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KITA-Streik

14. Juni 2009 um 22:40

Hallo,

ich wollte mal nach Euren Erfahrungen mit dem KITA-Streik fragen.
Wird in Eurer KITA gestreikt ? Wird die KITA an allen Streik-Tagen ganztägig geschlossen oder gibt es z.B. einen Kompromiss, dass an manchen Streiktagen zumindest den halben Tag geöffnet bleibt ? Oder dass nicht an jedem Streiktag geschlossen ist ? Oder dass es eine Notbetreuung gibt, bei der z.B. eine geringere Zahl an Erzieherinnen anwesend ist ? Seid Ihr von KITA-Leitung und / oder Erzieherinnen informiert worden, was das eigentliche Anliegen des Streiks ist ? Zeigen KITA-Leitung und / oder Erzieherinnen Verständnis für Kinder und Eltern, die durch den Streik Unannehmlichkeiten haben ?

Ich bin zwischenzeitlich sehr verärgert und meine Solidarität und mein Verständnis schwinden mit jedem Streiktag mehr....
Um Missverständnissen vorzubeugen: natürlich denke auch ich, dass Erzieherinnen einen anstrengenden Beruf haben, der viel Nervenkraft kostet und dass immer mehr Anforderungen an das Berufsbild gestellt wird. Und dass der Beruf als solches sicherlich mehr Ansehen verdient, als er hat.

Als es zu Beginn des Streiks um den geforderten Gesundheitsschutz ging, hatte ich noch Verständnis, zumindest nach der Forderung nach einem Pausenraum, in dem die Erzieherinnen wirklich in Ruhe(!!) die Gelegenheit gegeben wird, Pause zu machen. Bzgl. Gesundheitsschäden bedingt durch niedrige Stühle dachte und denke ich an Krankenschwestern, Krankenpfleger und Altenpfleger(innen), Landschaftsgärtner und Maurer und andere Berufsgruppen, die schwere körperliche Arbeit verrichten müssen, die sich ebenso gesundheitsschädlich auf den Körper auswirkt.
Nun geht es jedoch offensichtlich mehr um die Forderung nach besserer und höherer Bezahlung als um den anfänglichen Streitpunkt des Gesundheitsschutzes. Jedoch besteht bis Ende 2009 (oder 2010 ?) Friedenspflicht bzgl. Gehaltsforderungen.
Dies ist zumindest den Berichten in der Presse zu entnehmen.

In unserer KITA wurde zwischenzeitlich an 6 Tagen komplett gestreikt - Mo., Di. und Mi. wird erneut gestreikt.
Es gibt keine Notfallbetreuung mit Erzieherinnen, lediglich eine Notfallbetreuung mit Eltern, die die Kinder stundenweise beaufsichtigen. Rechtliche Dinge hierzu, wie z.B. die Haftungsfrage (wer haftet für mein Kind, wenn ihm was passiert ? oder: in wie weit und in welchem Umfang hafte ich für Kinder, denen etwas passiert, während ich die Aufsicht habe ?) sind ungeklärt und können auch auf Nachfrage nicht beantwortet werden.
Wir wurden zu keinem Zeitpunkt seitens der KITA informiert, WESHALB und FÜR WAS eigentlich gestreikt wird. Gerade bezüglich der ursprünglichen Forderung nach Gesundheitsschutz und der Erweiterung bzw. Veränderung nach Forderung von mehr Gehalt. Oder WAS verändert werden soll (im Bezug Gesundheitsschutz) - Verständnis setzt meines Erachtens ein Verstehen der Sachlage voraus.
Auf Nachfragen, wann die nächsten Streiktage sind, damit wir uns als Eltern entsprechend vorbereiten können und eine Alternativbetreuung für die Kinder organisieren können, bekamen wir lediglich Schulterzucken zur Antwort.
Zwischenzeitlich haben einige Eltern Probleme mit ihren Arbeitgebern, da ungeplant und kurzfristig Urlaub oder Tauschtage genommen werden mussten. Bei einigen ist sogar der Arbeitsplatz in Gefahr.
Hinweise darauf werden seitens der Erzieherinnen im wahrsten Sinne des Wortes belächelt (ich hatte einer Erzieherin mitgeteilt, dass wir Eltern bald dafür streiken müssen, unseren Job behalten zu können. Worauf hin sie mich schulterzuckend anlächelte.)

Mein Sohn ist zwischenzeitlich ziemlich "durch den Wind", weil der normale Tagesablauf seit Anfang Mai gestört ist. Mal wird er zu Oma & Opa gebracht (Gott sei Dank haben wir diese Möglichkeit und sind daher schon privilegiert), mal ist Mama zu Hause, mal ist Papa zu Hause, mal ist Mama zu Hause und es kommen noch andere Kinder aus dem Kindergarten. Ab und an ist dann auch der Kindergarten wieder auf. Einen normalen und verlässlichen Rhythmus gibt es seit bald 7 Wochen nicht mehr. Er leidet darunter, ist schlecht gelaunt oder sehr traurig. Mir tut der kleine Mann sehr leid, vor allen Dingen, weil ich viel Zeit damit verbringe, eine Betreuung für ihn zu organisieren. Nebenbei arbeite ich und solch alltägliche Dinge wie Haushalt, Einkauf & Co. wollen auch erledigt sein.
Dadurch, dass ich Anfang Mai nach der Elternzeit wieder zu arbeiten begonnen habe, kann ich auch nicht ohne weiteres gleich wochenweise Urlaub nehmen.
Naja, kurzum;: zwischenzeitlich bin ich ziemlich verärgert, vor allen Dingen, weil ich das Gefühl habe, dass seitens der KITA den Kindern und Eltern gegenüber Gleichgültigkeit derer Probleme besteht und keinerlei Kompromissbereitschaft, diese minimieren zu wollen.

Ich wollte einfach mal wissen, wie Eure Meinung hierzu ist, bzw. welche Erfahrungen Ihr gemacht habt.

Vielen Dank.

Liebe Grüße,

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15. Juni 2009 um 0:33

...
Ich bin völlig deiner Meinung, dass soziale Berufe in Deutschland nicht das Ansehen und den Respekt haben und erhalten, die sie verdienen. Und ich bin ebenso der Meinung, dass dies ein Missstand ist, den es abzubauen gilt.
Dies gilt sowohl für Erzieher(innen) also auch für Krankenschwestern, Krankenpfleger und Altenpfleger(innen), wobei letztere sogar noch im 3-Schicht-Betrieb arbeiten müssen.
Und es ist auch unbestritten, dass für diese Arbeiten ein angemessenes Gehalt gezahlt werden soll.

Wenn ich allerdings in der Presse lese, dass eine Erzieherin in Teil(!)zeit monatlich "nur" 1000 EUR netto (!!) zur Verfügung hat, dann denke ich mir, dass dieser Netto-Verdienst eigentlich nicht zu bejammern ist. Ich arbeite ebenfalls in Teilzeit und verdiene nicht mehr.

Es ist leider Tatsache, dass die Anforderungen an Arbeitnehmer in diesen Zeiten allgemein immer höher werden, und die Bezahlung nicht in dem Maße ansteigt wie die gestellten Forderungen und Belastungen.
An meiner Arbeitsstelle wurde das Personal um 20% reduziert, die vorhandene Arbeit (die natürlich nicht weniger wurde) muss nun vom minimierten Personal erledigt werden - in der halben Zeit. Vorgabe des Unternehmens. Zuviel Streß ? Zu hohe Belastung ? >>> "es zwingt sie keiner hier zu arbeiten ...."
Mein Mann arbeitet bis zu 8 Stunden täglich in einem Raum ohne Tageslicht, unter einem sehr hohen Geräuschpegel, in stark klimatisierter Umgebung und sehr beengt (IT-Branche. Serverraum). Arbeitsrechtlich unzulässig. Interessiert aber keinen. VorgegebeneTermine sind zeitlich schlichtweg nicht erfüllbar (vergleichbar mit der Vorgabe "lege die Strecke Hamburg-München innerhalb 3 Stunden mit dem Auto zurück") >>> "es zwingt sie niemand, hier zu arbeiten ..."
Ich möchte damit nur verdeutlichen, dass dies leider, leider zur Normalität geworden ist. Burn-Out-Kandidaten kann man zwischenzeitlich zuhauf finden, nur in der freien Wirtschaft trauen sich die wenigsten, sich krank zu melden, weil dies schon der erste Schritt zum Jobverlust sein kann.

Was mich wirklich sehr verärgert, ist, dass von den Eltern Verständnis und Solidarität verlangt wird - das eine wie das andere ist vorhanden, natürlich auch bei mir.
Allerdings denke ich, dass ich als Elternteil dann umgekehrt auch erwarten kann und darf, dass die Solidarität auch umgekehrt Bestand hat. Dass die Tatsache, wenn jemand sagt "es geht mittlerweile darum, dass ich meinen Job verlieren kann" nicht nur schnöde belächelt wird. Dass die Bitte, Infos zu bekommen, wie die rechtliche Seite einer Notbetreuung durch Eltern in den Räumlichkeiten der KITA geregelt ist nicht abgeschmettert wird mit "das wissen wir auch nicht!".
Als ich meinen Sohn am 08.06. von der KITA abgeholt und nachgefragt habe, ob es neue Infos bzgl. Streik für die Woche vom 15.06. an gebe, da die KITA den Rest der Woche geschlossen sei (zur Info: 09. und 10.06. Streik, 11.06. Feiertag, 12.06. Brückentag, KITA zu), bekam ich ein -in meinen Ohren- wehleidiges "wissen wir nicht" zur Antwort. Ich hatte dann nachgefragt, ob denn, im Falle eines Streiks am Mo.,15.06. zumindest am Wochenende zuvor eine Info an die Tür angebracht werden könne: Schulterzucken.
Allgemein scheint mir die Stimmung eher tröge zu sein. Ich würde mir etwas mehr Biss wünschen, nicht nur, um für die eigenen Forderungen zu kämpfen, sondern eben auch, um den Arbeitskampf für diejenigen, auf deren Schultern er stattfindet (und das sind nun mal Eltern und Kinder), erträglich zu machen. Und da wäre für mich ein "Ich weiß es nicht, aber ich setze mich dafür ein, dass, sobald wir Infos bekommen, Zettel an die Tür gehängt werden, damit Sie informiert sind" einfach viel besser gewesen. Hätte mir zumindest das Gefühl gegeben, dass auch ICH ernst genommen werde.

Es sollte ein Hand-in-Hand sein, eben nicht nur Verständnis zu fordern, sondern eben auch Verständnis aufzubringen für die Situation der Eltern.

Ganz ehrlich: ich habe nicht die Zeit dazu, mich an die Arbeitgeber der Erzieherinnen zu wenden. Ich bin momentan nur damit beschäftigt die Betreuung für mein Kind zu organisieren, mein Kind zu der Betreuung zu bringen (Oma & Opa wohnen leider nicht im Nebenhaus), zu arbeiten und möglichst ein Zeitpolster aufzubauen, um für weitere Streiktage die Möglichkeit zu haben einen Tag frei zu nehmen, meine Arbeit qualifiziert und gut zu machen, um kurzfristigen Urlaub und Tauschtage, die durch den Streik anfallen, evt. auszugleichen (die machen sich nämlich nicht unbedingt beim AG und werden, wie sicher so ziemlich alles, festgehalten und notiert). Dann das Kind wieder abzuholen, Zeit mit meinem Kind zu verbringen, um zumindest ein klein wenig "Normalität" und "Ritual" einzubringen, damit der kleine Mann sich nicht zu sehr hin- und hergeschoben fühlt. Und dann habe ich noch den Haushalt und den Einkauf zu erledigen.
Damit ist mein Tag eigentlich ausgefüllt.

Ich wäre sogar bereit dazu, Plakate zu schwingen und in die Trillerpfeife zu pusten, meinem Kind einen Gehörschutz zu kaufen und mit ihm zusammen für die Rechte der Erzieherinnen zu kämpfen - wenn umgekehrt an einem "Streiktag" die KITA offen hätte. DAS wäre für mich Kompromissbereitschaft, DAS wäre für mich gemeinsame Sache. Und in meinen Augen vielleicht auch ergiebiger, weil überzeugter, wenn an 4 Tagen wirklich Erzieherinnen UND Eltern UND Kinder auf die Straße und vor die Türen der AG gingen, als wenn es an 9 Tagen "nur" die Erzieherinnen tun.

Mich stört -und ich kann eben nur für mich und "meine" KITA sprechen-, dass sehr wohl viel verlangt wird, man aber nicht bereit ist zu geben, nicht mal so was wie simple Info.

Vielleicht habe ich auch nur "Pech" und es in anderen KITAs anders, ich weiß es nicht - würde mich jedoch freuen, es zu erfahren.

Liebe Grüße,
Friederike

.

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15. Juni 2009 um 11:38

Unsere streikt nicht
privat kita halt (einzige die schon um 6öffnet und bis 18:30 offen hat. nächstes jahr will ich ausbildung machen, ging also nicht anders). aber solangsam übertreiben sie. klar ein anstrengender job, genauso wie laut. aber eigentlich weis man auf was man sich einlässt. man hat den beruf selber ausgesucht. jeder beruf hat vor und nachteile und ist auf seine art und weise anstrengend, aber einmal die woche streik würde reichen und jedesmal eine andere. wobei ich sagen muss, solangsam versteh ichs auch nicht mehr und kann dir und den anderen nur empfehlen, weniger zu zahlen, die stunden aufschreiben und ausrechnen was sonst die stunde kostet und genau den betrag zahlen. weil ja nichtmal für ersatz gesorgt wird. ich mein wenns nicht so lange gewesen wäre ok, aber langsam reichts.
lg steffi

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15. Juni 2009 um 16:09
In Antwort auf sylwia_12853954

Unsere streikt nicht
privat kita halt (einzige die schon um 6öffnet und bis 18:30 offen hat. nächstes jahr will ich ausbildung machen, ging also nicht anders). aber solangsam übertreiben sie. klar ein anstrengender job, genauso wie laut. aber eigentlich weis man auf was man sich einlässt. man hat den beruf selber ausgesucht. jeder beruf hat vor und nachteile und ist auf seine art und weise anstrengend, aber einmal die woche streik würde reichen und jedesmal eine andere. wobei ich sagen muss, solangsam versteh ichs auch nicht mehr und kann dir und den anderen nur empfehlen, weniger zu zahlen, die stunden aufschreiben und ausrechnen was sonst die stunde kostet und genau den betrag zahlen. weil ja nichtmal für ersatz gesorgt wird. ich mein wenns nicht so lange gewesen wäre ok, aber langsam reichts.
lg steffi

... Glückwunsch ! ...
... so kommst du um das ganze Chaos drum rum

Ich hatte zwei Plätze für meinen Sohn: einen in einer kirchlichen KITA und einen in einer städtischen. Nachdem letztere nur einen Steinwurf von unserem Zuhause weg ist und der Weg zur kirchlichen ziemlich weit und zudem steil bergauf ist, haben wir uns für die städtische KITA entschieden.
Trotz des derzeitigen Durcheinanders würde ich vermutlich nochmal so entscheiden - denn ein täglicher Mammutmarsch ist langfristig gesehen sicherlich anstrengender und nervenaufreibender als ein Streik, der hoffentlich nicht jedes Jahr in dieser Form statt findet

Ein Recht auf Beitragserstattung hat man -so weit ich mich schlau machen konnte- nur dann, wenn mindestens 5 Tage am Stück geschlossen bleibt, andernfalls kann man nur auf die Kulanz der Behörden hoffen.
Es geht also nicht nur darum, dass man sich über Wochen hinweg immer wieder aufs Neue neu organisieren muss, sondern der bezahlte Beitrag ist i.d.R. auch flöten. Wenngleich er sicherlich deutlich günstiger ist als der einer privaten KITA, schmerzt es dennoch.

Vielen Dank für deine Antwort !

Liebe Grüße,
Friederike

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15. Juni 2009 um 16:12

....
... sei froh drum, dass du dich für die "richtige" KITA entschieden hast

Danke für deine Antwort!

Liebe Grüße,
Friederike

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15. Juni 2009 um 16:43

... da gebe ich dir völlig Recht ...
... dass 900 EUR bei einer Vollzeitstelle mit LStKl.3 definitiv ZU WENIG ist.

Wir bekommen seitens unserer KITA allerdings 0,00 Info und daher ist das, was in der Presse mitgeteilt wird, die einzige Info, die wir haben. Und eben aus den Medien habe ich die Info, dass eine Erzieherin in TEILzeit 1000 EUR netto bekäme - was ich nicht als schlechte Bezahlung ansehe.

Zwei Infos, die kaum mehr voneinander abweichen könnten, oder ?

Und eben jene "Verweigerung" persönlich Stellung zu nehmen, um die Eltern DIREKT und aus erster Hand zu informieren, kritisiere ich.
Ich bin absolut der Meinung, dass eine gerechte Bezahlung von Erzieherinnen von Nöten und unabdingbar ist. Nur - um mich von ganzen Herzen und überzeugt solidarisieren zu können, möchte ich schlichtweg wissen und verstehen, was genau bemängelt und bestreikt wird.
Allein die Aussage "ja alles eben" oder "es ist alles schlecht" oder "miese Bezahlung" reicht eben nur bedingt aus.
Ich denke, wenn man streikt, sollte man auch detailliert zusammenfassen können und wollen, was genau die Forderungen sind und nicht mit "Wischiwaschi"-Aussagen eigentlich "nichts" sagen.
Richtig verletztend habe ich empfunden, als ich auf meine Aussage, dass mein Arbeitsplatz langsam gefährdet ist nur ein Lächeln kombiniert mit einem Schulterzucken erhalten habe. Das kam bei mir wie "Tja, Pech eben, mir doch egal!" an - auch wenn es (hoffentlich!) nicht so gemeint war.

Notbesetzung gibt es bei uns gar nicht. Gäbe es diese, wäre es zumindest eine Entlastung, die schon viel brächte.

Liebe Grüße,
Friederike

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