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OT Der Mensch stirbt jeden Tag ein bisschen...

8. Januar 2012 um 18:28 Letzte Antwort: 9. Januar 2012 um 12:55

Ihr Lieben,

ich weiß nicht genau warum mich dieses Thema grad so beschäftigt, aber es ist so.

Der Tod, das Sterben, dieses Ungewisse...

In meiner Ausbildung war ich auf einem "Tod - und Sterbeseminar". Es gab viele interessante Diskussionen, Berichte, Bücher und auch persönliche Dinge, die mich in meiner Sicht auf die Dinge sehr geprägt haben.

Dort fiel auch die Aussage, dass der Mensch ab dem Zeitpunkt seiner Geburt anfängt zu sterben. Sobald wir auf der Welt sind altern wir, also "vergeht" auch unser Organismus. Langsam, aber er vergeht.

Oder beginnt man erst zu sterben, wenn man eine schlimme Krankheit hat? Oder sind es bei einem Herzinfarkt nur wenige Minuten, die man stirbt? Stirbt man erst, wenn die Kräfte versagen? Ist Sterben ausschließlich ein organischer Prozess und gibt es tatsächlich das "Sterben an gebrochenem Herzen"? Kann die Psyche/die Seele/das Ich sterben, aber mein Körper lebt weiter - ich funktioniere also, nur ist mein innerstes schon tot (Demenz?!)... Ich könnte noch 1000 Fragen stellen.

Ich habe ein sehr schönes Gedicht gelesen, in einem meiner Lieblingsbücher, ich muss das mit euch teilen:

"Ich gehe langsam aus der Welt heraus.
In eine Landschaft jenseits aller Ferne,
und was ich war und bin und was ich bleibe,
geht mit mir ohne Ungeduld und Eile
in ein bisher noch nicht betretenes Land.

Ich gehe langsam aus der Zeit heraus.
In eine Zukunft jenseits aller Sterne,
und was ich war und bin und immer bleiben werde,
geht mit mir ohne Ungeduld und Eile,
als wär ich nie gewesen... oder kaum."

Mich interessiert wirklich eure Sicht der Dinge!

LG Prusseliese (Millie)

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9. Januar 2012 um 9:27

Habe erst
jetzt Zeit hier noch mal zu gucken...

Ich bin keinesfalls negativ eingestellt dem Leben gegenüber und ich teile auch die Aussage nicht, dass der Mensch vom Tag der Geburt an stirbt, ich fand diese Sichtweise nur interessant.

2 Menschen aus dem Bekanntenkreis sind Ende letzten und Anfang diesen Jahres gestorben. Vielleicht beschäftigt es mich deswegen grad.

Immer, wenn ich über Tod und Sterben nachdenke muss ich zwangsläufig an meine Oma denken. Es ist eine banale Sache, die mich aber wirklich beschäftigt, schon über Jahre.

Sie kam ins Krankenhaus, weil Verdacht auf einen Herzinfarkt bestand, es ging ihr nach ein paar Tagen zunehmend besser, ich besuchte sie mit meiner Mutter zusammen, hatte es aber eigentlich eilig nach Hause zu kommen und habe sie zum Abschied nicht in den Arm genommen und ihr ein Küsschen gegeben - wie ich es sonst IMMER tat - sondern winkte nur und sagte "Tschüss"
Das war da letzte mal, dass ich sie sah
Ich habe immer das Gefühl mich nicht von ihr verabschiedet zu haben, ihr nicht noch mal gesagt zu haben, dass ich sie lieb hab. Ich wusste nicht, dass ich nie wieder die Chance dazu bekommen würde.

LG


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9. Januar 2012 um 10:00


Die kindliche Seele stirbt ab... entschuldige, aber das interessiert mich jetzt total.

Kannst du mir das vielleicht ein bisschen erläutern, wenn es dir nicht zu privat ist? Gern auch per PN. Ich find sowas schrecklich interessant.

LG Prusseliese alias Millie

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9. Januar 2012 um 10:19

Gänsehaut
das ist ja Wahnsinn...

Hast du irgendwelche Literaturtipps zu dem Thema für mich?

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9. Januar 2012 um 12:55

Ich habe in den letzten...
zwei Jahren mir zwei sehr nahe stehende Menschen beim Sterben begleitet. Ich denke auch nicht, dass man ab dem Zeitpunkt seiner Geburt anfängt zu sterben. Ich sehe es auch eher so, dass man über einen gewissen Zeitraum hinweg reift und sich dieser Prozess dann umkehrt.
Ich bin in der Beziehung allerdings auch eher spirituell eingestellt und glaube dass alles was passiert seinen Sinn hat.
Als meine Oma vor zwei Jahren starb, hatte sie mehrere Schlaganfälle und war bereits auch dement. Bei ihr kann ich sagen, starb sozusagen zuerst der Geist, denn körperlich hat sie sich trotz Schlaganfall wieder hochgerappelt. Der letzte Schlaganfall nahm ihr das Bewusstsein zur Gänze. Trotzdem hat sie noch drei Tage gelebt. Bis sie auf ihrem Sterbebett erfahren hat, dass sie zum ersten Mal Uroma werden würde.
Wo wir an der Stelle beim Spirituellen wären...Ich bin der festen Uberzeugung, dass meine Oma nach dieser Nachricht ihren Frieden mit ihrem Geist und ihrem Körper gefunden hat, denn nicht mal eine Stunde nach meinem Besuch verstarb sie.

Bei meiner Tante war es genau umgekehrt. Sie hatte seit 5!!! Jahren Krebs im Endstadium. Ihr Körper starb aber eher wie ihr Geist. Sie hat bis zum Ende gekämpft und sich nie was anmerken lassen. Hat sogar noch Plane für die Zukunft geschmiedet. Insgesamt hatte sie 25 Jahre lang gegen den Krebs gekämpft.
Sie war zwar am Ende auch nicht mehr ganz bei, das kam aber durch das Morphium. Als wir das letzte Mal mit unserer Tochter zusammen bei ihr waren, hatte sie noch einmal einen lichten Augenblick. Einen Tag später starb sie, wir haben sie alle begleitet.

Was ich damit sagen will : Es gibt sowohl das Eine (der Geist stirbt eher als der Körper ) und das Andere.

Auch Broken-Heart gibt es. Meine Tante starb vor einem halben Jahr und nun liegt ihr Lebensgefährte im Sterben.

Es ist ein sehr komplexes und auch interessantes Thema. Ich habe aus eigener Erfahrung gelernt damit umzugehen, da ich bereits sehr früh liebe Menschen gehen lassen musste. Trocken kann ich das Ganze dennoch nicht betrachten. Jedes Sterben eines Menschen ist individuell und berührt mich auf seine eigene Weise.

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