohl die Oma wieder einmal. Dafür schäme ich mich dann natürlich auch wieder. 

Das mit der Liste werde ich auf jedenfall morgen anfangen. Das finde ich eine ganz tolle Sache, da ich gerne Dinge plane und mit Listen vervollständige 
Falls wir mal irgendwohin fahren für 2-3 Tage habe ich sogar eine Liste für die Liste. 

Ja das mit den Terminen für den Therapeuten stelle ich mir jetzt auch schwierig vor, wo du es sagst. Ich habe ja theoretisch nicht mal Zeit zu schlafen. 

Ich habe mal über eine Mutterkindkur nachgedacht, aber Angst das ich mich dann überfordert fühle mit zwei, sich ständig streitenden Kinder fühle. Das große Kind kriegt häufig die volle Breitseite ab vom kleineren Kind & auch das macht mich völlig fertig. Ich versuche das große Kind so gut wie möglich zu be - und unterstützen, aber das funktioniert nicht immer. 


Auch für alle anderen Antworten : vielen Dank! Es tat schon mal gut, alles anonym rauszulassen. Ich muss auf jedenfall etwas ändern. 
 

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