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Kann man das Kind lieben und gleichzeitig nicht ausstehen?

20. Oktober 2009 um 11:48

Hallo alle zusammen,

Es fällt mir unsagbar schwer, hier meine Sorgen zu schildern und eventuell um Ratschläge zu bitten, aber mir fällt keine andere Möglichkeit ein.


Meinen Sohn, der in einem Monat 1 Jahr alt wird, liebe ich wirklich sehr, wir haben viele, schöne Momente, jetzt zum Beispiel fängt er an zu plappern und übt das Papa, und er läuft schon wie ein Weltmeister und wir können manchmal viel Lachen, wenn wir herumalbern... und dann gibt es Momente, wo ich ihn am liebsten Weg wünschte, oder am liebsten Abgeben wollen würde oder sonst was, einfach weil ich ihn nicht mehr ertragen kann.

Unser Tag läuft so ab:
Er wacht morgens zwischen 4.30 und 5.30 Uhr auf, quiekt kurz, so aller: "Mama ich bin wach!" und dann stehe ich auch schon geschwind auf, da ich weiß, dass er beim nächsten mal, nicht mal eine halbe Minute später anfangen wird zu schreien. Und so ist das meistens. Erst muss ich mich aufsetzen, klar im Kopf werden und dann richtig realisieren: Oh, er ist wach.

Und das ist dann schon zu spät, denn kaum schlage ich die Decke weg, schreit er schon los, als wenn er schon eine viertel Stunde ignoriert wurde, sodass er sich reinschreien müsste.

Also flitze ich geschwind hin und er beruhigt sich flott. Ich wickel ihn, ziehe ihn an und nehme ihn mit zu mir ins Wohnzimmer. Meine WOhnung ist eine, wo Küche und Wohnzimmer ein Raum sind, nur mit einer Trennwand. Und dann setze ich ihn auf mein Bett und beginne, sein Frühstück zu machen. Da geht es aber schon wieder los, denn sofort schreit er wieder los, und zwar so extrem, dass sich mein Magen zusammenkrampft und ich schon die Faust ballen muss, einfach weil es wieder losgeht und mich das ... jah, fast schon wütend macht.

Ich bin alleinerziehende Mutter und habe somit niemanden, der ihn in der Zeit beruhigen oder beschäftigen könnte und somit lasse ich ihn einfach sitzen, schreien .. und mache sein Frühstück. Dann komme ich zurück, setze ihn in sein Hochstuhl und beginne, ihn zu füttern.

Dort aber bleibt er nicht ruhig sitzen, Nein. Er steht auf, dreht sich, spielt mit dem Brett, greift sich, nachdem ich ihm einen Löffel in den Mund schieben konnte, in den Mund, spuckt alles aus und lässt mich schon frustriert aufstöhnen, einfach weil es jedes mal so ist. Endlich ist der Brei aufgegessen und ich setze ihn auf den Boden - die Morgentoilette ruft zb. Und dann geht es los: Ich gehe vor, lasse die Tür aber offen wegen ihm, er läuft mir hinterher, zieht sich irgendwo hin und spielt damit. So, fertig, ich gehe raus und er wirft sich auf den Boden und schreit wie am Spieß. Und das ist immer so. Ich kann das Kind nirgends mehr alleine lassen, immer muss ich ihn mitnehmen.

Der Vormittag kann dann ganz ruhig verlaufen, dann krabbelt er aber auf mein Bett manchmal, spielt mit meinem Wecker, guckt aus dem Fenster und fängt einfach so an zu schreien. Ich kann genau neben ihm sitzen und er schreit. Und das macht mich wahnsinnig. Wenn er müde wird, reibt er sich die Augen und gähnt zb. Und dann lege ich ihn zur MIttagszeit ins Bett, er legt sich hin, lutscht am Daumen und ich gehe raus. Ruhe, denke ich mir, doch nix da. Er setzt sich auf und bekommt einen Schreikrampf. Hält die Luft an, die Stimme überschlägt sich. Dann hole ich ihn raus, setze ihn auf das Bett und sage: Gut, dann beschäftige dich alleine, ich beschäftige dich nicht, wenn du so schlechte Laune hast.

Eine halbe Stunde geht das gut, dann geht es weiter...
Wenn ich ihn dann, nach einer Stunde schreien und Brüllen und halbe Verzweiflung ins Bett gelegt habe und er endlich seine stunde schläft, räume ich auf und lege mich auch hin für die Zeit. Kraft tanken.

Und dann geht das Theather wieder los, bis abends etwa 19 Uhr, dann gibt es ein erkämpftes Abendessen und dann endlich kann er ins Bett, ehe er mich morgens zwischen 4.30 und 5.30 wieder aus dem bett wirft.


Mein Problem ist, nach diesem unheimlich langen Text, dass ich das Gefühl habe, dass ich das Kind hasse, dass ich es eigentlich nicht liebe, dass ich mir das nur einbilde. Ich weiß echt nicht mehr weiter, denn immer wenn ich ihn anschaue, verkrampfe ich mich und ich kann ihn nicht ertragen, ihn angucken geht nicht und berührungen gehen dann erst Recht nicht.

Ob mein Sohn was dafür kann? Ich weiß es nicht. Ich glaube fast schon, dass er es mit Absicht macht, denn wenn er mal alle 2-3 Wochen ein Wochenende bei Oma, Opa und Papa ist, dann ist er lieb, schläft 12 Stunden, schreit nie, ist ein Musterkind. Und dann ist er bei mir so ein Biest, dabei ... gebe ich mir doch alle Mühe.


Ich bin seit Januar von seinem Vater wegen Betrügen getrennt und wohnte dann 4 monate bei meinen Eltern, ehe ich auszog und mit dem vater kann ich inzwischen wieder gut, und dennoch frage ich mich, was ich falsch mache.

Wenn ich das Kind anmecker, gar sogar anschreie, dann denke ich: Er hat es verdient. Und sobald ich langsam wieder runterfahre und ruhig werde, tut es mir unendlich Leid. Aber ich kann langsam nicht mehr, jeden Abend liege ich im bett und weine, einfach weil mir die Kraft fehlt ...


Nun .. genug geschrieben... vielleicht weiß ja jemand etwas, was er mir raten könnte oder so.


Liebe Grüße dann
Zaubermaus

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20. Oktober 2009 um 18:44

...
Hallo, bin auch Alleinerzieherin und das ist echt manchmal schwierig - insbesondere wenn Kinder noch klein sind und viel Aufmerksamkeit fordern da sie selbst noch nicht so viel tun können. Meine Zwillinge (2 1/2) sind erst seit ca. einem halben Jahr ruhiger geworden.Davor war es manchmal die Hölle. Was mir immer geholfen hat wenn ich dachte ich dreh gleich durch war, ich hab die beiden geschnappt und bin mit dem Kinderwagen stundenlang durch die Gegend gefahren. Zwar war ich danach körperlich erschöpft aber um einiges entspannter was mein Gemüt betraf. Den Kindern hat viel frische Luft auch gut getan und sie haben viel mehr geschlafen als zuvor. Man sollte denken Zwillinge machen viel gemeinsam - ist aber nicht so. Sie streiten viel mehr als sonst irgendwas. Zu meiner Schande muß ich gestehen daß ich von Anfang an für meinen Sohn mehr Gefühle empfunden habe aber ich habe mich immer bemüht beide gleich zu behandeln. Jedes Kind hat von klein auf einen eigenen Charakter und es ist nur natürlich daß man mit einem gewissen Charakter besser umgehen kann als mit einem anderen. Außerdem besteht ja auch die Gefahr daß man das Kind mit seinem Vater vergleicht und wenn der nicht gerade gut zu einem war bekommt man leider manchmal keine sehr angenehmen gedanken - aber da muß man sich zur Ordnung rufen und sagen daß das Kind ja nichts für seinen Vater kann. Mittlerweile liebe ich sie alle beide sehr und weiß nicht mehr wen ich von den beiden lieber habe. Und das ist auch gut so. Ich selbst fühle mich wie ein neuer Mensch seit ich mit den Bachblüten begonnen habe und da die Kinder nun in den Kindergarten gehen kann ich endlich wieder alleine unter Menschen. Ich bin zwar innerhalb dieser Zeit "nur" einen Kurs besuchen aber ich fühle mich als ob ich im Paradiese wär. Es wäre gut wenn Du Deine Eltern bitten könntest mal auf ihn aufzupassen damit Du ein bißchen für Dich alleine sein kannst (ich hatte selbst zwar nicht die Möglichkeit aber man darf sich selbst nicht vergessen). Dann bist Du viel entspannter und freust Dich richtig auf ihn - und das wird er spüren. Außerdem wäre es gut wenn der Kindesvater auch mal nach dem Kleinen schauen könnte - vermutlich vermißt ihn Dein Sohn. Ich wünsche Dir von Herzen alles Liebe und bin davon überzeugt daß Du eine Lösung finden wirst die für Euch beide gut ist. Grüße, mara

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