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Was ein Grundschulkind können sollte...

14. März 2017 um 7:44

Hallo zusammen, 


ich frage mich gerade, was ein Kind, das dieses Jahr eingeschult wird, "können muss".

Also Dinge wie: trocken sein, bis 30 zählen können, Schnürsenkel binden ....


Was würdet ihr sagen?
Was sollten Grundschulkinder können? 


Lg
Pupsigel

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14. März 2017 um 8:15

Wir hatten vor kurzem die Anmeldung. Die Rektorin hat dann nochmal geschaut ob er die Würfelzahl erkennt ohne zu zählen, er musste ein Muster Nachleben und auf einem Bild erzählen in ganzen Sätzen, was er sieht und wie es weiter gehen könnte.

In meinen Augen, klar trocken sein, ein Stift halten evt . Den Namen schreiben können, bestimmt kein muss aber die meisten können es. 
Wie weit sie zählen können müssen weiß ich nicht, so 20-30? 
Und in ganzen Sätzen erzählen können.
Ganz wichtig finde ich auch soziale Kompetenzen. Der  freundliche Umgang mit anderen Kindern, Respekt gegenüber Autoritätsperson.
Zuhören, aufpassen können.

Ich denke binden, schwimmen ect. Müss n sie nicht können.
 

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14. März 2017 um 12:37

Ja, ist man normalerweise. Aber es gibt Kinder, die brauchen etwas länger, zum Trockenwerden (nachts). 

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15. März 2017 um 9:27
In Antwort auf pupsigel

Hallo zusammen, 


ich frage mich gerade, was ein Kind, das dieses Jahr eingeschult wird, "können muss".

Also Dinge wie: trocken sein, bis 30 zählen können, Schnürsenkel binden ....


Was würdet ihr sagen?
Was sollten Grundschulkinder können? 


Lg
Pupsigel

Vieles wurde bereits angesprochen. Ich fasse die Dinge zusammen, die mir als Mutter (und Grundschullehrerin) wichtig sind bzw. die ich für empfehlenswert halte


Sozial-Emotional
- sich von Eltern / Bezugspersonen trennen können
- sich auf andere Bezugspersonen einlassen können (Erzieher, Lehrer)
- eigene Bedürfnisse mitteilen können
- Regeln akzeptieren (zum eigenen Wohlbefinden, sowie dem der anderen / der Gruppe) / Bedürfnisse von anderen anerkennen (das ist noch kein Handeln, sondern nur akzeptieren und anerkennen!)
- Kontakt zu anderen Gleichaltrigen aufnehmen können

Grobmotorisch
- sicher rückwärts laufen / Treppe steigen / klettern (wenn das Kind dies sicher beherrscht, kann es dies auf abstraktere Ebenen übertragen, z.B. Subtraktion)
- auf einem Bein stehen / hüpfen
- auf einer Linie sicher laufen
- (ausdauernd) rennen
- Wassergewöhnung (empfehlenswert: schwimmen können, "Seepferdchen"

Feinmotorisch
- Händigkeit sollte mit 4 Jahren festgelegt sein (Links- oder Rechtshänder), bei Unsicherheit bitte dringend (!!) abklären lassen (u.a. (Ergo-)Therapeut, Kinderpsychologe, Linkshänderberater, etc.)
- Stifthaltung bestenfalls im Dreipunkt halten können / unverkrampft aus dem Handgelenkt Linien nachspuren können (Tipp für "Jungsmamis", wenn die nicht so gern malen: Schraubendreher, Rührbesen locker aus dem Handgelenk, ...)
- Scherengriff / auf der Linie schneiden
- Reißverschluss von der Jacke selbstständig öffnen und schließen
- Knoten binden (empfehlenswert: Schleife binden)
- Papier reißen können (entgegen gesetzte Handbewegung)

Kognitiv
mathematischer-naturwissenschaftlicher Bereich:
- von der Körperwahrnehmung ausgehend: wie viele Finger habe ich an einer Hand / an beiden Händen? wie viele Ohren / Zehen / Augen etc. habe ich?
- simultane Mengenerfassung bis mind. 5
- Würfelbilder erkennen (empfehlenswert: Würfelspiele zu Hause spielen)
- Ziffernbild erkennen (1 = eins) und Mengen zuordnen können
- Größer-Kleiner / Mehr-Weniger Beziehungen erkennen
- bis 20 zählen können (nicht als "Gedicht" aufsagen können, sondern z.B. auch Fragen dazu beantworten können, welche Zahl kommt nach 12 (Nachfolger)?)
- empfehlenswert: erste Erfahrungen mit Uhrzeit (Tipp: Selbst eine Uhr tragen und dem Kind eine Uhr zur Einschulung schenken. Kinder von heute haben zu selten Kontakt mit Uhren und daher fällt es ihnen immer schwerer, die Uhrzeit abzulesen.)

sprachlicher Bereich:
- in ganzen Sätzen sprechen! (Tipp: Bitte achtet selbst auf eure Sprache (Vorbildfunktion) und lasst euch nicht abspeisen mit "Ball!" sondern fordert die Kinder auf, ganze Sätze zu sprechen: "Kann ich bitte den Ball HABEN?" Falls das Kind fragt: "Kann ich den Ball...?" antwortet bitte lustig und macht darauf aufmerksam, dass es den Ball nicht ablecken / kochen o.ä. kann. Viele, viele Kinder vergessen das "Verb" und haben leider kaum noch ein ausgeprägtes Sprachgefühl)
- Lautieren von Buchstaben (B wie Baum, statt Be wie Baum, Klassiker: das H ist ein H und kein Ha! sonst schreibt das Kind später gern HSE, denn das a ist beim Ha ja dabei, wenn man die Buchstaben wie die Erwachsenen ausspricht)
- empfehlenswert: erweiterter Wortschatz (vorlesen, vorlesen, vorlesen und selbst Vorbild sein!) >> auf Satzanfänge achten (nicht immer "Und dann...", gemeinsam Alternativen für "sagen" / "laufen" finden (rufen, sprechen, schreien, murmeln, flüstern, ... / schleichen, rennen, hopsen, hüpfen, wandern, gehen,...)
- erste Erfahrungen mit Buchstaben (z.B. eigenen Namen schreiben)
- Zuhören: (kleine) Arbeitsaufträge verstehen
- kleine Geschichte zu Bildern erzählen können

Lebenspraktisch
- selbst an- und ausziehen
- auf eigene Hygiene achten (Toilettengänge, Hände waschen, Nase putzen, ...)
- aufräumen können (Arbeitsplatz: Stifte in Federmappe, Schere in Bastelkiste, Schuhe hochstellen, empfehlenswert: Arbeitsblätter einheften)
- Erkennen von eigenen Dingen / Materialien (bitte den Kindern immer zeigen, wenn sie etwas neu haben, beschriften hilft auch)
- Orientierung (oben, unten, rechts, links, geradeaus, vorne, hinten)
- bei Mittagsversorgung: mit Besteck umgehen, Teller gerade halten
- Rad / Roller fahren
- Regeln im Straßenverkehr kennen
- "mit Fremden gehe ich nicht mit"
- empfehlenswert: Höflichkeit (begrüßen, verabschieden, bitte, danke, ...)
- Handlungsplanung üben z.B. indem die Kinder helfen, den Tisch zu decken (dazu sollten sie Zugriff auf Besteck und Geschirr haben), Spülmaschine ein- und ausräumen, ...

Ich arbeite selbst seit mehr als 12 Jahren als Grundschullehrerin.
Mir ist aufgefallen, dass die Kinder leider immer weniger in der Lage sind, zusammenhängend und in ganzen Sätzen zu sprechen. Daher mein Appell an euch: Bitte achtet selbst darauf, in ganzen Sätzen zu sprechen, redet gemeinsam über die Erlebnisse am Tag (z.B. beim Abendbrot), schafft insgesamt mehr Sprechanlässe, lasst euch nicht mit "Ein-bis-Zwei-Wort-Sätzen" abspeisen.
Wenn die Kinder dieses Sprachgefühl (für Sätze) nicht entwickelt haben, dann wird es für das Kind und uns Pädagogen sehr, sehr schwer, ihnen dieses zu vermitteln. Das ist jedoch notwendig, um später kleine Geschichten, Aufsätze o.ä. zu schreiben. Daher bitte die Basis dafür in der Kindheit legen.

Nicht ganz so wichtig, aber meiner Meinung nach empfehlenswert, weil es Kinder meiner Beobachtung nach auch immer schwerer fällt: Die Uhrzeit für Kinder im Alltag sichtbar machen und darüber reden. Nicht lernen oder beibringen, sondern immer wieder einfließen lassen.

Diese beiden Dinge liegen mir am Herzen. Andere Pädagogen mögen das anders sehen...

Herzliche Grüße
Incywincyspider
 

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15. März 2017 um 10:00

Öhm, dann hätte bei uns in etwa 90% der Kinder nicht eingeschult werden können. Und spätestens beim Punkt:
"mit Büchern und Arbeitsheften umgehen können, so dass diese auch 1 Jahr halten. Also zu wissen das man sie nicht knickt oder sein Trinken daneben stellt oder am besten in die Schultasche zu den Büchern steckt."
muss ich sagen, 80% der Kinder in EINER (mir bekannten) 8. Klasse kann das noch immer nicht

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15. März 2017 um 10:19

ich weiss was Du meinst, aber genau so ist das nämlich und dummerweise machen die meisten Eltern das auch noch - Grummel. Ja, WIR hatten DAMALS Respekt. Ich hatte EINEN Füllhalter von der 5. bis zum Studium. Heutzutage muss man teilweise nach wenigen Wochen schon einen neuen kaufen.

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16. März 2017 um 4:20

Was Jungs gerne machen und auch die Feinmotorik schulen kann: Zunächst weg von Stift und Tisch.  
Am Strand machen wir es alle: im Sand(kasten) schreiben, Linien ("Autobahnen", "Schatzinsel" ...) mit dem Stöckchen nachspuren,
Schrauben per Hand rein- und rausdrehen (Schraubendreher, Inbusschlüssel, ...),
mit Pinsel eigene Holzteile bemalen und ggf lackieren (z.B. Vogelhaus verschrauben und lackieren), 
beim Kochen Zutaten mit dem Rührbesen vermengen (dafür sollte es aber nicht zu schwer sein, sonst nutzt er die Kraft aus der Schulter),
"Knüllbilder": du malst den Baum vor und er knüllt (dreht mit seinen Fingerspitzen) aus Taschentuch oder Servietten kleine Kügelchen als Blüten oder Äpfel,
kneten, Fimo, lufttrocknende Modeliermasse,
Knoten binden (als Pirat z.B. Seemansknoten wie Palsteg, Schosteg, etc, Anhänger an Trettraktor befestigen etc),
auf Wandtafel gemeinsam Bilder (Schatzkarten oder woran er Interesse hat) malen,
mit Papa (Vorbildfunktion!) am Tisch malen  
....

Das sollte alles sehr spielerisch geschehen (interessenbasiert), er ist immerhin erst 3,5 Jahre. Wenn Jungs so z.B. die Feinmotorik verfeinern und auch der Papa mal "Mädchensachen" wie Bilder malen macht, ist ein guter Grundstein gelegt. 

Viel Spaß!  

 

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16. März 2017 um 5:04

Ja, du hast Recht. All das sollte selbstverständlich sein, leider ist es das nicht mehr (immer). Mögliche Gründe: Wir überbehüten Kinder und / oder haben zu wenig Zeit. Ich schließe mich bewusst nicht aus, sondern spreche von "wir" als Gesellschaft.

Ich beobachte oft z.B. im KiGa, dass Eltern morgens die Schuhe ins Regal stellen oder nur kurz die Jacke aufhängen. Geht schneller... man muss schnell zur Arbeit etc.
Abends / Mittags deckt man selbst den Tisch bevor man umständlich fünfmal erklären muss, was alles benötigt wird. Das (Klein)Kind erzählt umständlich eine Geschichte während man die Einkaufstüten verstauen will und man erahnt das Satzende, also unterbricht man halb genervt und beendet den Satz selbst. Verabredungen mit Freunden müssen geplant werden, somit ist das Kind von den Erwachsenen abhängig... Das Kind sagt, dass es Durst hat und wir schenken ihm etwas zu trinken ein, obwohl es nur mitgeteilt hat, dass es Durst hat. Es könnte sich (je nach Alter) selbst einschenken oder nicht nur mitteilen, dass es Durst hat (Fakt), sondern auch sagen, was es eigentlich von uns möchte ("Kannst du mir etwas zu trinken geben?". Beim gemütlichen Frühstück sagt das Kind "Butter." und wir reichen sie ihm, weil wir hineininterpretieren, dass es die Butter haben möchte. 
Über (unbegleitete und unreflektierte) Mediennutzung, bei der Kinder "verstummen" und lediglich konsumieren, möchte ich erst gar nicht anfangen.

Das ist Alltag, auch teils meiner. Ich bin selbst Mutter, berufstätig, trage Verantwortung für meine Kids aber auch für meine Eltern, die teils (leicht) gepflegt werden müssen. Man muss viel organisieren etc, so dass man oft unter Zeitdruck agiert und dann bleiben manchmal solche Basics auf der Strecke und man achtet ggf nicht mehr auf diese, weil sie Zeit benötigen. Dann reflektiert man und nimmt sich die Zeit, dabei verfallen dann viele Eltern (so meine Beobachtung)in einen Förderwahn, der für die kindliche Entwicklung ebenfalls schädlich ist (Helikopter-Eltern). 
Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir eine ausgeglichene Balance in unserer Gesellschaft vermissen. Das zeigt sich auch in diesem Forum immer wieder: Anstatt uns als Mütter mit verschiedenen Biographien oder Werten zu akzeptieren, verteidigen einige so vehement (und teils beleidigend) ihren Standpunkt, indem sie andere angreifen, weil dies einfacher ist als sich zu erklären oder in den anderen hineinzuversetzen. Wir Mütter sind auch durch dieses "Konkurrenzdenken" teils so verunsichert in unserer Erziehung, dass oben genannte Dinge , die ich persönlich für den Schulanfang wichtig halte, auch nicht mehr immer selbstverständlich sind. 

Das ist natürlich alles rein subjektiv betrachtet und sicherlich auch diskussionswürdig! Ich wollte nur kurz  bzw in epischer Breite darlegen, wieso ich dazu komme, dass einiges (in ganzen Sätzen sprechen, sich jon Bezugspersonen lösen, ...)  leider nicht mehr selbstverständlich sind.

Die Aspekte der Zurückstellung vom Schulbesuch (1 Jahr länger im KiGa) sowie die Vorbereitung der KiGas auf den Schulbeginn habe ich weggelassen, doch auch diese beiden Faktoren sind eigentlich aufzugreifen und in dieser Diskussion sehr differenziert zu betrachten. Im Eingangspost wurde danach jedoch nicht gefragt, daher habe ich das außer Acht gelassen. (Sonst würde das hier wirklich ein Roman werden. )

LG
incywincyspider


 

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16. März 2017 um 14:16
In Antwort auf incywincyspider

Vieles wurde bereits angesprochen. Ich fasse die Dinge zusammen, die mir als Mutter (und Grundschullehrerin) wichtig sind bzw. die ich für empfehlenswert halte


Sozial-Emotional
- sich von Eltern / Bezugspersonen trennen können
- sich auf andere Bezugspersonen einlassen können (Erzieher, Lehrer)
- eigene Bedürfnisse mitteilen können
- Regeln akzeptieren (zum eigenen Wohlbefinden, sowie dem der anderen / der Gruppe) / Bedürfnisse von anderen anerkennen (das ist noch kein Handeln, sondern nur akzeptieren und anerkennen!)
- Kontakt zu anderen Gleichaltrigen aufnehmen können

Grobmotorisch
- sicher rückwärts laufen / Treppe steigen / klettern (wenn das Kind dies sicher beherrscht, kann es dies auf abstraktere Ebenen übertragen, z.B. Subtraktion)
- auf einem Bein stehen / hüpfen
- auf einer Linie sicher laufen
- (ausdauernd) rennen
- Wassergewöhnung (empfehlenswert: schwimmen können, "Seepferdchen"

Feinmotorisch
- Händigkeit sollte mit 4 Jahren festgelegt sein (Links- oder Rechtshänder), bei Unsicherheit bitte dringend (!!) abklären lassen (u.a. (Ergo-)Therapeut, Kinderpsychologe, Linkshänderberater, etc.)
- Stifthaltung bestenfalls im Dreipunkt halten können / unverkrampft aus dem Handgelenkt Linien nachspuren können (Tipp für "Jungsmamis", wenn die nicht so gern malen: Schraubendreher, Rührbesen locker aus dem Handgelenk, ...)
- Scherengriff / auf der Linie schneiden
- Reißverschluss von der Jacke selbstständig öffnen und schließen
- Knoten binden (empfehlenswert: Schleife binden)
- Papier reißen können (entgegen gesetzte Handbewegung)

Kognitiv
mathematischer-naturwissenschaftlicher Bereich:
- von der Körperwahrnehmung ausgehend: wie viele Finger habe ich an einer Hand / an beiden Händen? wie viele Ohren / Zehen / Augen etc. habe ich?
- simultane Mengenerfassung bis mind. 5
- Würfelbilder erkennen (empfehlenswert: Würfelspiele zu Hause spielen)
- Ziffernbild erkennen (1 = eins) und Mengen zuordnen können
- Größer-Kleiner / Mehr-Weniger Beziehungen erkennen
- bis 20 zählen können (nicht als "Gedicht" aufsagen können, sondern z.B. auch Fragen dazu beantworten können, welche Zahl kommt nach 12 (Nachfolger)?)
- empfehlenswert: erste Erfahrungen mit Uhrzeit (Tipp: Selbst eine Uhr tragen und dem Kind eine Uhr zur Einschulung schenken. Kinder von heute haben zu selten Kontakt mit Uhren und daher fällt es ihnen immer schwerer, die Uhrzeit abzulesen.)

sprachlicher Bereich:
- in ganzen Sätzen sprechen! (Tipp: Bitte achtet selbst auf eure Sprache (Vorbildfunktion) und lasst euch nicht abspeisen mit "Ball!" sondern fordert die Kinder auf, ganze Sätze zu sprechen: "Kann ich bitte den Ball HABEN?" Falls das Kind fragt: "Kann ich den Ball...?" antwortet bitte lustig und macht darauf aufmerksam, dass es den Ball nicht ablecken / kochen o.ä. kann. Viele, viele Kinder vergessen das "Verb" und haben leider kaum noch ein ausgeprägtes Sprachgefühl)
- Lautieren von Buchstaben (B wie Baum, statt Be wie Baum, Klassiker: das H ist ein H und kein Ha! sonst schreibt das Kind später gern HSE, denn das a ist beim Ha ja dabei, wenn man die Buchstaben wie die Erwachsenen ausspricht)
- empfehlenswert: erweiterter Wortschatz (vorlesen, vorlesen, vorlesen und selbst Vorbild sein!) >> auf Satzanfänge achten (nicht immer "Und dann...", gemeinsam Alternativen für "sagen" / "laufen" finden (rufen, sprechen, schreien, murmeln, flüstern, ... / schleichen, rennen, hopsen, hüpfen, wandern, gehen,...)
- erste Erfahrungen mit Buchstaben (z.B. eigenen Namen schreiben)
- Zuhören: (kleine) Arbeitsaufträge verstehen
- kleine Geschichte zu Bildern erzählen können

Lebenspraktisch
- selbst an- und ausziehen
- auf eigene Hygiene achten (Toilettengänge, Hände waschen, Nase putzen, ...)
- aufräumen können (Arbeitsplatz: Stifte in Federmappe, Schere in Bastelkiste, Schuhe hochstellen, empfehlenswert: Arbeitsblätter einheften)
- Erkennen von eigenen Dingen / Materialien (bitte den Kindern immer zeigen, wenn sie etwas neu haben, beschriften hilft auch)
- Orientierung (oben, unten, rechts, links, geradeaus, vorne, hinten)
- bei Mittagsversorgung: mit Besteck umgehen, Teller gerade halten
- Rad / Roller fahren
- Regeln im Straßenverkehr kennen
- "mit Fremden gehe ich nicht mit"
- empfehlenswert: Höflichkeit (begrüßen, verabschieden, bitte, danke, ...)
- Handlungsplanung üben z.B. indem die Kinder helfen, den Tisch zu decken (dazu sollten sie Zugriff auf Besteck und Geschirr haben), Spülmaschine ein- und ausräumen, ...

Ich arbeite selbst seit mehr als 12 Jahren als Grundschullehrerin.
Mir ist aufgefallen, dass die Kinder leider immer weniger in der Lage sind, zusammenhängend und in ganzen Sätzen zu sprechen. Daher mein Appell an euch: Bitte achtet selbst darauf, in ganzen Sätzen zu sprechen, redet gemeinsam über die Erlebnisse am Tag (z.B. beim Abendbrot), schafft insgesamt mehr Sprechanlässe, lasst euch nicht mit "Ein-bis-Zwei-Wort-Sätzen" abspeisen.
Wenn die Kinder dieses Sprachgefühl (für Sätze) nicht entwickelt haben, dann wird es für das Kind und uns Pädagogen sehr, sehr schwer, ihnen dieses zu vermitteln. Das ist jedoch notwendig, um später kleine Geschichten, Aufsätze o.ä. zu schreiben. Daher bitte die Basis dafür in der Kindheit legen.

Nicht ganz so wichtig, aber meiner Meinung nach empfehlenswert, weil es Kinder meiner Beobachtung nach auch immer schwerer fällt: Die Uhrzeit für Kinder im Alltag sichtbar machen und darüber reden. Nicht lernen oder beibringen, sondern immer wieder einfließen lassen.

Diese beiden Dinge liegen mir am Herzen. Andere Pädagogen mögen das anders sehen...

Herzliche Grüße
Incywincyspider
 

Super geschrieben, Beifall!

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16. März 2017 um 14:20
In Antwort auf incywincyspider

Ja, du hast Recht. All das sollte selbstverständlich sein, leider ist es das nicht mehr (immer). Mögliche Gründe: Wir überbehüten Kinder und / oder haben zu wenig Zeit. Ich schließe mich bewusst nicht aus, sondern spreche von "wir" als Gesellschaft.

Ich beobachte oft z.B. im KiGa, dass Eltern morgens die Schuhe ins Regal stellen oder nur kurz die Jacke aufhängen. Geht schneller... man muss schnell zur Arbeit etc.
Abends / Mittags deckt man selbst den Tisch bevor man umständlich fünfmal erklären muss, was alles benötigt wird. Das (Klein)Kind erzählt umständlich eine Geschichte während man die Einkaufstüten verstauen will und man erahnt das Satzende, also unterbricht man halb genervt und beendet den Satz selbst. Verabredungen mit Freunden müssen geplant werden, somit ist das Kind von den Erwachsenen abhängig... Das Kind sagt, dass es Durst hat und wir schenken ihm etwas zu trinken ein, obwohl es nur mitgeteilt hat, dass es Durst hat. Es könnte sich (je nach Alter) selbst einschenken oder nicht nur mitteilen, dass es Durst hat (Fakt), sondern auch sagen, was es eigentlich von uns möchte ("Kannst du mir etwas zu trinken geben?". Beim gemütlichen Frühstück sagt das Kind "Butter." und wir reichen sie ihm, weil wir hineininterpretieren, dass es die Butter haben möchte. 
Über (unbegleitete und unreflektierte) Mediennutzung, bei der Kinder "verstummen" und lediglich konsumieren, möchte ich erst gar nicht anfangen.

Das ist Alltag, auch teils meiner. Ich bin selbst Mutter, berufstätig, trage Verantwortung für meine Kids aber auch für meine Eltern, die teils (leicht) gepflegt werden müssen. Man muss viel organisieren etc, so dass man oft unter Zeitdruck agiert und dann bleiben manchmal solche Basics auf der Strecke und man achtet ggf nicht mehr auf diese, weil sie Zeit benötigen. Dann reflektiert man und nimmt sich die Zeit, dabei verfallen dann viele Eltern (so meine Beobachtung)in einen Förderwahn, der für die kindliche Entwicklung ebenfalls schädlich ist (Helikopter-Eltern). 
Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir eine ausgeglichene Balance in unserer Gesellschaft vermissen. Das zeigt sich auch in diesem Forum immer wieder: Anstatt uns als Mütter mit verschiedenen Biographien oder Werten zu akzeptieren, verteidigen einige so vehement (und teils beleidigend) ihren Standpunkt, indem sie andere angreifen, weil dies einfacher ist als sich zu erklären oder in den anderen hineinzuversetzen. Wir Mütter sind auch durch dieses "Konkurrenzdenken" teils so verunsichert in unserer Erziehung, dass oben genannte Dinge , die ich persönlich für den Schulanfang wichtig halte, auch nicht mehr immer selbstverständlich sind. 

Das ist natürlich alles rein subjektiv betrachtet und sicherlich auch diskussionswürdig! Ich wollte nur kurz  bzw in epischer Breite darlegen, wieso ich dazu komme, dass einiges (in ganzen Sätzen sprechen, sich jon Bezugspersonen lösen, ...)  leider nicht mehr selbstverständlich sind.

Die Aspekte der Zurückstellung vom Schulbesuch (1 Jahr länger im KiGa) sowie die Vorbereitung der KiGas auf den Schulbeginn habe ich weggelassen, doch auch diese beiden Faktoren sind eigentlich aufzugreifen und in dieser Diskussion sehr differenziert zu betrachten. Im Eingangspost wurde danach jedoch nicht gefragt, daher habe ich das außer Acht gelassen. (Sonst würde das hier wirklich ein Roman werden. )

LG
incywincyspider


 

Und wieder volle Zustimmung. 
Mit dir hätte ich gerne zusammengearbeitet. 

 

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