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Kann man wirklich alles mit ner schlechten Kindheit entschuldigen?

9. Juli 2013 um 10:14

Hallo Mädels!

Auch wenn ich mit der Überschrift vielleicht einigen Unmut auf mich ziehe: Mir juckt diese Frage in den Fingern...und das nicht nur, weil es mir hier ab und an aufgefallen ist, sondern eher, weil es mir auch häufig im Bekanntenkreis auffällt.

Dabei meinen ich jetzt nicht unbedingt bestimmte Charakterzüge wie z.B. introvertiert sein, wenig Selbstbewusstsein oder sowas. Sondern ganz klares Fehlverhalten. Ich höre z.B. ganz oft den Satz "Kein Wunder, das der/die auf die schiefe Bahn gerät bei der Kindheit!" Manchmal habe ich das Gefühl, das wird für alles als Ausrede benutzt. Ich kenne z.B. einen jungen Mann, 23 Jahre alt, der nimmt Drogen, klaut, sass deswegen schon im Arrest, randaliert regelmäßig, etc. Da wird es auch immer und immer wieder mit der schwierigen Kindheit entschuldigt.
Aber sind wir nicht alle auch ein Stück weit für uns selbst verantwortlich, zumindest ab einem gewissen Alter (gut, Alter hat nicht unbedingt etwas mit Reife zu tun.). Immer häufiger fällts mir auf, das wenn mal über irgendein Fehlverhalten diskutiert wird, irgendwann ausgepackt wird "Ich bin nunmal so, das ist schon seit meiner scheiß Kindheit so, trag du erstmal das Päckchen was ich zu tragen hatte, etc." Ich will das damit keines Falls abwerten, bitte versteht das nicht falsch! Mir tut es auch leid für die Menschen, die in ihrer Kindheit schlechte Erfahrungen machen mussten. Aber ich bin auch der Meinung, man darf das nicht als Entschuldigung für alles was im eigenen Leben sonst so schief läuft (mal abgesehen von der Kindheit) nehmen.

Ich hatte selbst immer schon massive Probleme mit meiner Mutter und auch wenn es ganz sicher noch viel schlimmer geht, denke ich, kann ich sagen, das meine Kindheit durch sie nicht einfach war. Trotzdem weiss ich, das ich für die Fehler die ich begangen habe selbst verantwortlich war und nicht sagen kann "Meine Mutter ist schuld!"

Ich hoffe, ich werde nicht missverstanden. Denn böse meine ich das wirklich nicht. Aber ich wollte es loswerden und irgendwie finde ich es schwer, die richtigen Worte zu finden ohne das es irgendwie blöd klingt.

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9. Juli 2013 um 10:47

Ich finde es anmaßend
Es ist doch nicht "nur" die schlechte Kindheit an sich! Daraus können sich psychische Krankheiten entwickeln , wie zb bei mir, eine borderlinepersönlichkeitsstöru ng.
Wenn man von Geburt an von der alkoholkranken mutter misshandelt und vernachlässigt wird, und die dann irgendwann daran stirbt, dann ist das sicher keine ausrede.
Sorry wenn das jetzt so angepi...rüberkommt, aber es macht mich so sauer, denn ich war jahrelang damit konfrontiert mich ja nur darauf auszuruhen. Erst durch meinen Sohn bekam ich mein Leben in den Griff, da es vorher nichts für mic. gab wofür es sich zu leben lohnte, und das trotz mehrerern Therapien.
Heute habe ich alles besser im Griff, habe alles verarbeitet, aber die Krankheit bleibt, auch wenn sie besser auszuhalten ist.
Ich würde mir sehr wünschen das die Menschen mehr Verständnis hätten, nicht im Sinne von "die arme", denn mitleid braucht man ja nicht, einfach nur mehr Akzeptanz.
Denn selbst nach meinem suizidversuch vor vielen Jahren (ich lag danach aufgrund der Tablettenmenge im Koma) haben nur wenige verstanden das es wohl doch alles nicht so einfach ist.
Liebe Grüsse und wie gesagt, reagiere da leider etwas empfindlich.

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9. Juli 2013 um 12:04

Ich...
... finde, eine "schlechte Kindheit" ist eine Begründung, aber keine Entschuldigung!!
Ich hab jahrelang mit Suchtkranken gearbeitet und dabei viele Familiengeschichten kennengelernt. Ich hatte immer wieder wechselnde Patienten und es waren nur ganz ganz wenige dabei, die von sich sagen konnten, in ihrer Kindheit auch nur einigermassen glücklich/zufrieden gewesen zu sein - das find ich schon auffällig.
Ich glaube, dass vielen einfach in der Kindheit zu wenig "Handwerkszeug" mitgegeben wurde, um später als Erwachsener (oder Jugendlicher) zurecht zu kommen. ABER: Es gibt bei uns genügend Möglichkeiten sich Unterstützung zu holen, Hilfe zu bekommen und das "Versäumte" zumindest ein Stück weit nachzuholen.
Das würde ich von jedem verlangen - sich helfen zu lassen, nachzudenken, Veränderungen anzustreben.
Schlechte Kindheit oder nicht.

Tiri

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9. Juli 2013 um 16:16

Nein ganz sicher nicht!!
das sprichwort "jeder ist seines eigenen glückes schmied" fällt mir dazu ein!

ich kenne einen, der hatte eine wirklich, wirklich schwere kindheit. die mutter hat gesoffen, ist dann daran gestorben als er 12 war. der vater hat daraufhin auch angefangen zu saufen, er kam zur oma, die wohl auch nicht viel besser war (hat ihn verprügelt usw.). also eine total verkorkste kindheit!

heute hat dieser mann einen anständigen, sehr gut bezahlten beruf (beamter), hat ein schönes haus gebaut und hat eine nette frau. er hat abitur gemacht und hat studiert.

auf der anderen seite kenne ich aber auch einen, der hatte von klein auf eine ganz behütete kindheit und der ist heute obdachlos und drogensüchtig (ich habe auch mal gehört das er wohl AIDS hat).

ab einem bestimmten alter hat man es durchaus selbst in der hand was man aus seinem leben macht. auch wenns vielleicht etwas länger dauert bis man ein "normales" leben hat, aber man kann es durchaus schaffen, auch wenn man unter schwierigen umständen gross geworden ist.



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9. Juli 2013 um 18:00

Entschulldigen nicht,
aber begründen. und wenn man die Gründe für etwas kennt, kann man damit arbeiten.

Das Schwierige ist, dass meist nur an der Oberfläche gekratzt wird, bei der Frage, "Warumm tut er/sie das, was ist schief gelaufen?"

Es ist immer leicht zu sagen, man solle sich doch einfach entscheiden anders zu sein.
Diie Kindheit prägt alle unsere Denkmuster, in Stressituationen, wenn wenig Zeit für rationales Denken und Abwägen bleibt, handeln wir automatisch so, wie wir es in einer ähnlichen Situation schon einmal erlebt haben.
Dieses Muster zu durchbrechen bedarf einiger Selbstdisziplin und einer ruhigen, verständnisvollen Umgebung.

Gerade junge Menschen, bzw Jugendliche haben schon allein durch ihr Alter mit einigen Problemen zu kämpfen.
Sie befinden sich quasi unter dauerhaftem Stress.
Wächst ein Jugendlicher unter "geordneten" Bedinungen auf, hat eine sichere Basis, in Form einer Familie, oder auch sehr guten Freunden, hat erlebt, wie man vernünftig mit Stress und starken gefühlen umgeht, durch seine Eltern, Verwandten, dann kommt er wahrscheinlich ohne große Beeinträchtigungen durch diese anstrengende Zeit.
Wenn aber nun ein Kind oft Gewalt erlebt hat, keinen Halt in der Welt hat (niemanden, für den es sich lohnt), es vielleicht sogar miterlebte, wie der Vater/die Mutter Kummer und Stress im Rausch erstickten, dann ist es ziemlich wahrscheinlich, dass es sobald "alles" zu viel wird, auf "die schiefe Bahn" gerät.
Da beginnt das Dilemma ja erst, denn aus genau den oben genannten Gründne ist es für solche Kinder noch einmal viel, viel schwerer wieder aus diesem Sumpf wieder herauszukommen.

Drogenkonsum - Sucht - Diebstahl - Verwahrlosung - Gewalt

Das ist ein typisches Muster.
Um es zu durchbrechen braucht es Selbstdisziplin, Hilfe, Sebstbewusstsein, starken Willen, Sicherheit.

Hat das alles ein Kind mit einer "sehr schweren Kindheit"?
Eher unwahrscheinlich.
Das macht gewisse taten, wie Gewaltätigkeit und Diebstahl zwar nicht besser, es entschuldigt sie nicht, aber es macht das Ganze nachvollziehbar.

Einfach nur mit "Zusammenreißen" und "für einen besseren Weg entscheiden" ist es eben leider oft nicht getan.

Ich betne am Ende jetzt noch einmal, dass ich hier nicht davon rede, dass JEDER so werden MUSS, der eine schwere Kindheit hatte, genausowenig, wie jeder mit mustergültigem Familienhintergrund unbedingt davor gefeit ist.
Auch der Charakter und die anderen äußeren Umstände spielen eine bedeutende Rolle.

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9. Juli 2013 um 21:05

Recht hast du!
Klar ist ein gutes Fundament, also eine gute Kindheit, die halbe Miete. Aber für die andere Hälfte ist man selbst veranwortlich!

Entweder man will sein Leben auf die Reihe bekommen und reißt sich auch mal am riemen, oder man jammert eben sein ganzes Leben und sucht ausreden... ich denk das hängt ganz stark vom Charakter ab!

Man kann vielleicht manches, von dem man weiß das es schief läuft, mit dem schlechten Vorbild der Eltern begründen, aber es liegt dann an einem selbst ob man sich auf dem Grund ausruht oder "Fehler erkannt, Fehler behoben" praktiziert...

Naja... es wird halt immer solche und solche geben...

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9. Juli 2013 um 21:33

Ich
finde man ist jederzeit selber für sein Leben verantwortlich. Die einen machen eben das Beste daraus und die anderen eben nicht. Manche haben mehr Glück und andere eben nicht. Aber was ich aus meinem Leben mache und wie ich mit den Problemen umgehe die ich von meinen Eltern mitbekam liegt ganz alleine an mir.

Einfach ist das sicher oftmals nicht, aber es gibt immer einen Weg und Hilfen.

LG

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