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Unser "kampf" mit dem stillen

5. März 2014 um 14:40 Letzte Antwort: 5. März 2014 um 23:19

Hallo,

ich wollte einfach mal unsere Erfahrungen mit dem Stillen aufschreiben, in der Hoffnung, dass ich vielleicht jemandem Mut machen kann.

Unsere Tochter kam am 28.10. zur Welt. Trotz termingerechter Geburt war sie mit 2.780 Gramm sehr zart. Für mich war klar, dass ich unbedingt stillen möchte, ich hatte aber irgendwie schon vor der Geburt Angst, dass es nicht klappen könnte. Das Krankenhaus, in dem ich entbunden habe, hat nicht unbedingt den Ruf, stillfreundlich zu sein, aber da ich Schwangerschaftsdiabetis hatte, war es mir wichtig, in einem Krankenhaus mit Kinderklinik zu entbinden.

Im Kreißsaal habe ich sie gleich angelegt, da hat sie aber nicht getrunken. In unserem Zimmer hat dann eine Schwester mir noch mal gezeigt, wie ich sie anlegen soll und sie hat auch gesagt, dass die Kleine trinken würde. Im Nachhinein vermute ich allerdings, dass sie damals nicht richtig getrunken hat.

Da ich ja Schwangerschaftsdiabetis hatte (nicht insulinpflichtig), wurde bei der Kleinen mehrmals der Blutzucker gemessen. Anfangs war der Wert super, aber bei der eigentlich letzten Messung war sie plötzlich so unterzuckert, dass sie Prenahrung bekommen hat. Damit keine Saugverwirrung ensteht, wurde mit der Bechermethode zugefüttert. Danach war der Zuckerwert auch wieder in Ordnung.

Wir haben es im Krankenhaus immer wieder versucht, aber die Kleine hat einfach nicht an der Brust getrunken. Die Schwestern haben sich wirklich Mühe gegeben und waren bei jeder Stillmahlzeit dabei. Es wurde auch extra die Stillberaterin des Krankenhauses zurate gezogen. Zugefüttert wurde entweder mit einer Spritze während des Stillens, oder mit einem Teelöffel, auf den ich die Muttermilch ausgestrichen habe. Ich kann also absolut nicht bestätigen, dass das Krankenhaus nicht stillfreundlich wäre.

Die Stillberaterin hat dann festgestellt, dass die Kleine die Zunge an den Gaumen presst und deshalb nicht saugen kann. Sie empfahl uns dann, es zuhause immer weiter zu probieren und zwar erst einmal mit Stillhütchen. Gleichzeitig sollte ich abpumpen und mit dem Fläschchen die Muttermilch geben. Hierfür wurde uns der Sauger Calma empfohlen, um die Saugverwirrung geringer zu halten.

Außerdem hat sie uns einen Besuch beim Osteopathen empfohlen, bei dem wir leider eine sehr lange Wartezeit hatten.

Es war wirklich eine sehr anstrengende Zeit, in der ich immer zuerst angelegt habe, dann das Fläschchen gegeben habe und danach noch abpumpen musste.

Leider konnte man bei ihr sehr schlecht erkennen, ob sie an der Brust getrunken oder nur genuckelt hat. Ich habe dann den Eindruck gehabt, dass sie teilweise eine komplette Mahlzeit an der Brust getrunken hat und dann die Flasche weg gelassen. Sie hatte keinerlei Anzeichen, dass sie nicht genug getrunken hätte. Die Windeln waren immer gut gefüllt, die Fontanelle war nicht eingesunken und es schien alles in Ordnung. Als sie so sechs Wochen alt war, war sie plötzlich total apathisch und wir konnten sie kaum noch wecken, also sind wir schnell in die Kinderklinik. Dort konnte absolut nichts festgestellt werden, ihr Zustand besserte sich allerdings erst, als ich gar nicht mehr gestillt, sondern nur noch Fläschchen gegeben habe. Durch den Stress wurde die Milch immer weniger und ich musste dann auch noch mit Pre-Nahrung zufüttern. Wir hatten dann den Termin beim Osteopathen. Dort wurden Spannungen im Schädelbasisbereich festgestellt und gelöst. Da sie aber zu dem Zeitpunkt auch aus der Flasche sehr schlecht getrunken hat, habe ich das Stillen aufgegeben und weiter abgepumpt und zugefüttert.

Da ich ja unbedingt stillen wollte, hat mich das wirklich fertig gemacht und ich habe mich wirklich wie eine Versagerin gefühlt. Ich habe mich deshalb per Mail an eine Stillberaterin der La Leche Liga gewandt. Diese hat mir ein paar Tipps gegeben und sie hat mir wirklich Mut gemacht. Also habe ich mir eine Babywaage gekauft und Stillproben gemacht. Ich hatte inzwischen schon fünf Wochen lang nicht mehr gestillt und war daher voller Zweifel, ob es klappen würde. Es hat uns auch wirklich viele Tränen gekostet, sowohl auf Seiten meiner Tochter, als auch bei mir. Auch von Milchstau und blutenden Brustwarzen blieb ich nicht verschont. Wir haben aber durchgehalten und seit ca. drei Wochen stille ich inzwischen voll und zwar ohne Stillhütchen!

Ich bin so froh, dass ich nicht aufgegeben habe und wirklich dankbar für die Unterstützung, die ich sowohl durch das Krankenhaus, als auch durch die Osteopathin und ganz besonders durch die Stillberaterin der La Leche Liga erhalten habe.

Ich kann aber auch wirklich verstehen, wenn man es nicht schafft und diesen Stress einfach nicht schafft. Ich habe mich oft genug gefragt, ob ich das Ganze eigentlich wirklich zu Gunsten meiner Tochter mache, oder nur für mein Ego. Da das Stillen aber aufgrund des Diabetis für die Kleine besonders wichtig ist und sie aufgrund des Heuschnupfens meines Mannes auch noch allergiegefährdet ist, bin ich wirklich glücklich, dass es jetzt klappt.

Ich kann daher jeden, der stillen möchte, ermutigen, es wirklich zu probieren und sich bei Bedarf Hilfe zu holen.

Ich hoffe, dass ich damit ein wenig Mut machen konnte.

Falls sich nach diesem Roman noch jemand mit mir austauschen möchte, würde ich das gerne machen. Vielleicht kann ich ja inzwischen auch ein paar Tipps geben.

Viele liebe Grüße

Tanutir

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5. März 2014 um 15:10

Wow!!!
Du hast meinen aller aller größten Respekt!!! Was du für das Wohl deiner Tochter auf dich genommen hast ist echt. .. Wow! Du kannst echt stolz auf dich sein!

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5. März 2014 um 16:08


Ich danke euch.

@Pilzköpfchen:

Da hast du ja auch einiges durch. Schön, dass es dann noch geklappt hat.

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5. März 2014 um 19:37

Hier haben wir auch gekämpft
hi,
ich wünschte, ich hätte deinen post eher gelesen (oder einen ähnlichen) denn er hätte mir sehr viel mut gemacht.

auch ich wollte unbedingt stillen und hatte große angst, dass es nicht klappen könnte. mein sohn hatte nach der geburt auch gelbsucht. im kreissaal hatte er. ich kurz an der brust genuckelt und dann ward es still. er schlief die ganze zeit. oft habe ich im KH um hilfe beim anlegen gebeten, aber wenn jemand kam, dann erst nach ner halben stunde.

ich habe quasi vom zweiten tag an abgepumpt und anfangs kam auch viel milch. erst gab ich es mit der spritze, doch dann wurden die billi werte meines sohnes immer schlechter und ich wurde ausgeschimpft, warum ich ihm so wenig geben würde. dabei wusste ich es einfach nicht besser. von da an bekam er mumi mit der flasche.
als wir dann zu hause waren bekam ich ihn nicht an die brust. genau wie du habe ich auch immer erst versucht anzulegen, dann pumpen, dann fläschchen geben. das ging so an die substanz.
mit meiner hebamme versuchten wir es mit stillhütchen und es klappte. ich war so glücklich und bekam gleich noch mal einen richtigen milcheinschuss. doch ich hatte dabei große schmerzen und immer das gefühl, dass er kaum trank. die wiegeprobe bestätigte das: nach 45 min gerade mal zehn gramm mehr.

durch den stress (den ich mir auch und vor allem selber machte) wurde auch die milch immer weniger. so nahm ich globuli und bockshornklee.
nach vier wochen half mir eine erfahrene freundin beim anlegen. sie meinte gleich, ich solle das hütchen weglassen. er klappte und ich war megahappy.

später versuchte ich es alleine und da verging mir das lachen schnel. er brüllte die brust nur an und verweigerte fortan auch das stillhütchen. er schrie, ich flennte. trotzdem versucht ich es cor jeder mahlzeit. nach drei tagen dockte er endlich an und was soll ich sagen? seitdem bin ich eine stillmami. klar, momentan kämpfe ich noch mit meinen brustwarzen, denn ich habe die richtige anlegetechnik noch nicht raus. aber auch das klappt irgendwann.

ich bin sehr froh, dass ich durchgehalten habe und wünsche jedem, der stillen möchte, die kraft durchzuhalten!

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5. März 2014 um 19:40

Super
Sei stolz auf Dich

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5. März 2014 um 19:48

Wow!
Meinen Respekt hast du auch und super, dass du so elnen Text hier postests um anderen Mut zu machen. Wir hatten ähnliche Probleme, da die Kleine 4 Wochen zu früh kam und ihr die Kraft zum saugen fehlte.
Ich hab das gleiche gesagt wie du, ich verstehe jeden der das stillen aufgibt, weil die Nerven es nicht aushalten.
Aber Aufgeben ist so gar nicht meins und auch bei uns klappt das Stillen mittlerweile wunderbar und ich bin soooo happy es durchgezogen zu haben. Es ist das wunderbarste auf der Welt

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5. März 2014 um 23:19


wow, toll wie du durchgehalten hast!
Ich habe es leider viel zu schnell aufgegeben...wollte meinen kleinen auch unbedingt stillen und es klappte anfangs auch wunderbar...nach ein paar Tagen meckerte er jedoch ständig an der Brust, wollte immerzu angelegt werden, meine Brust war sehr schlimm entzündet und dann kam auch noch der Soor, der auch die Milchkanälchen befallen hat.
Es fühlte sich an wie viele Nadelstiche in der ganzen Brust. Mein Kleiner hatte auch 3 Wochen später sein Geburtsgewicht nicht zurück und ich fing an, mit Pre zuzufüttern. Plötzlich war er so zufrieden und wurde endlich satt.
Trotzdem wollte ich weiter stillen, aber eine Entzündung jagte die nächste. Meine Brust fing an zu eitern und die Brustwarze schälte sich schon. Sollte es dann mit zig Salben versuchen, nix half. Vor Schmerzen konnte ich ihn nicht mehr anlegen und pumpte deshalb ab, was auch sehr schmerzhaft war. Ich saß immerzu heulend auf der Couch und pumpte was das Zeug hielt. Und es war immer nur so wenig, dass ich zufüttern musste. Da ich auch ein bisschen an Babyblues litt, hab ich letztendlich aufgegeben und seitdem bekommt er Pre aus der Flasche. Mir ging es nach dem abstillen wirklich besser und mein Kleiner war auch viel zufriedener, trotzdem habe ich immernoch ein schlechtes gewissen, ihn nur 4 Wochen gestillt zu haben. Er ist jetzt 6,5 Monate alt.
Bei meinem nächsten Kind werde ich definitiv durchhalten, auch wenn es noch so schlimm ist. Bestimmt wird es irgendwann besser, so wie bei dir.

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