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Wie lebt ihr Liebe? Oder: War Liebe früher einfacher?

Letzte Nachricht: 18. Juni 2014 um 10:41
A
amrita_11953350
17.06.14 um 20:42

Da drauf gekommen bin ich durch diesen Artikel:
http://www.spiegel.de/panorama/wlada-kolosowa-sucht-die-liebe-ihre-grossmutter-aus-russland-a-975508.html

Was meint ihr, war es früher "einfacher"? Oder nur anders? Jenseits von Paarabenden, Zeit für sich und Ratgebern...Spielt sie sich heute vielleicht auf einer anderen Ebene ab? Haben wir andere Ansprüche?

Erzählt mal von euch, eure Meinung interessiert mich!

Den Artikel kopiere ich in den ersten Beitrag mit rein...für diejenigen die nicht am Pc sind.


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A
amrita_11953350
17.06.14 um 20:43

Vollständiger Artikel
Meine Oma ist dick, aber schnell. Sie hört kaum, dafür spricht sie umso mehr. Sie ist fast blind, aber niemand kann so genau zwischen den Zeilen lesen wie sie. Oma ist 76 Jahre alt. Sie geht kaum mehr aus dem Haus, aber wenn, dann nur mit Pumps und Lippenstift. Seit Opa vor elf Jahren gestorben ist, lebt sie allein in St. Petersburg. Haustiere braucht sie keine, sagt Oma. Sie habe einen Pelzmantel, der reiche.

Omas Liebe bedarf keiner Küsschen und keiner warmen Worte. Als ich versuche, zur Begrüßung ihren Hundert-Kilo-Körper mit den Armen zu umrunden, sagt sie: "Nun ist Schluss mit den Kalbszärtlichkeiten. Komm an den Tisch." Kaugeräusche sind Omas bevorzugte Liebeserklärungen, der Bauch das wichtigste Liebesorgan. Und da ist kein Platz für Schmetterlinge, sondern für Borschtsch und Koteletts. Ihr Platz.

Gefühle muss man anfassen kann

"Die Liebe kommt und geht, doch essen will man immer", kontert Oma alle meine Nachfragen nach Liebesgeschichten mit einer russischen Weisheit. Erst beim Tee erbarmt sie sich und holt ein Fotoalbum. Auf dem Foto aus dem Jahr 1956 sieht Oma aus wie eine kommunistische Marilyn Monroe mit kräftigen Armen, die streicheln können, aber auch Teig kneten und Kartoffelfelder pflügen. Opa blickt ernst in die Kamera, ein Mann mit zusammengewachsenen Brauen und markanter Nase. Sie lernten sich beim Tanz kennen. Ein halbes Jahr später waren sie verheiratet. War er ein guter Tänzer? "Furchtbar, ganz furchtbar." Fand sie ihn schön? "Er trug ein sauberes Hemd." War er ein guter Mann? "Er war mein Mann", sagt Oma.

Sie gingen zusammen fischen, triezten den Sohn in die Musikschule und schafften es, auf ihrer Datscha hinter dem Polarkreis Erdbeeren anzubauen. Wenn ich frage, ob Opa sie liebte, erzählt sie von Rubin-Ohrringen, die er ihr schenkte. Auf die Frage nach ihren eigenen Gefühlen spricht sie von Torten, die sie ihm buk. Omas Geschichten drehen sich um Objekte, die wohl kaum Stoff für Jahrhundertromane bieten. Pelmeni spielen in ihnen die Hauptrolle, Lachsfische, Pilzkonserven. Von Gefühlen spricht Oma nie. Kalbszärtlichkeiten eben.

Omas früheste Kindheitserinnerung handelt von einer Zuckerrübe, die Soldaten ihr schenkten. Vielleicht ist für so jemanden die Geschichte einer Torte tatsächlich eine Liebesgeschichte. Die heutige Liebe findet Oma zu flüchtig. Wenn ich mit meinem Freund im Chat quatsche und E-Mails an ihn tippe, schaut sie mir interessiert über die Schulter. Dann geht sie in die Küche und grummelt: "Ich lebte im Dorf, dein Vater lebt in der Stadt, und du wirst im Internet leben."

Gefühle, die über elektrische Signale vermittelt werden, kann sie nicht akzeptieren. Gefühle muss man anfassen können: gestärkte Hemden, warme Piroggen, selbstgemachte Marmelade. Omas Liebe ist reichhaltig - auch wenn sie nicht einfach zu verdauen ist: Salo - gehärtetes Tierfett, Igeltorte aus Butterkeksen, Butter und noch mehr Butter, klebrige Süßigkeiten, die ganze Familien zusammenhielten.

Ehe ohne Fragezeichen

War sie glücklich mit Opa? "Wir haben unsere Arbeit gemacht, wir haben einen Sohn großgezogen und zwei Enkeltöchter", sagt sie. "Ich kann mich nicht beschweren." Aber was ist mit Sonnenuntergängen, schmalzigen Liebesbriefen und gewichtigen Gesprächen bis in die Morgenstunden? War Oma so grundzufrieden, dass sie nie über diese elementare Ebene der Zufriedenheit hinausdachte? Oder lege ich gerade mir bekannte Maßstäbe an eine Liebe aus einem anderen Jahrzehnt und Land an?

Wenn man Omas Erzählungen glaubt, war die Ehe damals nicht kompliziert. Ehe, das war nicht Widerspiegelung des einen im anderen. Ehe, das war nicht Arbeit. Die Ehe war. Omas Liebe hatte etwas, womit sich nur die Hälfte der heutigen Liebesbeziehungen in Deutschland rühmen kann: ein lebenslanges Haltbarkeitsdatum.

Wie schafften sie es, über 40 Jahre zusammenzubleiben? "Ganz einfach", sagt Oma. "Wir haben uns nicht scheiden lassen." Sie hat nicht nach einem besseren Leben gesucht, hat nie ein Fragezeichen hinter ihren Ehestatus gesetzt. Man war verheiratet. Punkt. Man versuchte, das Beste daraus zu machen, trotz Krisen und Routine und dickwerdenden Bäuchen.

Und doch wird es mehr gewesen sein, als "sich nicht zu trennen". Opa und Oma hielten immer Händchen, wenn sie auf die Straße gingen. Sie schliefen im selben Bett bis zu Opas letztem Tag. Ihre erste polare Erdbeere, die nicht einfror, hat Oma Opa gegeben, und er gab sie ihr zurück. Es stimmt: Omas Liebesgeschichte dreht sich nicht um durchgeschwitzte Laken und durchgeweinte Kissen. Aber vielleicht ist Liebe tatsächlich eher fünfzehntausend Frühstückseier und hunderttausend Tassen Tee.

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luned_12111910
17.06.14 um 21:37

Wir sind eine wegwerfgesellschaft!!
egal, ob handy, auto oder waschmaschine...wenn es kaputt ist, wird es ersetzt!!

genauso hat sich das in beziehungen eingeschlichen...durch das phänomen "scheidung ist in" , trennen/scheiden sich so viele paare, die wenig, bis gar nicht für ihre liebe/beziehung gekämpft haben...es ist leichter ein papier zu unterschreiben, als monatelang gespräche zu führen und alles bis aufs detail zu analysieren und sich/beide zu ändern!!

Der Egoismus eines jeden, steht solchen langjährigen beziehungen im wege!! Die fragen die sich einem immer stellen:

bin ICH glücklich?
kann ICH damit weiterleben?
muss ICH zurückstecken?

ect...ich könnte die liste noch endlos weiterführen...aber selten wird gefragt, ob der partner mit mir zufrieden ist...oder glücklich...oder ob er/sie sich ein leben mit mir vorstellen könnte!! die fragen sind immer ich-bezogen!

Unser Ehespruch war: Eine Ehe ist wie eine Brücke, sie muss von beiden Seiten gebaut werden, damit sie hält!

und genau nach diesem prinzip leben und lieben wir auch! meine eltern sind seit 35 jahren verheiratet, haben 6 kinder und 12 enkelkinder! Sie haben höhen und sehr, sehr tiefe Tiefen durchlebt und lieben sich heute, vielleicht mehr als damals!!

harte arbeit, hartes leben und gemeinsame erfahrungen schweißen zusammen und die liebe wächst mit der zeit...

heutzutage gibt es kaum mehr, gemeinsam körperlich schwere arbeit...kalte winter gemeinsam zu überstehen..gemeinsam zu ÜBERLEBEN!! Dinge sind heutzutage austauschbar, genauso wie Partner...

Es ist sehr schade, dass der trend dazu geht: besser neu, als repariert...
man sollte sich wirklich mal gedanken machen, über traditionelle werte und zusammenhalt in schweren zeiten, anstatt "next" zu schreien, wenn es einmal schwierig wird..

in diesem sinne...lg enomie

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C
casey_11887674
17.06.14 um 21:45

Interessanter Artikel...
macht mich ein bisschen nachdenklich .

Mein Mann ist auch ein bisschen so gestrickt, wie die Oma in dem Artikel. Also jetzt nicht so extrem. Er macht unsere Liebe nicht an irgendwelchen Objekten fest. Aber er hinterfragt auch nicht viel. Er ist kein Mensch für schmalzige Liebesbriefe oder romantische Überraschungen. Er redet auch nicht über seine Gefühle. Wenn dann muss ich ihm mühsam alles aus der Nase ziehen. Doch er wirkt einfach grundzufrieden.

Oft genug habe ich ihm schon Vorhaltungen gemacht, weil ich meinte, eine Beziehung müsste man pflegen, man müsste dem anderen seine Liebe immer wieder durch Gesten und kleine Geschenke beweisen.

Aber auch bei uns ist es so, dass mein Mann die erste Erdbeere im Garten immer mir gibt. Wenn ich über meine Gefühle sprechen möchte, ist er immer da und hört mir zu.

Auch wenn ich mir in unserer Beziehung oft etwas mehr Romantik wünschen würde, ist er doch mein Fels in der Brandung. Er gibt mir Sicherheit aber auch Herzenswärme, die ich jenseits von allen Worten und Gesten einfach spüren kann .

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amrita_11953350
17.06.14 um 21:59
In Antwort auf casey_11887674

Interessanter Artikel...
macht mich ein bisschen nachdenklich .

Mein Mann ist auch ein bisschen so gestrickt, wie die Oma in dem Artikel. Also jetzt nicht so extrem. Er macht unsere Liebe nicht an irgendwelchen Objekten fest. Aber er hinterfragt auch nicht viel. Er ist kein Mensch für schmalzige Liebesbriefe oder romantische Überraschungen. Er redet auch nicht über seine Gefühle. Wenn dann muss ich ihm mühsam alles aus der Nase ziehen. Doch er wirkt einfach grundzufrieden.

Oft genug habe ich ihm schon Vorhaltungen gemacht, weil ich meinte, eine Beziehung müsste man pflegen, man müsste dem anderen seine Liebe immer wieder durch Gesten und kleine Geschenke beweisen.

Aber auch bei uns ist es so, dass mein Mann die erste Erdbeere im Garten immer mir gibt. Wenn ich über meine Gefühle sprechen möchte, ist er immer da und hört mir zu.

Auch wenn ich mir in unserer Beziehung oft etwas mehr Romantik wünschen würde, ist er doch mein Fels in der Brandung. Er gibt mir Sicherheit aber auch Herzenswärme, die ich jenseits von allen Worten und Gesten einfach spüren kann .

Blätter
Du sprichst einiges aus, was ich auch denke. Grade das mit der Beziehung pflegen...das kannten die früher nicht und es hat trotzdem oft gehalten. Ich rede jetzt nicht von den Paaren, wo man sich nur ausgehalten hat....

Vielleicht haben wir einfach viel zu viel Zeit, was Segen und Fluch zugleich ist. Wobei Fluch jetzt ein extremer Begriff in diesem Zusammenhang ist....
Aber wir haben viel mehr Möglichkeit zu vergleichen, uns zu informieren..dadurch steigt der Anspruch, die Bedingungen. Man bekommt den Eindruck, eine Ehe funktioniert nur, wenn xy gemacht wird. Ich bin jetzt nicht so der Frauenzeitschrift-Leser (nur im Wartezimmer ) aber wenn es diese Tests gibt oder Ratschläge, dann meist zu "Wie finde ich den perfekten Partner?" und nicht "Wie kann ich besser mit den Macken meines Partners umgehen" oder ähnliches.....Vielleicht täusche ich mich da auch und sehe diese Berichte einfach nicht

Bei meinem Mann merke ich es dadurch, dass er mir in meinen Wünschen entgegen kommt...-leider nicht beim Aufräumen - aber im Garten, obwohl es ihm selbst nicht wichtig ist. Das versuche ich mir immer vor Augen zu halten, wenn er mal wieder etwas auf und nicht in die Spülmaschiene gestellt hat

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pupsigel
pupsigel
17.06.14 um 22:12

Toller Beitrag.
Nur dass ich glaube, dass es heutzutage nicht einfacher ist. Vielleicht sogar schwerer.
Heute wird einem durch die Medien und der modernen Selbstinzinierung suggeriert dass alles möglich sei. Und das schürt eine megagroße Unzufriedenheit. Sobald etwas als nicht perfekt empfunden wird kommen Fragen auf wie: ist das nicht irgendwo noch ein besserer Partner? (Wunscherfüller)?
Die Qual nicht sicher sein zu können d e n richtigen gewählt zu haben, einfach weil so viele Möglichkeiten bestehen, ist für viele schwer.

Eine Randbemerkung zu einem entfernten Thema: arrangierte Ehen, wie ich Indien üblich sind statistisch gesehen glücklicher als Liebesehen....

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amrita_11953350
17.06.14 um 22:18

Enomie
Danke für deine Antwort! Mmhh..ich glaube, so leicht, wie es für Außenstehende rüber kommt, ist eine Scheidung nicht. Und ich kann dich verstehen, dass du diesen Eindruck bekommst. Man selbst "kämpft" ja auch irgendwo und gibt nicht auf, obwohl man vielleicht Gründe dazu hätte.

Ich finde euren Trauspruch total schön Vielleicht ist es das, was so oft zum Beenden einer Ehe führt....das fehlende sich-um-den-anderen-sorgen. Früher war man dazu gezwungen, weil man sonst nicht überlebt hätte und es nur in der Gemeinschaft funktioniert hat...wenn alle füreinander da sind. Heute lernt man es nur in besonderen Lebenssituationen oder wenn die Eltern in der Erziehung ein Auge drauf haben und das den Kinder bewusst "beibringen"...und vorleben.

Früher haben die das automatisch mitbekommen...meistens. Heute wird das "an der Ehe arbeiten" genannt.
Ach und noch was....früher konnte man den Kontakt oft nicht einfach so abbrechen oder sich räumlich trennen. Man hat gelernt, mit dem miesepetrigen Großvater auszukommen...und so auch später mit seinem Ehepartner.

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luned_12111910
17.06.14 um 22:23

danke
ich verneige mich vor dir und deiner wortwahl!! genauso meinte ich es auch!!

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A
amrita_11953350
17.06.14 um 22:24
In Antwort auf pupsigel

Toller Beitrag.
Nur dass ich glaube, dass es heutzutage nicht einfacher ist. Vielleicht sogar schwerer.
Heute wird einem durch die Medien und der modernen Selbstinzinierung suggeriert dass alles möglich sei. Und das schürt eine megagroße Unzufriedenheit. Sobald etwas als nicht perfekt empfunden wird kommen Fragen auf wie: ist das nicht irgendwo noch ein besserer Partner? (Wunscherfüller)?
Die Qual nicht sicher sein zu können d e n richtigen gewählt zu haben, einfach weil so viele Möglichkeiten bestehen, ist für viele schwer.

Eine Randbemerkung zu einem entfernten Thema: arrangierte Ehen, wie ich Indien üblich sind statistisch gesehen glücklicher als Liebesehen....

Das habe ich
auch schon gehört...mit den arrangierten Ehen in Indien. Aber das kommt doch sicher auch von der Lebenseinstellung, oder? Die haben aufgrund ihrer traditionellen Lebensweise ganz bestimmt auch nicht die Möglichkeit einer Scheidung. Dadurch lernen sie schnell, mit dem auszukommen, was sie haben Vielleicht trägt das zum zufriedensein bei....

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A
amrita_11953350
17.06.14 um 22:58

Ihr schreibt so tolle Beiträge!
Macht ruhig weiter

Krysam: Danke für deinen schönen Beitrag! Ich denke, heute wird die Romantik als Vorrausetzung für eine Beziehung gesehen, während früher oft erst Beziehung und dann die Romantik kam..im Laufe der Beziehung. Versteht man was ich meine? Man hatte möglicherweise auch zu wenig Zeit für romantische Momente... so das die kleinen Momente im Alltag reichen mussten.

Poker: Nein, natürlich gab es früher auch Schattenseiten und schlecht laufende Ehen, wo es für alle besser wäre, sie hätten die Möglichkeit, von der Ehe loszukommen.. Ich finde an dem Bericht die Sichtweise interessant. Das es eben auch ohne das ganze Gedöns funktionieren kann, was wir heute vor Augen haben....und dem ich nicht abgeneigt bin

Padma: Bekommen eure Kinder eure Vulkanausbrüche mit?

Misssaleen: Wahre Worte! Ich freu mich für dich, dass ihr beide euch auf dieser Ebene austauschen könnt und offen zueinander seid.

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C
chara_12722091
17.06.14 um 23:04

Ich finde den Artikel wunderschön, eben wir er so
"ungekitscht" schön und authentisch ist.Ich finde ihn keineswegs kalt oder gefühllos.

Ich muß sagen, dass viele Liebe wirklich mit Schmetterlingen und tralala verbinden und wenn diese Gefühle sich ändern und das tun sie, dann ersit beweist sich wirklich, ob man es miteinander aushält.

Die eine oder andere Macke, die man anfangs noch sooo niedlich fand, kann plötzlich unheimlich nerven.

Ich habe schon das Gefühl, dass teilweise Beziehungen schneller beendet werden als früher.
Scheidung an sich war zumindest in der ehem. DDR kein Problem. Da hat man sich mal schnell scheiden lassen. Meine Elern z.b. gingen zum Notar unterschrieben was und das wars. Kein Trennungsjahr etc.

Im "Westen" war das wohl etwas anders.
Mit früher meinte ich auch eher unsere Großelterngeneration und weiter zurück.

Ich finde es wunderschön, wenn ich alte Menschen sehe, die 50 und mehr Jahre verheiratet sind. Neulich auf der Arbeit, beide 90, 65 Jahre verheiratet.
Und, es war sicher nicht immer Sonnenschein.

Ich bin auch nicht so der Typ, der nun 1000mal am Tag, Schatzi, hasi Mausi sagen muß oder ständig die Hände am Partner. Das finde bei bei anderen auch eher nervig.

Ein bißchen weniger ist da oft mehr






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aureliaborealis
aureliaborealis
18.06.14 um 10:19

Tolles Thema
Das Thema hab ich grad neulich mit meiner Mama diskutiert. Meine Großeltern waren DAS Traumpaar! Die haben sich auch noch nach 50 Jahren Ehe innig geliebt. Wahrscheinlich hatte das unter anderem mit der harten und entbehrungsreichen Jugend der beiden zu tun. Als sie heirateten war Krieg und meine Oma wusste nicht einmal, ob sie meinen Opa nochmal lebend sehen würde. Nach dem Krieg haben sie es sich schön gemacht und konnten schätzen, was sie haben.

Ich denke, dass heute die Ansprüche ganz anders sind als früher. Es wird tatsächlich schneller das Handtuch geworfen, wenn mal etwas nicht passt. Jeder will die GANZ GROSSE LIEBE, die soll einem am besten einfach so in den Schoß fallen und es darf sich um Gottes Willen nichts daran ändern!

Das ist doch nicht realistisch. Also von daher, früher waren die Erwartungen nicht so hoch und deshalb die Liebe wohl "einfacher".

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I
ikraam_11953212
18.06.14 um 10:32

Ich finde
gar nicht, dass das ideal von der großen liebe so ein symptom unserer zeit ist. man braucht sich ja nur mal einen literaturquerschnitt anschauen, die alles verbrennende liebe ist doch in nahezu jeder epoche thema. aber heute wie immer eben ein nahezu unerreichbares ideal, auch die helden in der literatur scheitern ja in der regel daran.

aber grad in der großelterngeneration war im alltag eben wenig platz für emotionalität, in kriegs- bzw. nachkriegszeiten ging es eben in erster linie darum, zu überleben. dazu kamen natürlich auch ganz andere konventionen. keine frauenrechte, geächtete scheidung und so weiter. ich finde es schwierig, die vergangenheit so zu verklären. wirklich erstrebenswert sind reine vernunftehen für mich genauso wenig wie übereilte strohfeuer-liebesheiraten.

es ist gut, dass wir heute mehr möglichkeiten haben. menschen machen fehler, auch bei der partnerwahl und möglicherweise das ganze leben unter so einem "fehler" zu leiden...nein danke. man kann nicht immer alles reparieren, die gesprungene tasse kann einmal gekittet werden, vielleicht auch zwei- oder dreimal, aber wenn sie zum x-ten mal herunterfällt, sind es zu viele scherben, um sie wieder zu einer funktionstüchtigen tasse zusammenzubasteln. es gibt mittelwege zwischen "auf schlimmer und ewig" und bei jeder hürde direkt das handtuch zu werfen und ich bin froh, dass die gesellschaft heute die möglichkeiten dazu bietet.

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L
linda_12065513
18.06.14 um 10:41

Das trifft es eigentlich
ein Gedicht von Reiner Kunze

Rudern zwei ein Boot, der eine kundig der Sterne,
der andere kundig der Stürme,
wird der eine
führn durch die Sterne,
wird der andere
führn durch die Stürme,
und am Ende ganz am Ende
wird das Meer in der Erinnerung blau sein.

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