Forum / Mein Baby / Babyblues, postnatale Depression

Kann die "Geburtsereignisse" nicht vergessen

7. April 2010 um 19:45 Letzte Antwort: 21. Mai 2010 um 20:18

Hallo,

hab letztes Jahr im August durch Not-Sectio (mit PDA) nach 3 Tagen (keine Sekunde Schlaf) Wehen eine Tochter "bekommen". Wurde davor zweimal heeschickt von wegen ist noch nicht soweit... beim Dritten Mal CTG kam der tolle Spruch "Oh sie haben ja wirklich Wehen" aber der Muttermund geht nicht auf (wohl ne Muttermundschwäche...was auch immer das ist). Da erst wurde der Arzt und die Hebamme schnell, Wisch für PDA unterschreiben, umziehen, Spritze ... 20 Minuten später Baby da... Baby zu klein und zu leicht und total übertragen ( war 6 Tage drüber) ... O-Ton Arzt "Baby hatte keine 24 Stunden länger im Bauch überlebt"...

Die erste Zeit nach der Geburt gings mir eigentlich ganz gut damit aber seitdem ich wieder meine Tage habe und Regelschmerzen bekomme könnt ich jedes Mal vor Angst heulen. Ich seh mich jedes Mal wieder am Boden im Badezimmer, im Gang, im Schlafzimmer und im Wohnzimmer. Höre mich wieder Schreien vor Schmerzen und fühle wieder diese Angst, dass die Schmerzen nie mehr weggehen.

Zu der irrationalen Angst der Schmerzen kommt noch, dass ich mich irgendwie als totale Versagerin fühle, weil ich mein Kind nicht selbst auf die Welt gebracht habe...

Geht's jemanden vielleicht ähnlich oder kann mir einen Tip geben damit umzugehen?

Lg Ina

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12. April 2010 um 21:00

Nachgespräch
Liebe Ina
Eigentlich wollte ich hier nur ein bisschen lesen und mich nie anmelden, doch als ich Deinen Beitrag gelesen habe, liess es mir keine Ruhe und ich habe mich doch angemeldet.
Also ich bin Hebamme. Ich arbeite in einem grossen Krankenhaus oft haben wir eine Geburt nach der anderen und haben nicht so viel Zeit für die Frauen.
Doch wenn eine Frau einen Notkaiserschnitt hatte, nehme ich mir immer die Zeit für ein Nachgespräch! Das ist ganz ganz wichtig!
Hat Dir das niemand angeboten? Kein Arzt und keine Hebamme?
Denn das wäre mein erster Tipp:
Sorge dafür, dass Du ein Nachgespräch bekommst. Es ist egal, dass die Geburt schon im August war, wenn Du vorher anrufst, können die Deine Akten suchen und sich noch einmal einlesen. So ein Nachgespräch (indem Du Fragen klären kannst, evtl. den Geburtsablauf noch einmal mit der Hebamme durchgehen kannst, etc.) kann schon ganz viel helfen.
Viele Frauen fühlen sich nach einem Notkaiserschnitt schrecklich. Und es gibt auch viele Frauen, die sich als Versagerin fühlen, weil sie ihr Kind nicht "normal" zur Welt gebracht haben. Aber das ist nicht Deine Schuld!!! Ein Notkaiserschnitt wird nur gemacht, wenn entweder das Baby im Bauch gefährdet ist oder die Frau selbst. Es war nicht Deine Schuld, dass das Baby "geholt" wurde, es war nicht die Schuld von irgend jemandem, sondern es war einfach ein anderer Weg, auf dem Dein Baby zur Welt gekommen ist.
In der Geburtshilfe kann man nie vorhersagen, wie es verläuft, die Dinge können sich innerhalb von wenigen Minuten oder sogar Sekunden verändern und je nachdem auch zur Notfallsituation werden!
Für eine werdende Mutter kann das ganz traumatisch sein. Man hat Angst um sein Baby, vielleicht auch um sich selber, man weiss nicht, was los ist und alles geht so schnell und plötzlich ist das Baby da! Man hat sich das ganz anders vorgestellt!
Oft ist man in der ersten Zeit so beschäftigt mit allem Neuen, dass man einfach funktionniert, aber so ein traumatisches Erlebnis holt einem irgendwann ein!
Ich kann mir vorstellen, dass Du auch zu Hause Angst hattest und die Schmerzen kaum ertragen hast und Du hast Dich vielleicht auch nicht ernst genommen gefühlt von den Hebammen und Ärzten, als sie Dich wieder nach Hause geschickt haben (Hierzu muss ich kurz bemerken, dass viele Erstgebärende mit Wehen ins Krankenhaus kommen und wieder nach Hause geschickt werden, weil sich der Muttermund noch nicht öffnet, leider kann sich diese Phase, bevor die Geburt "richtig" beginnt über viele viele Stunden, sogar Tage hinziehen und in Krankenhäusern herrscht oft Personalmangel und auch Platzmangel, so dass man Frauen in dieser so genannten Latenzphase wieder nach Hause schickt...)
Die Regelschmerzen erinnern Dich jetzt wieder an diese Wehenschmerzen und da Du das scheinbar als sehr traumatisch empfunden hast (dieses alleine gelassen werden mit Deinen Schmerzen), kann ich gut verstehen, dass dies alles wieder hochkommt!
Hol Dir Hilfe! Verlange ein Nachgesprächt, kontaktiere eine Hebamme und sprich mit ihr darüber!
Wohnst Du in Deutschland? oder in der Schweiz? In der Schweiz gibt es einige Hebammen, die Kraniosacral-Therapie anbieten. Dies hilft ebenfalls oft bei Geburtstraumen!
Ich schicke Dir noch einen Link, der Dir vielleicht auch weiterhilft:
www.emotionelle-erste-hilfe.ch

Ich hoffe, ich konnte dir damit etwas helfen! Kopf hoch, Du bekommst diese Ängste schon wieder in den Griff, aber nimm Dir Hilfe!

Alles Gute

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12. April 2010 um 21:28
In Antwort auf ngozi_12758342

Nachgespräch
Liebe Ina
Eigentlich wollte ich hier nur ein bisschen lesen und mich nie anmelden, doch als ich Deinen Beitrag gelesen habe, liess es mir keine Ruhe und ich habe mich doch angemeldet.
Also ich bin Hebamme. Ich arbeite in einem grossen Krankenhaus oft haben wir eine Geburt nach der anderen und haben nicht so viel Zeit für die Frauen.
Doch wenn eine Frau einen Notkaiserschnitt hatte, nehme ich mir immer die Zeit für ein Nachgespräch! Das ist ganz ganz wichtig!
Hat Dir das niemand angeboten? Kein Arzt und keine Hebamme?
Denn das wäre mein erster Tipp:
Sorge dafür, dass Du ein Nachgespräch bekommst. Es ist egal, dass die Geburt schon im August war, wenn Du vorher anrufst, können die Deine Akten suchen und sich noch einmal einlesen. So ein Nachgespräch (indem Du Fragen klären kannst, evtl. den Geburtsablauf noch einmal mit der Hebamme durchgehen kannst, etc.) kann schon ganz viel helfen.
Viele Frauen fühlen sich nach einem Notkaiserschnitt schrecklich. Und es gibt auch viele Frauen, die sich als Versagerin fühlen, weil sie ihr Kind nicht "normal" zur Welt gebracht haben. Aber das ist nicht Deine Schuld!!! Ein Notkaiserschnitt wird nur gemacht, wenn entweder das Baby im Bauch gefährdet ist oder die Frau selbst. Es war nicht Deine Schuld, dass das Baby "geholt" wurde, es war nicht die Schuld von irgend jemandem, sondern es war einfach ein anderer Weg, auf dem Dein Baby zur Welt gekommen ist.
In der Geburtshilfe kann man nie vorhersagen, wie es verläuft, die Dinge können sich innerhalb von wenigen Minuten oder sogar Sekunden verändern und je nachdem auch zur Notfallsituation werden!
Für eine werdende Mutter kann das ganz traumatisch sein. Man hat Angst um sein Baby, vielleicht auch um sich selber, man weiss nicht, was los ist und alles geht so schnell und plötzlich ist das Baby da! Man hat sich das ganz anders vorgestellt!
Oft ist man in der ersten Zeit so beschäftigt mit allem Neuen, dass man einfach funktionniert, aber so ein traumatisches Erlebnis holt einem irgendwann ein!
Ich kann mir vorstellen, dass Du auch zu Hause Angst hattest und die Schmerzen kaum ertragen hast und Du hast Dich vielleicht auch nicht ernst genommen gefühlt von den Hebammen und Ärzten, als sie Dich wieder nach Hause geschickt haben (Hierzu muss ich kurz bemerken, dass viele Erstgebärende mit Wehen ins Krankenhaus kommen und wieder nach Hause geschickt werden, weil sich der Muttermund noch nicht öffnet, leider kann sich diese Phase, bevor die Geburt "richtig" beginnt über viele viele Stunden, sogar Tage hinziehen und in Krankenhäusern herrscht oft Personalmangel und auch Platzmangel, so dass man Frauen in dieser so genannten Latenzphase wieder nach Hause schickt...)
Die Regelschmerzen erinnern Dich jetzt wieder an diese Wehenschmerzen und da Du das scheinbar als sehr traumatisch empfunden hast (dieses alleine gelassen werden mit Deinen Schmerzen), kann ich gut verstehen, dass dies alles wieder hochkommt!
Hol Dir Hilfe! Verlange ein Nachgesprächt, kontaktiere eine Hebamme und sprich mit ihr darüber!
Wohnst Du in Deutschland? oder in der Schweiz? In der Schweiz gibt es einige Hebammen, die Kraniosacral-Therapie anbieten. Dies hilft ebenfalls oft bei Geburtstraumen!
Ich schicke Dir noch einen Link, der Dir vielleicht auch weiterhilft:
www.emotionelle-erste-hilfe.ch

Ich hoffe, ich konnte dir damit etwas helfen! Kopf hoch, Du bekommst diese Ängste schon wieder in den Griff, aber nimm Dir Hilfe!

Alles Gute

Ein weiterer Link
Liebe Ina,
Ich habe noch einen weiteren link für Dich gefunden:
http://www.geburtsverarbeitung.ch/
Diese Seite ist von der Schweiz, aber es hat auch Kontaktadressen von Hebammen aus Deutschland und Österreich dabei!
Liebe Grüsse

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13. April 2010 um 12:10
In Antwort auf ngozi_12758342

Ein weiterer Link
Liebe Ina,
Ich habe noch einen weiteren link für Dich gefunden:
http://www.geburtsverarbeitung.ch/
Diese Seite ist von der Schweiz, aber es hat auch Kontaktadressen von Hebammen aus Deutschland und Österreich dabei!
Liebe Grüsse

Nachgespräch?
Hallo,

danke für deine Worte.

Ein Nachgespräch hat es nie gegeben. Mein eigener FA war beim Kaiserschnitt im Urlaub und der ausführende Frauenarzt war... sagen wir gewöhnungsbedürftig. Die Hebamme war zwar ganz nett aber es war mehr ein "Hallo, wie gehts, hier sind die Werbegeschenke...tschüß"

Das Ganze war irgendwie sowieso seltsam. Meine Kaiserschnittnarbe wurde nie angeschaut... mit dem Ergebniss, dass ich einen Tag nach der Entlassung mitten in der Nacht in der Notaufnahme gelandet bin, weil mir Wundsektret und Blut aus der Wunde lief. Es hatte sich ein innerlicher Bluterguss gebildet und keiner hat es bemerkt.

Die Hebamme war nach der Entlassung ganze 4x bei uns und dann nie mehr... für ein Nachgespräch soll ich zu nem Psychologen.

Ich fühl mich im Nachhinein einfach irgendwie überrannt und meine Erinnerungen an die Wehen & Sektio ect. sind irgendwie so konfus und ängstigend...

Vielleicht bin aber auch einfach zu empfindlich, denn hier hab ich noch nirgends was davon gelesen, dass Frauen jetzt noch in der Form damit zu kämpfen haben.

Gruß Ina

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15. April 2010 um 12:40

Liebe Ina,
es ist schon konfus, dass man jetzt - wo alles "vorbei" ist - nicht sich und das Kind geniessen kann.

Ich hatte eine "normale" Geburt die jedoch für mich ebenso traumatisch war. Einzelheiten erspare ich dir.

Was wichtig ist: du hast eine Menge geleistet - sehr viel mehr als Frauen die ihre Kinder "normal" gebähren. Mann hört von Frauen die ihre Kinder in wenigen Stunden bekommen. Du bist NICHT schuld.

Jetzt nehme ich dich in den Arm und drück dich ganz fest

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21. Mai 2010 um 20:18


Ich hatte fast genauso ein erlebnis wie du und zwar hatte ich 2 Tage lang ununterbrochen eröffnungswehen ohne das sich mein Muttermund öffnete als die Ärzte dann zu mir sagten das ich noch einmal nachhause soll hab ich denen gefragt was ich den zuhause soll da ich ja definitiv wehen habe
und als sie mich doch dann tatsächlich nachhause schicken wollten obwohl meinen wehen stärker wurden ist mir die Hutschnur geplatzt habe die Ärzte angebrüllt das sie jetz nen Kaiserschnitt machen soll sonst platzt mir hier der ARSC... (im nachhinein is mir das peinlich ) aber es hat wirkung gezeigt nichtmal 10 min später lag ich auf dem op Tisch.
Und das ende vom Lied war das die Ärzte mir danach sagten das es gut war das ich darauf bestanden hab ,da mein Fruchtwasser schon grün war und die Nabelschnur um den Hals meiner Tochter lag

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